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Helga Wolf, Sabine Weidlich, Peter Hirschberger, Doris Semmler sowie Peter und Eva Eberhardt haben Bürgermeister Michael Müller (li.) am Montagvormittag 1266 Unterschriften übergeben.

Schlagabtausch vor Müllers Amtszimmer

Interessengemeinschaft übergibt Unterschriften 

Die Gegner des geplanten Krämmel-Baus haben am Montag Bürgermeister Michael Müller 1266 Unterschriften übergeben. Sie sind gegen Höhe und Größe des Projekts sowie gegen eine Tiefgarage unter dem Karl-Lederer-Platz.

Geretsried – Sieben der insgesamt rund 40 Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Karl-Lederer-Platz marschierten am Montagvormittag ins Vorzimmer des Bürgermeisters. Der befand sich gerade in einer Mitarbeiterbesprechung, unterbrach sie aber. „Es wäre schön gewesen, wenn Sie Ihren Besuch angekündigt hätten“, sagte Michael Müller zu der Gruppe. Nachdem die Begegnung zunächst recht emotional verlief, ging man nach dem rund einstündigen Gespräch doch ruhig auseinander. Jede Seite legte noch einmal ihre Sicht der Dinge dar. Eva Eberhardt, Anwohnerin des Karl-Lederer-Platzes, sagte, der Stadtrat habe „keine Ahnung“ von der Grundwasserproblematik. Das Grundwasser sei in drei Metern Tiefe zu finden, die Tiefgarage werde neun Meter unter die Erde reichen. „Die Garage liegt also voll im Grundwasser“, sagte die Sprecherin der IG. Bürgermeister Müller entgegnete, es gebe noch keine verlässlichen Zahlen. Die Stadt sei dabei, wegen der bekanntermaßen schwierigen Verhältnisse ein Grundwassermanagement einzuführen: „So etwas gab es in Geretsried 60 Jahre lang nicht.“

Eberhardt: „Die Leute wollen das alte Zentrum behalten“

Peter Eberhardt berichtete aus seinen vielen Gesprächen mit den Unterzeichnern der Liste, unter ihnen auch Auswärtige: „Die Leute wollen das alte Zentrum behalten.“ Müller hielt ein langes Plädoyer dagegen. Der Platz sei jetzt „zu groß.“ Er müsse „städtebaulich gefasst“ werden und brauche eine „Markante“ (den Krämmel-Bau). Für die „drei bis vier Feste im Jahr“, die auf dem Platz stattfinden würden (das Patronatsfest der Griechen, der Christkindlmarkt, die Maifeier und das Faschingstreiben) werde man Ausweichmöglichkeiten finden. Müller: „Der Platz bleibt ja erhalten. Die Nutzfläche wird sogar größer, weil er nicht mehr als Parkplatz dienen wird.“

Müller sprach von „qualitätvoller Architektur“

Man stritt sich darüber, ob ein Lebensmittelmarkt, wie er im Erdgeschoss des Neubaus vorgesehen ist, ins Zentrum gehört. Anwohnerin Doris Semmler meinte, eine Stadt belebe man nicht mit einem Supermarkt, sondern mit Geschäften wie der Modekette H&M. Die bekomme man zum einen nicht, entgegnete Müller, zum anderen gehe die Entwicklung aufgrund des demografischen Wandels genau in Richtung Nahversorgung in den Zentren. Die Supermarktbetreiber wiederum forderten gewisse Flächen. Sabine Weidlich hätte sich einen Architektenwettbewerb an Stelle der Auftragsvergabe an Architekt Klaus Kehrbaum gewünscht. Bei einem Wettbewerb hätte die Stadt laut Müller viel weniger Einflussmöglichkeiten als jetzt. Er sprach von „qualitätvoller Architektur“. Die IG-Vertreter hielten dagegen, die angestrebte Urbanität könne auch anders als mit einem siebenstöckigen Gebäude erreicht werden. Sie verwahrten sich vehement gegen Müllers Vorwurf, „mit anonymen Briefen erreichen Sie gar nichts“. Mit diesen Schreiben habe die IG nichts zu tun, beteuerte Eva Eberhardt.

Über Bürgerbegehren wird noch beraten

Müller will die Unterschriftenliste nun dem Stadtrat zeigen. Er erinnerte daran, dass dieser in einer repräsentativen Demokratie die Entscheidungen treffe. Den Bürgern stehe es natürlich frei, ein Bürgerbegehren, das in einen Bürgerentscheid münden kann, zu initiieren. Arnold Schmidt von der IG wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht festlegen: „Wir müssen uns erst noch beraten, ob wir ein Bürgerbegehren starten.“

Von Tanja Lühr

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