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Aufs Dach gestiegen: Das Gerätehaus Geretsried Nord war eines der ersten Gebäude, das vom Schnee befreit wurde. Allerdings nicht von Einsatzkräften der Feuerwehr selbst. Sie sollten sich für mögliche andere Einsätze bereit halten. 

Einsatzkräfte haben nicht geschaufelt

Hat sich Feuerwehr beim Schneechaos vor der Arbeit gedrückt? Kommandant kontert Kritik

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Die Geretsrieder Feuerwehr hat sich am Freischaufeln der Dächer nicht beteiligt. Dafür gab es Kritik. Dabei hatte es einen einfachen Grund. Der Kommandant im Interview.

Geretsried – Während des Schneechaos’ halfen Einsatzkräfte aller Hilfsorganisationen zusammen, um Schlimmeres zu verhindern. Nun steht die Freiwillige Feuerwehr Geretsried in der Kritik, weil sie als Stützpunktfeuerwehr nicht eingesetzt wurde, um die Dächer von der Schneelast zu befreien. Unsere Mitarbeiterin Sabine Hermsdorf-Hiss sprach darüber mit dem Ersten Kommandanten Erik Machowski.

Herr Machowski, beschreiben Sie uns zunächst die Ausgangslage...

Machowski: Geretsried war aufgrund der hohen Schneelasten, der vielen Flachdächer, und der wichtigen Infrastruktur einer der fünf Schwerpunkte im Katastrophenfall. Wir wurden über den Landrat und die Einsatzleitung gebeten, eine dementsprechende Kommission einzurichten, bestehend aus Bürgermeister, Kreisbrandmeister und dem Bauamt beziehungsweise Ordnungsamt der Stadt. Mit Hilfe der Statiker wurde dann eine Prioritätenliste zum Abräumen der Dächer erstellt. Ganz oben standen neben Schulen, Turnhallen und öffentlichen Gebäuden die beiden Feuerwehr-Gerätehäuser und der städtische Bauhof – auch, um die wichtigsten Infrastrukturen, die innerhalb dieses Schneechaos’ gebraucht wurden, aufrechtzuerhalten.

Für welche Aufgaben war die Feuerwehr Geretsried vorgesehen?

Erik Machowski, Erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Geretsried. 

Machowski: Ich kann in Geretsried auf 96 Einsatzkräfte zurückgreifen, aber nur auf dem Papier. Manche können vielleicht aus familiären oder beruflichen Gründen nicht. Wenn ich also – und da kann ich mich glücklich schätzen – Großalarm auslöse, habe ich sofort gut 40 Leute Gewehr bei Fuß. Doch wie soll man mit 40 Kräften einen Einsatz dieser Größenordnung bewerkstelligen? Das wäre nicht nur fatal, sondern auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein in dieser Ausnahmesituation.

Wie meinen Sie das?

Machowski: Was würde im Falle eines zeitgleichen Unfalls passieren, zum Beispiel wenn ein Bürger beim Abschaufeln seines eigenen Daches verunglückt? Was ist bei Bränden, Verkehrsunfällen und Ähnlichem, die durch ein Schneechaos nicht unmittelbar ausbleiben? Es ist ja nicht so, dass so etwas automatisch ausbleibt. Ich kann jemanden, der bereits seit Stunden so eine kräftezehrende Arbeit wie das Schneeschaufeln geleistet hat, nicht auch noch zu einem Noteinsatz schicken. Das wäre unverantwortlich. Außerdem ist dann auch nicht sicher, ob wir die Hilfeleistungsfrist von zehn Minuten einhalten können, wenn ich alle erst vom Dach holen muss.

Also ist die Feuerwehr erst gar nicht aufs Dach gestiegen?

Machowski: Aus dem vorgenannten Grund hat sich der Krisenstab in Tölz dazu entschlossen, die Feuerwehr Geretsried vorzuhalten, damit sie für ihre primären Aufgaben einsatzbereit ist. Und das nicht nur im eigenen Schutzgebiet, sondern auch in Königsdorf, Dietramszell, Eurasburg und Beuerberg – stellenweise sogar noch in Sachsenkam. Der Landkreis war in vier verschiedene Einsatzabschnitte – Nord, Mitte, Südwest und Südost – aufgeteilt und die jeweiligen Kreisbrandmeister dementsprechend zur Abschnittsleitung eingesetzt.

Video: Am Samstag kommen Sturm und Glättegefahr auf uns zu

Haben sich die Kräfte dennoch eingebracht?

Machowski: Das Gerätehaus Geretsried Nord diente als Bereitstellungsraum Mitte. Hier hielten sich über mehrere Tage teilweise an die 800 Einsatzkräfte aller Kontingente und der verschiedensten Einsatzabschnitte auf. Sie wurden verpflegt und verteilt. Unsere Leute haben hier bei der Organisation mitgeholfen oder waren dabei, Material wie Schaufeln an die Einsatzorte zu bringen, Absturzsicherungen zur Verfügung zu stellen und anschließend zu überprüfen. Eigene Drehleitern waren ebenfalls im Einsatz, auch überörtlich. Zudem musste eine Fernmeldestelle täglich über zwölf Stunden hinweg besetzt sein, um die Kommunikation mit dem Landratsamt sicherzustellen. Aber ich kann meine Kräfte nicht alle im Gerätehaus auf Bereitschaft halten. Wir wären uns alle gegenseitig auf die Füße getreten, und bei Alarm wäre ein unnötiges Chaos ausgebrochen. So aber wäre alles abgelaufen wie normal, wenn der Funkmelder angegangen wäre.

Hatte die Mannschaft für diese Entscheidungen Verständnis?

Machowski: Teils ja, teils nein. Die Hausbesitzer unter uns waren ganz froh, da sie sich ja auch um ihre eigenen Belange kümmern mussten. Die anderen hätten natürlich gerne etwas mehr getan – und dann hieß es, der Kommandant hat gesagt, sie dürfen nicht. Das stimmt so nicht. Ich habe gesagt, es wäre mein Wunsch, wenn sie aus oben genannten Gründen zuhause, aber für den Notfall alarmierbar bleiben.

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