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Volle Blütenpracht: Vereinschef Hans Nowotny ist seit 37 Jahren Kleingärtner und stolz auf sein kleines Paradies.

Serie: „Ab ins Beet“ (3)  

Schrottplatz wird zur grünen Oase

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Eine Oase im Grünen, das wär’s: Diesen Wunsch hegten einige Familien mit Kindern 1975. Zwei Jahre später gründeten sie den Isartaler Kleingartenverein. Heuer feiert der Verein seinen 40. Geburtstag. Ein Rückblick.

Geretsried – Bis die Gartenfreunde ihren Wunsch in die Tat umsetzen konnten, zogen allerdings noch ein paar Jahre ins Land. Grund dafür war der Standort der Kleingartenanlage. Sie wurde auf einer ehemaligen Mülldeponie und einem Schrottplatz errichtet. Das brachte viele Anträge und Diskussionen mit sich, heißt es in der Chronik des Vereins, die der Vorstand zum 40-jährigen Bestehen aufgelegt hat.

Doch der Reihe nach: Nachdem die Geretsrieder ihren Wunsch bei der Stadt vorgebracht hatten und dort auch Gehör fanden, gründeten sie einen Verein. Zur konstituierenden Mitgliedversammlung im Juli 1977 kamen etwa 50 Personen, zum Vorsitzenden wählten sie Georg Golz. Noch im gleichen Jahr wurde der Bauplan für eine Gartenanlage bei der Stadt eingereicht. Die Bevölkerung hatte keine Einwände, und so plante das Stadtbauamt auf dem Areal an der Jeschkenstraße 88 Parzellen.

Kein leichtes Unterfangen war 1981 das Ausbaggern des Wasserkanals. Auf dem Gelände der ehemaligen Müllkippe, das später von einer Autoverwertung genutzt wurde, kam allerhand Unrat zutage. Von Seiten des Umweltamts wird das Gelände seit Jahren regelmäßig beprobt.

Anfang 1979 wurde der Bebauungsplan beim Landratsamt eingereicht, im August 1980 wurde er rechtskräftig. „Es scheiterte nur noch an der Tatsache, dass das zum 15. Mai 1981 gekündigte Grundstück der Autoverwertung auf dem Platz noch nicht umgezogen war und die Zuschuss-Zusagen seitens des Staates noch fehlten“, ist in der Chronik zu lesen. Beide Hindernisse ließen sich relativ schnell aus dem Weg räumen: Der langersehnte erste Spatenstich für die Kleingartenanlage fand am 23. Mai 1981 statt.

„Ein Kleingartenverein ohne Kleingartenanlage ist problematisch“, sagte der damalige Bürgermeister Heinz Schneider. „Ich bewundere es, dass sie die ganzen Jahre nicht den Mut verloren haben. Unter dem Beifall von vielen Stadträten und Vereinsmitgliedern wurde der Grundstein für die Anlage gelegt, die die Stadt an den Verein verpachtete.

Stein auf Stein: Alle Kleingärtner errichteten ein Häuschen auf ihrer Parzelle. Die Regularien sind streng: Maximal ein Drittel des 300 Quadratmeter großen Grundstücks durfte dafür verwendet werden. Das Foto stammt aus dem Jahr 1982.

Mit viel Elan gingen die Gartenfreunde an die Arbeit: Sie machten das Areal von Strauchwerk und Gebüsch frei, die Parzellen wurden vermessen, abgesteckt, mit Humus bedeckt und planiert. Es wurden Wasserleitungen und Standrohre für Wasserhähne verlegt und installiert sowie Säulen für Zäune gesetzt. Bei den Bauarbeiten kam es auch zu manch unliebsamer Überraschung: So förderten die Schaufeln beim Ausbaggern des Wasserkanals allerhand Unrat zutage – Überreste der ehemaligen Mülldeponie und Autoverwertung.

Der erste Bauabschnitt umfasste 40 Parzellen mit je rund 300 Quadratmetern. Abend für Abend und an den Wochenende packten alle an, um ihre Parzelle herzurichten. Ein Drittel des Platzes war für ein Häuschen plus Umgebung vorgesehen, ein Drittel für Rasen und ein weiteres Drittel für den Anbau von Obst und Gemüse. „Ganze Familien, vom Opa bis zum Enkel, werkelten dort mit wahrer Begeisterung.“ Dabei war es jedem Pächter weitestgehend selbst überlassen worden, wie er sein Paradies gestaltet.

Der erste Sommer und die erste Ernte blieben in Erinnerung. „Neben einem wahren Blumenmeer und viel grünem Rasen sieht man jede Art von Gemüse. Zuhause quellen zum Teil die Kühltruhen fast über, so viel wurde schon für den Winter eingefroren“, heißt es in der Vereinsgeschichte. „Ein schönes Gefühl, wenn man heimbringt, was man selbst gesät und gezogen hat.“

Im Januar 1983 entstand das erste Toilettenhäuschen, im Juni des gleichen Jahres begann die Planung für den zweiten Bauabschnitt mit 48 Parzellen. Fertiggestellt wurde dieser im Sommer 1985. In den Folgejahren kümmerten sich die Kleingärtner um ihre Gärten und Hütten. Sie genossen die Erholung vom Alltag in ihrem kleinen Paradies. Um einen zentralen Treffpunkt zu haben, planten die Gartenfreunde im Sommer 1992 ein Vereinsheim.

Georg Golz lenkte die Geschicke des Vereins 20 Jahre. 1993 gab er den Vorsitz an Peter Knoppek ab. Zwei Jahre später bauten die Kleingärtner ihr Vereinsheim – in Eigenleistung. Sein 25-jähriges Jubiläum feierte der Verein im Jahr 2002 mit einem großen Gartenfest.

Peter Knoppek zog sich heuer nach 24 Jahren als Vorsitzender und 30 Jahren im Vorstand zurück. Zu seinem Nachfolger wählten die Mitglieder Hans Nowotny, der dem Verein bereits seit 37 Jahren angehört. Über sich selbst sagt der 73-Jährige: „Als ,Mädchen für alles‘ bin ich fast jeden Tag bei Sonne und Regen im Garten unterwegs. Keine Minute möchte ich missen.“

40 Jahre Kleingartenverein

Der Isartaler Kleingartenverein feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen. Seit 1977 hegen und pflegen die Mitglieder die Anlage an der Jeschkenstraße und genießen das bunte Vereinsleben. In einer Serie begleitet unsere Zeitung den Verein, seine Mitglieder und deren Gärten durch das Jahr.

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