Messgeräte des Projekts der Energiewende Oberland
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Ein „Messi“ im Garten: Die Schüler stellten die Messgeräte daheim oder an den Gymnasien auf. Den Sommer über beobachteten sie das Wetter und notierten eigene Beobachtungen.

Rund 30 Teilnehmer

Schüler messen Wetter: Erste Projektphase der Energiewende Oberland abgeschlossen

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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Beim Bürgerwissenschaftsprojekt KARE-CS beobachten Schüler Extremwetterereignisse. Dazu hatten sie den Sommer über Messgeräte in ihren Gärten. Nun wurden die Daten ausgewertet.

Geretsried/Lenggries – Wenn die Wetterkarte Regenwolken über dem Oberland anzeigt, heißt das nicht, dass in Lenggries so viel Wasser vom Himmel wie in Geretsried kommt. Um diese lokalen Unterschiede geht es unter anderem beim Bürgerwissenschaftsprojekt KARE-CS. Heuer führte die Bürgerstiftung Energiewende Oberland (EWO) ihre erste Wetter-Messkampagne durch. Kürzlich fand der Auswertungsworkshop statt, bei dem sich schon erste Erfolge zeigten.

20 Schüler und drei Lehrkräfte der Gymnasien in Geretsried und Lenggries beteiligten sich an der ersten Projektphase (wir berichteten). Die EWO führt das KARE-CS gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin durch. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Den Sommer über beobachteten die Teilnehmer das Wetter und notierten eigene Beobachtungen, etwa ob das Fußballtraining wegen Starkregen ausfallen musste. Jeder setzte aus einem Bausatz ein Messgerät, genannt Messi, zusammen und stellte es im eigenen Garten oder auf dem Schulgelände auf. „Sie waren über den ganzen Landkreis verteilt“, berichtet EWO-Vorstandsmitglied Elisabeth Freundl.

Im Auswertungsworkshop, der wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen über Videotelefonie stattfand, schauten sich die Schüler zunächst die Standorte der Messgeräte an. „Jeder hat eine Skizze angefertigt, wir haben sie verglichen und besprochen“, so Freundl. Wenn das Messgerät etwa dauerhafter Sonneneinstrahlung ausgesetzt war oder so dicht an einer Wand stand, dass Regen von dort abprallt, könnten einzelne Ergebnisse verfälscht sein.

Das behielten die Schüler im Hinterkopf, als sie im nächsten Schritt mit den Daten arbeiteten. „Wir haben uns als Beispiel den 28. August herausgesucht“, erklärt Freundl. Auf den Radarbildern sieht man an diesem Tag deutlich, wie gegen 18 Uhr ein starkes Niederschlagsereignis über Geretsried und Lenggries zieht. Auch die Webcam am Brauneck zeigt zu dieser Zeit: Blauer Himmel wird abgelöst von grauen Wolken. Schließlich landen Tropfen auf der Kameralinse. Die Messergeräte der Schüler registrierten deutlich, dass je nach Standort die Niederschlagsmengen unterschiedlich waren. Freundl: „In Lenggries war es weniger als in Geretsried.“

Langfristig sollen Daten aus solchen Bürgerwissenschaftsprojekten auch für den Deutschen Wetterdienst (DWD) verwendet werden, ähnlich wie bei der Vogelzählung. Sich intensiv mit den lokalen Unterschieden von Extremwetterereignissen zu beschäftigen, erhöht zudem das Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels vor der eigenen Haustür. Auch das ist die Intention von KARE-CS.

Interessant fand Freundl in diesem Zusammenhang etwa den Vergleich der Einschätzungen der Teilnehmer im Vorfeld mit den tatsächlich gemessenen Daten des DWDs. Die Schüler schätzten etwa, dass es im Beobachtungszeitraum 20 Tage über 30 Grad warm sein würde. Tatsächlich waren es aber nur vier Tage. „Wir wollen auch sehen, wie sich Wissen durch das Projekt verändert“, berichtet Freundl.

Die Corona-Pandemie erschwerte die Durchführung der ersten Projektphase. Statt einer ganzen Klasse pro Schule nahmen nur interessierte Schüler freiwillig daran teil. Die Messinfrastruktur sollte eigentlich von Mitarbeitern aus Berlin aufgebaut werden. Da sie aber nicht reisen durften, sprangen Mitarbeiter der Stadtwerke Bad Tölz und des Landratsamts ein. Und die meisten Workshops mit den Schülern konnten nur digital stattfinden.

Freundl ist dennoch zufrieden mit der ersten Projektphase. „Ich bin sehr dankbar für den persönlichen Einsatz von allen“, sagt das EWO-Vorstandsmitglied. Die Schüler hätten großes Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten gezeigt. Manche wollten ihre Messstation im Garten sogar behalten, um in ihrer Freizeit weiter forschen zu können. Auch hätten die Geräte die erhoffte Aufmerksamkeit erzeugt, und die Teilnehmer seien mit Nachbarn ins Gespräch gekommen – quasi eine Sensibilisierung für den Klimawandel über den Gartenzaun. „Ein Netzwerk von aktiven Menschen als Multiplikatoren zu bekommen, ist für uns von unschätzbarem Wert“, sagt Freundl.

KARE-CS ist ein Schwesterprojekt von KARE (Klimawandelanpassung auf regionaler Ebene), deren Auftakt die EWO vergangene Woche digital veranstaltete. Für KARE beobachten die Wissenschaftler, wie sich die Klimaänderungen auf die Pilotkommunen Garmisch und Weilheim auswirken. Der Zusatz CS beim Schwesterprojekt steht für Citizen Science, also Bürgerwissenschaft.

Nächstes Jahr ab April geht es in die zweite Projektphase mit neuen Schülergruppen der beiden Gymnasien. Freundl hofft, dass dann die Beteiligung einer größeren Gruppe möglich ist. „Es sollte mindestens eine Klassenstärke pro Schule sein.“ Und sie hofft, „dass es wieder so eine gute Schülertruppe wird, die Freude an Bürgerwissenschaft hat“.

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