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Sorglose Stunden verbrachten viele Flüchtlinge im Jugendzentrum Saftladen.

Versammlung des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit

Schulsozialarbeit an der Realschule: Wie geht's weiter?

Geretsried – Viel zu besprechen hatten Verantwortliche und Mitglieder des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit bei ihrer Frühjahrs-Mitgliederversammlung. Besonders hervorgehoben wurde der Erfolg des „sozialraumorientierten Modellprojektes“ an der Realschule, das im Sommer ausläuft.

Vorsitzende Kerstin Halba richtete in ihrem Rechenschaftsbericht den Blick zunächst auf das Jahr 2015, das erfreulich positiv verlaufen sei. Neben dem „Alltagsgeschäft“ wurden demnach viele Herausforderungen erfolgreich gemeistert, etwa die Betreuung vieler Flüchtlinge im Jugendzentrum Saftladen.

Ebenso positiv hob die Vorsitzende hervor, dass die erfolgreiche Arbeit von Dagmara Sosnowska mit „Integration aktiv“ dank der Unterstützung durch die Stadt fortgesetzt werden kann. Rudi Mühlhans berichtete als Geschäftsführer, dass der Verein im zurückliegenden Jahr annähernd 600 000 Euro eingenommen habe. Der Zuschuss der Stadt für die Angebote der Jugendarbeit habe unverändert bei 400 000 Euro gelegen. Größter Posten bei den Ausgaben seien mit über 530 000 Euro die Personalkosten gewesen.

Aufgrund der Umstellung auf Bilanzierung musste der Trägerverein im zurückliegenden Jahr ein Defizit in Höhe von rund 45 000 Euro ausweisen. Die Rechnungsprüfer des Vereins, Guido Becker und Dr. Elisabeth Anton, stellten der Organisation mit Blick auf die Abwicklung der Finanzen ein ordentliches Zeugnis aus, so dass die Delegierten einstimmig den Jahresabschluss 2015 beschlossen und der Vorstand entlastet werden konnte.

Aufmerksam lauschten die Delegierten den Ausführungen, etwa von Lars Fendrich über seine Arbeit an der Realschule.

Kurz vor der Versammlung konnten sich die Delegierten über die Arbeit im Jugendzentrum Saftladen, im Jugendtreff „Ein-Stein“ und bei der Mobilen Jugendarbeit informieren. Ein Schwerpunkt war der Bericht von Lars Fendrich über sein Wirken an der Realschule Geretsried. Das „sozialraumorientierte Modellprojekt als Alternative zur Einführung von Schulsozialarbeit“ wurde im Oktober 2013 gestartet. Zunächst habe es etwas gedauert, bis Schüler und Lehrerschaft das Angebot wahrgenommen und es als Ressource an der Schule genutzt hätten, berichtete Fendrich. Waren es in der Anfangsphase etwa zehn Schüler, die beraten und begleitet wurden, so stieg die Zahl – auch Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Schulpsychologen Florian Geißler – auf mittlerweile 50 an.

In den meisten Fällen gehe es darum, „übliche Probleme“ von heranwachsenden jungen Menschen zu bearbeiten, sagte Fendrich. Häufig handle es sich um Fragen der Abgrenzung in den Familien und Konflikte im Elternhaus. Seltener gehe es um direkte Schwierigkeiten an der Schule und Suchtmittelkonsum.

Fendrichs Erfahrung nach brauche es manchmal eine gewisse Anlaufzeit, bis die Schüler offen über ihre Probleme berichten würden. Die meist von Lehrkräften angefragten und von Fendrich angebotenen Sozialtrainings (Umfang je zwei Wochenstunden über einen Zeitraum von drei bis vier Wochen) hätten sich als gute Zugangsmöglichkeit zu einzelnen Schülern herausgestellt. Bei den Trainings wird das Zusammenwirken im Klassenverbund mittels erlebnispädagogischer Elemente reflektiert und im Idealfall positiv beeinflusst. Fendrich erklärte, dass für die erfolgreiche Zusammenarbeit gegenseitiges Vertrauen in der Schulgemeinschaft erforderlich sei. Dieses sei nicht per se erwartbar, sondern müsse im Laufe der Zeit wachsen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Jugendamts, der Erziehungsberatungsstelle und anderer fachlicher Angebote habe sich schnell sehr positiv entwickelt. Auch wenn eine direkte Weitervermittlung nicht immer sofort möglich beziehungsweise erforderlich gewesen sei, weil Probleme durch eine frühe Intervention an der Schule gelöst werden konnten. „Hinsichtlich akuter Gefährdungslagen hat die Zusammenarbeit hervorragend geklappt“, betonte Fendrich weiter. Früh sei jedoch deutlich geworden, dass das Projekt mit wöchentlich sieben Stunden den Bedarf nicht decken und lediglich besonders akute Fälle bearbeitet werden könnten.

Der Trägerverein habe sich deshalb für die Einführung von Schulsozialarbeit an Realschulen eingesetzt. Mit Beschluss der entsprechenden Landkreisgremien soll im Herbst nun eine halbe Stelle geschaffen werden, um die Arbeit von Lars Fendrich mit angemessenen personellen Ressourcen fortzusetzen. Der Verein habe sich um die Trägerschaft beworben; die Entscheidung darüber stehe aber noch aus.

Mit Ende des Projekts endet laut Geschäftsführer Rudi Mühlhans auch Fendrichs Engagement. Als er im Herbst 2013 die Aufgabe übernahm, ging man im Verein lediglich von eine Laufzeit bis Sommer 2014 aus. Dank der finanziellen Unterstützung durch das Jugendamt und einige weiterer Organisationen konnte die Finanzierung bis zum Sommer 2016 sichergestellt werden. Rudi Mühlhans ergänzte abschließend, dass sich im Vorfeld der Versammlung auch die Schulleitung für die gute Zusammenarbeit mit dem Trägerverein und den Einsatz von Lars Fendrich bedankt habe.

red

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