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Einer der schrecklichsten Unfälle mit einem Elektrofahrzeug: Im Mai 2016 kam eine damals 18-jährige Pullacherin mit dem Tesla ihres Vaters bei Irschenhausen von der Straße ab. Die fünf Insassen wurden zum Teil schwer verletzt. 

Schulung für FFW Geretsried

So funktioniert ein Einsatz am E-Mobil

Die wachsende Zahl von „elektrifizierten Fahrzeugen“ im Straßenverkehr stellt auch die Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr vor neue Herausforderungen. Die Freiwillige Feuerwehr Geretsried hat sich jüngst in einer speziellen Schulung über die Besonderheiten der Elektro-Fahrzeuge informiert.

Geretsried – Ein Elektro-Auto wird an einer Zapfsäule aufgeladen. Ein unachtsamer Zeitgenosse rauscht mit seinem Pkw in das stehende Fahrzeug. Die Feuerwehr muss helfen – und steht womöglich vor einem Problem. „Wenn’s blöd läuft, habe ich auf der ganzen Karre Hochvolt-Spannung“, sagt Patrick Rau. Dann könnte durch den unbedachten Einsatz von Spreizer oder Schere ein Kurzschluss verursacht und ein Lichtbogen erzeugt werden, der dem Feuerwehrmann die Augen verblitzt. Die wachsende Zahl von „elektrifizierten Fahrzeugen“ im Straßenverkehr stellt auch die Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr vor neue Herausforderungen. Es fehlt die Erfahrung mit der neuen Technologie. „Man muss über die Gefahren informiert sein. Wenn man damit konfrontiert wird, sollte man vorbereitet sein“, sagt Eric Machowski, Zweiter Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Geretsried. Zusammen mit knapp 30 Kollegen informierte er sich jüngst in einer speziellen Schulung von Patrick Rau über die Besonderheiten der Elektro-Fahrzeuge.

Woher weiß man, dass es sich um ein Elektro-Auto handelt?

Zunächst müsse man beim Einsatz überhaupt erst mal herausfinden, ob es sich um ein Elektro-Auto handelt, erläutert der 26-jährige Gruppenführer. Was manchmal gar nicht so einfach ist, vor allem bei Fahrzeugen, die sowohl mit Strom als auch mit Kraftstoff betrieben werden können. „Wer ein Elektro-Auto fährt, identifiziert sich meist damit und hat in der Regel irgendwas am Auto, das darauf hinweist“, sagt Rau. Ein besonders hervorgehobenes „E“ im Kennzeichen sei ebenso ein Erkennungsmerkmal wie entsprechende Typenbezeichnungen und Aufschriften. Beim Blick unter die Motorhabe verrieten oft orangefarbene Hochvoltkabel, dass es sich um ein elektrobetriebenes Fahrzeug handele. Eine Gewähr sei das jedoch nicht. „Das ist leider nicht genormt“, weiß der Referent. 

Manchmal ist es optisch nur ein winziges Detail

Das gilt auch für die sogenannten Rettungskarten, die im Unglücksfall den Helfern Anleitungen geben, wie sie das Hochvoltsystem manuell deaktivieren können. Sehr gut gelöst ist das vom Hersteller des Testwagens, an dem die Schulungsteilnehmer ihr neu erworbenes Wissen gleich auf den Prüfstand stellen können. Der von der Geretsrieder Firma DMG MORI Used Mashines eigens für die Lehrstunde zur Verfügung gestellte E-Golf 7 unterscheidet sich optisch nur durch ein winziges Detail vom herkömmlichen Modell – dem „e“ im Emblem, das an allen vier Seiten des Fahrzeugs angebracht ist. Unter der Motorhaube erleichtern auffällig angebrachte Warnhinweise den Rettungskräften die Orientierung. „Alles was orange ist, fassen wir nicht an. Wir können nicht feststellen, ob Spannung drauf ist“, mahnt Schulungsleiter Rau.

Die Batterie einzuschneiden: „Das vermeiden wir auf Teufel komm raus“

Der größte Fehler sei, bei einem Unfallfahrzeug die Hochvolt-Batterie, die sich etwa in der Fahrzeugmitte im Unterboden befindet, einzuschneiden. „Das vermeiden wir auf Teufel komm raus.“ Die dadurch ausgelöste chemische Reaktion würde die Batterie unweigerlich entflammen. „Das wird ein Fiasko, wenn so ’ne Kiste brennt“, warnt der Referent. Mit mehreren Rohren müsse das Feuer bekämpft werden. „Einer löscht hinten, einer vorne – die zwei werden an dem Tag keine Freunde mehr“, sagt Rau. Denn die Batterie müsse so lange mit dem Sprühstrahl gekühlt werden, bis sie leer ist und aufhört zu brennen. Das könne Stunden dauern. 

Von Rudi Stallein

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