Zeigten Flagge beim Politischen Aschermittwoch in Geretsried: Redner Gerhard Meinl (li.) mit CSU-Ortschef Ewald Kailberth. Foto: sh

Schwarze Brösel auf der Stirn

Geretsried - Er beließ es natürlich nicht bei lokalen Themen: Gerhard Meinl. Der ehemalige CSU-Ortschef trat beim Politischen Aschermittwoch seiner Partei heuer selbst ans Rednerpult.

Stolz trägt Meinl den ganzen Abend über sein Aschekreuz unterm Seitenscheitel. Die übrigen Parteimitglieder scheinen es weggewischt zu haben, jedenfalls sieht man keine schwarzen Brösel mehr auf ihren Häuptern. Mit einem Gottesdienst in der Maria-Hilf-Kirche hat die CSU heuer ihren Politischen Aschermittwoch eingeläutet. Ausgestattet mit dem kirchlichen Segen wird anschließend in den Ratsstuben in kleiner Runde - etwa 30 Ortsverbands-Treue, kaum Gäste - Lachs, gebackener Kabeljau und Saibling verspeist.

„Wir wollten es diesmal ruhig angehen lassen, ein Beisammensein im Nebenzimmer, ohne Referenten“, erklärt der amtierende Ortsvorsitzende Ewald Kailberth. Über die Kommunalpolitik wolle Meinl sprechen, kündigt Kailberth an. Doch der Unternehmer, der am Nachmittag noch bangte, ob er es mit dem TGV rechtzeitig aus Frankreich zurück schaffen werde, spannt, wie man es von ihm gewohnt ist, einen weiten Bogen vom lokalen zum globalen Geschehen.

„Geretsried findet in der Welt statt“ sagt er pathetisch. Der Musikinstrumenten-Hersteller sinniert über den gemäß von der EU erlaubten Nickelanteil in Mundharmonikas. Er bezweifelt, dass ein Bundespräsident überparteilich sein kann. „Das war nur der Kaiser Wilhelm.“ Er bedauert die Entwicklung hin zum „entpolitisierten“ Bürger, der sich einmal die Woche als Fernsehzuschauer „bei Maybrit“ oder Jauch aufrege, aber nicht zur Wahl gehe. Er wettert gegen die Freien Wähler und entdeckt sein Grünes Herz. Eine „unglaubliche Chance“ nennt er die Geothermie, nach der im Frühjahr auf dem Hofgut Breitenbach bei Gelting gebohrt werden soll. Bei neuen Baugebieten müsse der Stadtrat darauf achten, dass die Sonnenenergie optimal ausgenutzt werde, ganz Geretsried müsse mit LED-Lampen beleuchtet werden, fordert der Zweite Bürgermeister. Ein wenig in Fahrt geredet hat er sich doch, der ehemalige Ortsvorsitzende, trotz Kailberths Ankündigung eines gemütlichen Fischessens.

(tal)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kommentare