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Schwimmen lernen können derzeit nicht alle Kinder in den Grundschulen im Nordlandkreis. Viele Rektoren haben in diesem Zusammenhang die Hoffnung, dass das interkommunale Hallenbad doch noch realisiert wird.

Schulleiter hoffen aufs interkommunale Hallenbad

Schwimmunterricht in Gefahr

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Das in Geretsried geplante interkommunale Hallenbad lässt kaum einen Schulleiter im Nordlandkreis kalt. Sie hoffen, dass aus dem Projekt doch noch etwas wird.

Dass der Wolfratshauser Stadtrat die Beteiligung am Betriebskostendefizit des interkommunalen Hallenbads abgelehnt hat, bereitet Bernhard Sappel Sorgen. Der Rektor der Eglinger Grundschule sieht den Schwimmunterricht – der ihm nach eigenen Worten sehr am Herzen liegt – in Gefahr. Bislang ist die Schule in einer vergleichsweise komfortablen Situation: Alle drei Wochen gehen die zweiten bis vierten Klassen ins Ascholdinger Hallenbad. „Wenn es aber zugesperrt wird und wir nicht in Geretsried rein können, gibt es keine Alternativen mehr“, sagt Sappel. Dabei gebe es vom Kultusministerium die klare Vorgabe, dass Schwimmunterricht angeboten werden soll. „Und die Unfall-Statistiken der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft zeigen auch, dass Schwimmunterricht dringend notwendig ist.“

Sorgen plagen auch Marianne Leubner, Rektorin der Grund- und Mittelschule in Dietramszell. Ihre Schüler lernen ebenfalls im Ascholdinger Bad Schwimmen: „Uns bleibt nur die Hoffnung, dass es noch länger erhalten bleibt, bis sich in Geretsried eine Lösung auftut.“

Nur indirekt wäre dagegen die Ickinger Grundschule vom interkommunalen Hallenbad betroffen. Rektor Anton Höck würde liebend gerne schon jetzt Schwimmunterricht anbieten, doch dies würde aus logistischen Gründen nicht gehen: „Alle Schwimmhallen sind von Icking aus schwer erreichbar – gleich ob in Starnberg, Pullach oder Geretsried. Icking hat einfach eine sehr exponierte Lage.“

Die Hin- und Rückfahrt nach Geretsried dauere von der Isartalgemeinde mit dem Bus etwa 20 Minuten, stellt Höck fest. „Wenn man dann noch die Zeit fürs Umziehen dazurechnet, bleibt von einer Doppelstunde nicht mehr viel übrig. Das lohnt sich für uns nicht.“ Er könne daher nur die Eltern darum bitten, den Kindern das Schwimmen beizubringen. Denkbar sei höchstens, dass die Schule den Schwimmunterricht „ganz kompakt“ ein paar Wochen lang anbietet.

Dass der Wolfratshauser Stadtrat „Nein“ zur Beteiligung am Betriebskostendefizit gesagt und dem Projekt damit quasi den Todesstoß versetzt hat, darüber kann Höck „nur den Kopf schütteln. Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis“. Von einem interkommunalen Schwimmbad hätten seiner Ansicht nach alle profitiert. „Ich freue mich, dass Bürger nun die Initiative ergriffen haben, um doch noch ein positives Votum zu erreichen“, sagt der Ickinger Grundschulchef.

Noch offen ist, wie es für die Schüler in Eurasburg und Königsdorf in den nächsten Jahren weitergeht. Bislang reisen die Kinder der beiden Grundschulen nach Geretsried, wenn Schwimmunterricht ansteht. Vier bis fünf Königsdorfer Klassen üben dort im Zwei-Wochen-Rhythmus. „Wie es weitergeht, weiß niemand“, sagt die Königsdorfer Rektorin Martina Bäumle. „Es liegt jetzt an den Wolfratshausern.“

Wolfratshauser Grundschüler sitzen auf dem Trockenen

Nur sporadisch kann die Münsinger Grundschule Schwimmunterricht anbieten. „Wir haben versucht, in Geretsried vor den Sommerferien Zeiten zu kriegen, aber da war alles dicht“, berichtet die Sportbeauftragte der Grundschule, Angela Hanke. „Das war sehr schade.“ Jetzt dürfen die Münsinger Grundschüler wenigstens hin und wieder als Nachrücker ins Geretsrieder Hallenbad. Hanke betont: „Der Schwimmunterricht ist wichtig – gerade in einer Gemeinde, die direkt an einem See liegt.“

Schon jetzt auf dem Trockenen sitzen die Wolfratshauser Grundschüler: „In Geretsried haben wir keine Zeiten gebucht, und das Lehr-Schwimmbecken in Weidach ist momentan geschlossen“, sagt Rektor Frank Schwesig auf Nachfrage unserer Zeitung. „Von daher ändert sich für uns gar nichts.“ Vom Schwimmunterricht dürfe man auch nicht zu viel erwarten, gibt der Schulleiter zu bedenken: „Man kann das nicht mit einem Kurs der DLRG vergleichen. Das Schwimmen lernt bei uns in der Grundschule niemand.“

Die Schulen könnten aber einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich Kinder im Wasser sicherer bewegen. Rektor Schwesig betont: „Wenn es die Möglichkeit gibt, bin ich auf alle Fälle dafür, Schwimmunterricht anzubieten.“

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