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Betrug und Beleidigungen

Sex gegen Semmeln: Geretsrieder (33) vor Gericht

Wegen Betrugs stand ein 33-jähriger Geretsrieder vor Gericht. Dabei kamen auch üble sexistische Beleidigungen ans Tageslicht, die von der Staatsanwaltschaft nicht verfolgt worden waren.

Geretsried – Nach einer durchzechten Nacht kauft ein Geretsrieder (33) in einer Bäckerei Kaffee, Butterbrezen und Semmeln. Bezahlen kann er mangels Bargeld nicht. Weil er auch in den nächsten Tagen und Wochen den Betrag von 8,15 Euro schuldig bleibt, erstattet der Bäcker Anzeige.

Angeklagter: „Ich wollte nicht betrügen“

„Herr Richter, das ist nicht so abgelaufen. Ich wollte nicht betrügen“, erklärte der 33-Jährige, nachdem die in wenige Sätze gefasste Anklageschrift verlesen worden war. „Ich war in der Disco, hatte Hunger und war sicher, dass ich noch 30 Euro in der Tasche hatte“, fuhr er fort. „Die müssen mir irgendwo rausgefallen sein.“ Erst als er bezahlten sollte, habe er bemerkt, dass er sein Geld verloren hatte. Inzwischen, so machte der Angeklagte für sich geltend, habe er seine Schuld beglichen.

Kunde hatte Verkäuferin mächtig zugesetzt

Das stimmte zwar. Allerdings hatte es die Vorladung zur Gerichtsverhandlung gebraucht, ehe der Geretsrieder am 10. November vorigen Jahres – knapp drei Monate nach dem Vorfall – „das Geld auf die Theke schmiss“, wie es die Verkäuferin schilderte. Der Frau hatte der Kunde an jenem Samstagmorgen Ende August mächtig zugesetzt.

Üble sexistische Beleidigungen – Kunden griffen nicht ein 

Schwankend betrat der Gast um kurz nach 6 Uhr das Geschäft. Er bestellte lallend ein Croissant und einen Krapfen, zahlte dafür 3,20 Euro – und blieb. „Er lehnte an der Theke, ist immer mal kurz weggenickt, ich habe ihn gestützt“, berichtete die Zeugin. Später habe er noch Kaffee und einiges mehr bestellt. Als er nicht bezahlen konnte, wurde es für die Verkäuferin richtig übel. Sie habe dem Mann angeboten, er könne das Geld im Laufe des Vormittags bringen. Das habe dieser jedoch entschieden abgelehnt („Sicher nicht mehr heute“). Stattdessen bot er an: „Dann machen wir Sex. Ich mach’ es Dir, ich bin der Beste.“ Ihr sei die Sache, die sich eine ganze Weile hingezogen habe, peinlich gewesen, erklärte die Verkäuferin. Ein paar Kunden hätten schockiert geschaut. „Aber eingegriffen hat niemand. Sie haben geschaut, dass sie schnell wegkommen“, so die 39-Jährige. Schließlich sei ihr Chef dazugekommen und habe dem Kunden eingeräumt, dass Geld in den nächsten Tagen vorbeizubringen.

Geretsrieder hat bereits acht Vorstrafen

„Ich hab’s vergessen“, beteuerte der Angeklagte, der während der Aussage der Verkäuferin meist verschämt zu Boden geschaut hatte. „Das können sie jedem erzählen, aber nicht dem Gericht“, sagte der Richter. „Ich würde es vielleicht glauben, wenn da nicht die vielen Vorstrafen wären.“ Insgesamt acht Verurteilungen sind im Bundeszentralregister aufgelistet. Wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und gemeinschaftlichen Diebstahls war der 33-Jährige zu Haftstrafen verurteilt worden, die wegen Verjährung – vermutlich aufgrund eines längeren Auslandsaufenthalts – jedoch nicht vollstreckt werden konnten. 

Angeklagter nimmt Urteil an: „Ist okay. Tut mir leid, Herr Richter.“

Für den Betrug in der Bäckerei war der derzeit arbeitslose Geretsrieder mittels Strafbefehl zu 40 Tagessätzen á 30 Euro verurteilt worden. „Die Tagessätze sind deutlich zu wenig für ihr Benehmen, die 30 Euro angesichts der aktuellen Einkünfte zu viel“, stellte Richter Helmut Berger fest. Er empfahl dem Angeklagten, seinen Einspruch auf die Höhe der Geldstrafe zu beschränken. Der Angeklagte tat wie ihm geraten und kam glimpflich davon. Das Gericht reduzierte die Tagessatzhöhe auf 15 Euro, die Geldstrafe beläuft sich somit auf insgesamt 600 Euro. Der Angeklagte bedankte sich und nahm das Urteil an. „Ist okay. Tut mir leid, Herr Richter.“

Von Rudi Stallein

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