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Das Gericht muss entscheiden, ob das junge Mädchen gelogen hat oder nicht. 

Ein schwieriger Fall vor dem Jugendgericht

Einvernehmlich oder nicht ?

Geretsried - Eine junge Geretsriederin muss sich vor Gericht verantworten, weil sie im Verdacht steht, einen sexuellen Übergriff erfunden zu haben. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Sex einvernehmlich war. 

Es war in der Nacht vom 28. auf den 29. August 2014, als eine junge, damals 19-jährige Geretsriederin bei der Polizei erschien und anzeigte, dass ein Busfahrer sie in einem Linienbus sexuell belästigt haben soll. Der Mann wurde noch in derselben Nacht festgenommen, verbrachte zehn Stunden in Haft und stand am 12. Oktober vorigen Jahres vor Gericht. Das Ergebnis: Freispruch. Jetzt, ein knappes Jahr später, sitzt die Geretsriederin auf der Anklagebank. Ihr wird falsche Verdächtigung und uneidliche Falschaussage zur Last gelegt.

Vor einem Jahr stand der Mann vor Gericht - und wurde freigesprochen

Die Anklageschrift fasst den Vorfall in wenigen Sätzen zusammen. Demnach sei die junge Frau an jenem Abend gegen 22.35 Uhr in den Linienbus gestiegen. Der ihr von früheren Fahrten her bekannte Fahrer habe sie zu einer „kleinen Rundfahrt“ eingeladen. Die Fahrt, so habe es die Angeklagte bei der Polizei zu Protokoll gegeben, habe an der Wendeschleife in Geretsried-Stein geendet. Der Fahrer hätte die Türen verschlossen und das Licht gelöscht. Dann habe er ihr an die Brüste und unter das Kleid gefasst. Sie habe zwar gesagt: „Nein, ich will das nicht“ und den Mann kurz wegstoßen können. Doch dieser habe sie erneut bedrängt. Diese Aussage allerdings ist nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft falsch. Stattdessen sei es zu einem einvernehmlichen Austausch von Zärtlichkeiten und Küssen gekommen.

Verhängnisvolle DNA-Spuren an Brust und Ohr

Und zwar auf Drängen der jungen Frau. Das hatte jedenfalls der Familienvater (44) in seiner eigenen Verhandlung behauptet, nachdem er zuvor in mehreren Verhören der Polizei die Anschuldigungen ganz und gar von sich gewiesen hatte. Er hätte um seinen Job gefürchtet und sich vor seiner Frau geschämt, die damals mit dem zweiten Kind schwanger war, begründete der Busfahrer damals die Tatsache, dass er in der Verhandlung seine dritte Version des Tathergangs vorbrachte. Aber: DNA-Spuren an Ohr und Brust des Mädchens hatten keinen Zweifel daran gelassen, dass es zwischen dem Mann und der Frau zu körperlichem Kontakt gekommen war.

So, wie es die Frau schildert, kann es kaum gewesen sein

In der gestrigen Verhandlung mussten Zuschauer und Presse während der Einlassung der Angeklagten sowie der Aussage des Busfahrers den Sitzungssaal verlassen. Wie Jugendrichter Urs Wäckerlin danach öffentlich machte, seien beide bei ihrer Version gebleiben. Richter Helmut Berger, in ungewohnter Rolle im Zeugenstand, erläuterte anschließend, warum er den Beschuldigten freigesprochen hatte. Die junge Frau hatte angegeben, der Mann habe ihr beide Hände festgehalten. Gleichzeitig soll er aber seinen Gürtel gelöst und den Kopf des Mädchens gegen seinen Schoß gedrückt haben. Außerdem will die Frau dem Mann zwei Ohrfeigen gegeben haben. Das Schöffengericht habe seinerzeit Zweifel an dieser Version gehabt, „weil es technisch schwer vorstellbar ist“, so Berger.

Noch tags zuvor hatte sie von "Sex im Bus" geschwärmt

Außerdem waren im Zuge der Ermittlungen auf dem Handy des mutmaßlichen Opfers erotische Fotos gefunden worden sowie ein Chatverlauf mit einem Freund, in dem die Jugendliche am Tattag neben weiteren Vorlieben auch über den besonderen Reiz von „Sex im Bus“ geschrieben hatte. Das sei reiner Zufall, beteuert die Frau. Auch eine andere Frage gibt dem Jugendschöffengericht Rätsel auf: Die Beschuldigte war, kurz bevor der Busfahrer sie bedrängt haben soll, mehrmals per SMS von Familienmitgliedern aufgefordert worden, sofort nach Hause zu kommen. Warum war sie trotzdem an ihrer Haltestelle, kurz vor der Endstation in Stein, im Bus sitzen geblieben?

Die ältere Schwester sieht in der Angeklagten das Opfer

Für ihre ältere Schwester (26), die die Angeklagte in jener Nacht beim Heimkommen „in richtig hässlicher Verfassung“ erlebt hatte, ist es unverständlich, dass sie auf der Anklagebank sitzt. „Es ist eine Unverschämtheit, wie er damit durchkommen konnte. Er hat sich die Geschichte mit seinem Anwalt schön zurecht gelegt“, schimpfte die Zeugin. „Und jetzt gibt er meiner Schwester die Schuld.“ Die Verhandlung wird fortgesetzt. Rudi Stallein

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