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"Erlebnis, mit dem sie so nicht gerechnet hat"

Sex im Linienbus: Das sagt die Polizei vor Gericht

Geretsried – Ermittelnde Polizeibeamte schildern, wie sie die Beteiligten beim möglichen Sex im Linienbus in den Vernehmungen erlebt haben. Die Verhandlung geht weiter.

Hat eine junge Frau eine sexuelle Nötigung in einem Linienbus frei erfunden? Kam es womöglich einvernehmlich zum Austausch von erotisch motivierten Zärtlichkeiten, wie der zwischenzeitlich freigesprochene Busfahrer behauptet? Oder wird die junge Frau am Ende zu Unrecht der falschen Verdächtigung bezichtigt? Auch nach dem zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen eine 21-jährige Geretsriederin vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen bleiben diese Frage unbeantwortet.

Unschlüssig war auch der ermittelnde Polizeibeamte, nachdem er beide Tatbeteiligte vernommen hatte. „Es war schwer zu sagen: Was ist in der Nacht wirklich passiert“, sagte er am Dienstag vor Gericht in seiner Zeugenaussage. Der von der Frau beschuldigte Busfahrer habe ihm gegenüber die Vorwürfe bestritten, erklärte der Ermittler der Kripo Weilheim. Auf jener Fahrt am späten Abend des 28. August 2014 habe sich die Frau zunächst mit ihm unterhalten, dabei sei auch kurz über Sex geredet worden. „Beim Reinigen des Busses an der Endstation habe sie ihn dann bedrängt. Sie habe es mehrfach versucht. Er habe sie jedoch jedes Mal weggedrückt und seine Fahrt schließlich fortgesetzt. An der nächsten Station sei die Frau ausgestiegen“, so der Polizist. Erst in seiner eigenen Hauptverhandlung hatte der Mann dem Gericht die Version von gegenseitigen Streicheleien präsentiert.

Auch in den Aussagen der nun auf der Anklagebank sitzenden Geretsriederin seien ihm einige Sachen nicht schlüssig erschienen. Die Anklage stützt sich im wesentlichen auf Schilderungen der Frau, wonach der Busfahrer ihr damals beide Hände festgehalten, gleichzeitig seinen Hosengürtel geöffnet und den Kopf des Mädels dabei in Richtung seines Schoßes gedrückt haben soll. „Das ist schwer nachzuvollziehen“, so der Polizist. „Aber mein Eindruck war: „Da war schon ein Erlebnis, mit dem sie so nicht gerechnet hatte. Irgendwas war, was ihr nicht gepasst hat, mit dem sie nicht zurecht gekommen ist.“

In welcher psychischen Verfassung sich die Angeklagte befunden hatte, ob sie geweint habe oder sich in anderer Weise beeindruckt gezeigt habe, als sie wenige Stunden nach dem Vorfall ihre Aussage machte, daran konnte sich die Polizistin, die die Vernehmung durchgeführt hatte, vor Gericht nicht mehr erinnern. Äußerliche Verletzungen, etwa Kratzer oder Rötungen am Hals habe sie nicht wahrgenommen.

Rudi Stallein

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