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Mit dieser mobilen Werbetafel macht das „XXL Car Wash Center“ in einer Haltebucht an der B 11 auf sich aufmerksam.

Gleichstellungsbeauftragte schaltet sich ein

"Sexistisch": Waschstraßen-Werbung an der B11 muss weg

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Geretsried - Zu viel nackte Haut am Straßenrand: Die Waschstraßen-Werbung an der B11 ist den Behörden ein Dorn im Auge und soll nun weg.

Viel nackte Haut, weibliche Kurven und laszive Blicke: Auf den Werbeplakaten einer Geretsrieder Waschanlage geizen die Modells nicht mit ihren Reizen. Als „sexistisch“ empfindet diese Art der Werbung die Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt. „Sie hat mit der Waschanlage oder auch der Dienstleistung nichts zu tun“, meint Karin Weiß. „Frauen werden hier zu einem reinen Sexual- beziehungsweise Lustobjekt degradiert.“

Robert Böhm betreibt die Waschstraße seit fast einem Jahr.

Seit fast einem Jahr betreibt die Familie Böhm an der Blumenstraße ihr „XXL Car Wash Center“. Bis zu 120 Fahrzeuge pro Stunde können in der modernen, 50 Meter langen Waschstraße gereinigt werden. Rund 2,5 Millionen Euro hat Robert Böhm in die Anlage investiert. Um auf sich aufmerksam zu machen, stellt Böhm an der Bundesstraße 11 – unerlaubterweise – regelmäßig einen Pick Up mit großer Werbetafel auf. Darauf abgebildet sind neben einem Hinweis auf die Waschanlage auch leicht bekleidete Frauen. „Für eine außergewöhnliche Waschstraße braucht man außergewöhnliche Werbung“, erklärt Wilfried Böhm, der Vater von Betreiber Robert Böhm, auf Nachfrage unserer Zeitung. In den Augen von Weiß sende diese Art der Werbung allerdings ein „fatales Signal“ an Kinder und Jugendliche. „Das sollte einem Unternehmer auch bewusst sein“, mahnt die Gleichstellungsbeauftragte. Böhm argumentiert, dass viele Produkte, vor allem in der Autosparte, mit „hübschen Frauen“ beworben werden. „Ist das sexistisch? Dann müsste man ja Kindern im Supermarkt am Zeitschriftenregal die Augen verbinden“, findet Böhm. Außerdem werbe man nicht nur mit Frauen, sondern auch mit einem Männer-Modell. „Die Mehrheit unserer Kunden findet die Werbung super“, berichtet der 63-Jährige. Und ich glaube, dass wir zwei Drittel Frauen als Kunden haben.“

Die Verkehrsbehörde am Landratsamt hat den Böhms den Hinweis gegeben, dass die Werbeanlage an der B 11 straßenrechtlich unzulässig sei. „Es handelt sich um eine Bundesstraße, und an einer solchen sind außerorts mobile Werbeanlagen nicht erlaubt“, ergänzt Marlis Peischer vom Landratsamt. Die Verkehrsteilnehmer sollen sich auf den Straßenverkehr konzentrieren, so die Pressesprecherin. Wird die Tafel nicht bis spätestens heute entfernt, drohen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren und ein Zwangsgeld, das sich laut Peischer zwischen 500 und 2000 Euro bewegen kann. Wilfried Böhm verspricht: „Wir nehmen das Fahrzeug heute weg.“

Betreiber Robert Böhm hat auch von der Stadt Geretsried Post bekommen. Die Verwaltung drückt sich allerdings nicht so drastisch aus wie das Landratsamt. Über den Inhalt von Werbeplakaten würden Meinungen und Anschauungen bekanntlich sehr weit auseinandergehen, zitiert Böhm aus dem Schreiben der Behörde. Er möge doch mit anderen Mitteln auf seine Waschanlage aufmerksam machen. „Darüber denken wir nach“, sagt Böhm. „Aber es wird etwas sein, worüber man redet, sonst macht Werbung ja keinen Sinn.“ Eine Rückkehr der spärlich bekleideten Frauen will der Geretsrieder also nicht ausschließen. „Wir werden uns was überlegen.“

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