Justitia im Gegenlicht
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Das Amtsgericht verhängt ein Freizeitarrest.

„Ich kann nur sagen, dass ich echt dumm bin und falsche Entscheidungen getroffen habe.“

Junger Kiffer (20) kann’s nicht lassen - Jetzt gibt es einen Denkanstoß

  • vonRudi Stallein
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„Sie müssen jetzt in die Hufe kommen“, sagte die Richterin zum Angeklagten. Er wurde wiederholt mit Marihuana erwischt. Vom Gericht bekam er nun einen Denkanstoß.

Geretsried/Wolfratshausen – Vier Mal beschäftigte ein junger Geretsrieder (20) in den vergangenen drei Jahren das Jugendgericht. Beim letzten Mal, Ende Oktober 2018, hatte der Richter für den Wiederholungsfall einen Arrest angedroht. Nun saß der Heranwachsende wieder auf der Anklagebank. Und allmählich scheint ihm zu dämmern, dass da etwas schiefläuft, wenn er sagt: „Ich kann nur sagen, dass ich echt dumm bin und falsche Entscheidungen getroffen habe.“

Obwohl er wegen Drogenbesitzes bereits drei Mal zu Sozialstunden verdonnert worden war, ließ sich der 20-Jährige am 8. April dieses Jahres wieder mit etwas mehr als fünf Gramm Marihuana und 0,5 Gramm Tabak-Marihuana-Mischung erwischen. „Wann hört das auf mit Drogen. Langsam wird’s peinlich“, meinte Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch.

„Ich hoffe auf Arbeit, dann habe ich weniger Zeit zum Kiffen“, entgegnete der Angeklagte. Doch um seine Arbeitsmoral ist es auch nicht zum Besten bestellt. Mit seinem Schulabschluss bekommt er keine Top-Jobs, weshalb er sich unter anderem als Eisverkäufer oder Produktionsmitarbeiter verdingte. Zuletzt hatte er als Küchenhelfer in einer Kantine hingeschmissen, „weil ich ständig für die anderen arbeiten musste. Darauf hatte ich keinen Bock“.

„Das ist doch klar, dass man sie nur Hilfsarbeiten machen lässt“, sagte Richterin Friederike Kirschstein-Freund. „Wenn Sie da rauswollen, schaffen Sie das nur, wenn Sie monate- oder jahrelang Dreck zusammenkehren.“ Der Angeklagte nahm die Belehrung schweigend zur Kenntnis.

Der Staatsanwalt sah bei dem Angeklagten Ansätze, „dass er anfangen möchte, sein Problem in den Griff zu kriegen“. Dennoch sei ein Freizeitarrest dringend geboten. „Ihm muss klar sein, dass er sich mit jedem Betäubungsmittelkauf strafbar macht – und irgendwann im Knast landet“, betonte der Anklagevertreter.

Richterin Kirschstein-Freund folgte dem Antrag. Zudem erteilte sie dem 20-Jährigen ein einjähriges Drogenkonsumverbot inklusive monatlicher Drogenscreenings und ordnete ein Gespräch mit der Caritas-Suchtberatung an, um geeignete Entwöhnungsmaßnahmen zu erarbeiten. Dem jungen Mann gab sie als Rat mit auf den Weg: „Sie müssen jetzt in die Hufe kommen.“  rst

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