Sieben Anklagen in neun Wochen

Einrichtung der Mutter zertrümmert

Geretsried - Ein 20 Jahre alter Geretsrieder (20) gerät unter Drogeneinfluss „außer Rand und Band“ und muss sich vor Gericht verantworten. Ein sozialer Trainingskurs sowie Drogenscreenings sollen ihn auf den richtigen Weg zurückführen.

Seine Drogenkarriere war kurz, aber intensiv und bescherte einem 20-jährigen Geretsrieder viel Ärger. Unter dem Einfluss von Cannabis, Amphetaminen und anderen Rauschmitteln führte sich der Arbeitssuchende Anfang vorigen Jahres derart auf, dass er sich binnen neun Wochen sieben Anklagen einhandelte – wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung in mehreren Fällen, Missbrauch von Notrufen, Sachbeschädigung und Nötigung in 70 Fällen. In einem sozialen Trainingskurs soll der junge Mann nun gutes Benehmen lernen.

„Da ist ja eine ganze Latte zusammengekommen“, stellte Jugendrichter Urs Wäckerlin fest, nachdem die Staatsanwältin die umfangreiche Anklageschrift verlesen hatte. „Ich war zu der Zeit schlecht drauf, es ist ziemlich ausgeartet. Ich bin direkt aus der Haut gefahren, statt nachzudenken“, sagte der 20-Jährige schuldbewusst. Leidtragende seiner unkontrollierten Wutausbrüche waren jeweils Familienangehörige. Es begann mit einer Ohrfeige, die er der Tochter seiner Schwester verpasste. Dann beleidigte er seine Mutter, weil die sich einmischte, und stieß ihr den Tisch gegen das Bein, drohte „alle abzustechen“, falls sie die Polizei holen würden. Beim nächsten Zusammentreffen wütete der Heranwachsende in der Wohnung seiner Mutter. „Außer Rand und Band“, wie der Richter es formulierte, zertrümmerte er Sideboard und Eckbank, schlitzte mit einem Brotmesser die Couchpolster auf. Im selben Zeitraum, Mitte März 2016, schickte er rund 70  WhatsApp-Nachrichten an seinen Bruder, in denen er drohte, auch bei ihm „alles klein zu schlagen“.

„Ich war voll auf Droge, lebte in einer anderen Welt und habe deshalb sämtliche Texte geschrieben“, räumte der Angeklagte die Droh-Nachrichten ein, ebenso alle anderen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Mit einer Ausnahme: Als er die Notrufnummer der Polizei wählte, habe er sich ernsthaft informieren wollen, weil seine Mutter ihn aus der Wohnung geworfen hatte. Dass er dafür direkt bei der Polizeiinspektion hätte anrufen müssen, habe er nicht gewusst. In diesem Punkt wurde der 20-Jährige freigesprochen.

Inzwischen habe sich der junge Mann, der eine konfliktbeladene Kindheit und Jugend durchlebt und wohl auch durchlitten hatte, sehr zum Besseren verändert. „Er hat seinen Drogenkonsum eingestellt, seinen Freundeskreis gewechselt, will sein Leben ändern“, sagte Jugendgerichtshelferin Josephin Bettzüge. „Eine sehr positive Entwicklung und eine gute Selbstreflexion“ bestätigte eine Sozialpädagogin dem jungen Mann, den sie im Rahmen berufsfördernder Maßnahmen seit einiger Zeit betreut. „Ich habe das mit der Familie wieder im Griff und erkannt, dass es so keinen Sinn hat“, beteuerte der Angeklagte.

Jugendrichter Wäckerlin verurteilte den Geretsrieder zur Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs und ordnete zudem drei Drogenscreenings an. „Soziales Training ist hier dringend anzuraten“ sagte der Richter. Angesichts des durch die Rauschmittel bewirkten „völlig unverständlichen Verhaltens“ bestehe „ein nachvollziehbares Bedürfnis, ihre Drogenabstinenz zu kontrollieren“.

rs

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