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„Es ist aus“: Sieber-Sprecher Erich Jeske (li.) bestätigt gegenüber dem Bayerischen Fernsehen, dass die Großmetzgerei beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt hat. 

Verräterische Zahlen im Bundesanzeiger

Sieber hatte schon länger Geldprobleme

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Geretsried - Die Großmetzgerei Sieber hat Insolvenz angemeldet. Doch die wirtschaftliche Lage des Betriebs war offenbar schon seit Jahren prekär. 2014 trat Eigentümer Dietmar Schach unter anderem seine Lebensversicherung an eine kreditgebende Bank ab.

Noch steht nicht fest, wie es nach dem am Dienstag beim Wolfratshauser Amtsgericht eingereichten Insolvenzantrag weitergeht, ob und welche Zukunft die rund 120 Sieber-Mitarbeiter haben. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht den Wolfratshauser Juristen Dr. Josef Hingerl bestellt. Der wird mutmaßlich auch einen Blick auf die wirtschaftliche Historie der Großmetzgerei werfen und dabei feststellen: Rosige Zeiten waren die vergangenen Jahre für Sieber nicht.

Im Bundesanzeiger waren die Zahlen nachzulesen

Die jüngste Veröffentlichung der Gesellschaft für Wurst- und Schinkenspezialitäten im Bundesanzeiger erfolgte am 7. April dieses Jahres und betrifft den Jahresabschluss zum 31. Dezember 2014. Zu diesem Zeitpunkt deckt das Vermögen der Gesellschaft nicht die Verbindlichkeiten – unterm Strich mehr als sieben Millionen Euro. Dramatische Konsequenzen hatte dies nicht, „weil die Unternehmensfortführung überwiegend wahrscheinlich ist“. Aber das Unternehmen war gezwungen, Kredite abzusichern: Eigentümer Dietmar Schach musste eine selbstschuldnerische Bürgschaft beibringen, seine Lebensversicherung an die Bank abtreten, die Sieber-Markenrechte verpfänden sowie Inventar und Waren im Geretsrieder Produktionsbetrieb als Sicherheiten angeben. Nicht zuletzt legte das maßgebliche Geldinstitut vorsorglich die Hand auf das Betriebsgrundstück an der Böhmerwaldstraße.

Eine bessere Zukunft erhoffte sich das Unternehmen vom Veggi-Geschäft

Eigentümer und Geschäftsführer Schach räumte Ende 2014 eine „seit Jahren rückläufige Umsatzentwicklung im klassischen Wurstmarkt“ ein. Um Verluste zu minimieren, setzte er seit Anfang 2014 auf eine zusätzliche, vegetarische Produktlinie. Die nennt sich „Vegetaris“ – diese Wortmarke hat Schach allerdings ebenfalls bereits an die Bank verpfändet. Summa summarum bilanzierte der Eigentümer vor rund eineinhalb Jahren: „Das Geschäftsjahr 2014 ist zufriedenstellend verlaufen; die Auswirkungen aus der rückläufigen Umsatzentwicklung konnten durch moderate und planbare Beschaffungspreise sowie ein konsequentes Kostenmanagement nahezu kompensiert werden.“ 18 Monate später ist es der Fund von gesundheitsgefährdenden Keimen, der zum Niedergang des Traditionsunternehmens führt.

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