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Sieber-Eigentümer Dietmar Schach hält die Vorgehensweise der Behörden für völlig überzogen. Er glaubt, dass an seiner Firma ein Exempel statuiert werden soll. 

 Unternehmen geht nach Listerien-Fund in die Offensive

Sieber-Chef erklärt sich und attackiert das Ministerium

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Geretsried - Der Eigentümer und Geschäftsführer der Firma Sieber, Dietmar Schach, kann den vom Landratsamt verhängten Produktionsstopp nicht nachvollziehen. Der Schaden liegt schon jetzt bei vier Millionen Euro. 

Ja, Sieber-Chef Dietmar Schach (51) entschuldigte sich. „Ich bedauere die entstandenen Unannehmlichkeiten und möglichen Ängste. Es tut mir und meinem Team unendlich leid“, sagte er gestern bei einer Pressekonferenz auf dem Firmengelände. Eigentlich ruht der Betrieb derzeit, nachdem das Landratsamt am Freitag einen Betriebs- und Verkaufsstopp für sämtliche Sieber-Produkte verfügt hatte und Sieber im Eilverfahren sämtliche Wurst-Erzeugnisse aus dem deutschen Handel zurückrufen musste. Am Dienstag aber öffneten sich die Tore für Journalisten aus ganz Deutschland. ZDF, BR, RTL – alle waren da. Es war höchste Zeit, die Öffentlichkeit zu informieren.

Auf dem Firmengelände wurden keinen Keime gefunden

Die Entschuldigung sollte man allerdings keineswegs als Schuldeingeständnis verstehen. Im Gegenteil. Dietmar Schach, dem anzusehen war, dass er in den letzten Nächten nicht viel geschlafen hat, ging in die Offensive. „Wie können diese drastische Entscheidung der Behörde weder verstehen noch nachvollziehen. Man will an uns ein Exempel statuieren“, sagte er. Seiner Ansicht nach versuche das Umwelt- und Verbraucherschutzministerium mit aller Macht zu demonstrieren, dass es nach dem Bayern-Ei-Debakel die Lage im Griff habe. Seine Firma, Sieber, sei nun das Opfer. „Ich habe in der Vergangenheit einige Gespräche geführt, die ich als Bedrohung empfunden habe.“ Ins Detail gehen wollte er nicht. Nur so viel: Hinter der Verfügung des Landratsamts stecke das Umweltminsterium. Doch der Reihe nach.

Dass die Spur nach Geretsried führt, ist eine unbewiesene Behauptung

Das erste Mal war Sieber in den Fokus der Behörden im März geraten, als in Nürnberg auf einem Wammerl eine hohe Konzentration gesundheitsgefährdender Listerien entdeckt worden war. Das Umweltministerium folgerte damals, dass es beim Verpacken in Geretsried zur Verunreinigung gekommen sein musste. Das sieht Schach ganz anders. „Es gibt keine gesicherte Erkenntnis darüber, wie es zu dem Eintrag gekommen ist.“ Die Bakterien seien im Alltag allgegenwärtig, Gelegenheit zur Kontamination gebe es immer und überall. Der Rückschluss auf den Standort Geretsried sei extrem vage. Es gebe keinen Nachweis, dass die Ursache für Krankheitsausbrüche in Geretsried liege. Daran ändere auch die Studie des Robert-Koch-Instituts nichts. 

Der Schaden liegt jetzt schon bei vier Millionen Euro

Dass das Unternehmen mit seinen aktuell 120 Mitarbeitern in der Existenz bedroht ist, räumte Schach unumwunden ein. „Wie es weitergeht, kann ich Ihnen heute, Stand elf Uhr vormittags, nicht sagen.“ Neben dem Image-Schaden sei der finanzielle Verlust gigantisch. Jeden Tag erleide das Unternehmen durch den Produktionsausfall Einbußen in Höhe von 100 000 Euro. Schon jetzt liege der Schaden bei vier Millionen Euro. „Wir werden alles tun, um eine Insolvenz zu vermeiden“, sagte Schach. Wirklich optimistisch wirkte er bei diesen Worten nicht.

1000 Anrufer haben sich auf der Hotline gemeldet

Wie beunruhigt und verärgert die Verbraucher sind, hat der Sieber-Chef hautnah miterlebt. 1000 Anrufe gingen auf der Hotline ein, die drei geschulten Mitarbeiterinnen vor Ort mussten vor allem Fragen zu den Themen Gesundheit und Geld beantworten. Wer sich um sein Wohlergehen ängstigt, dem rät Schach, einen Hausarzt aufzusuchen. „Da sind wir keine Experten.“ Und: Wer in den letzten Tagen und Wochen Sieber-Produkte gekauft hat, kriegt sein Geld anstandslos zurück, und zwar ohne Beleg an jeder Supermaktkasse. Heute um 14 Uhr öffnet wieder der Werksverkauf an der Böhmerwaldstraße, regionale Händler haben hier Gelegenheit, Ware umzutauschen. 

Das Landratsamt hört bei der Pressekonferenz mit

In der Runde der Pressevertreter war auch ein Vertreter des Landratsamts zu finden. Dr. Michael Först von der Abteilung 3 für Umweltfragen machte sich seine Notizen. Er gratulierte dem Geschäftsmann sogar zu dem Mut, sich den Kameras gestellt zu haben. „Auch wenn wir in der Sache natürlich anderer Meinung sind“, fügte er hinzu. Den Vorwurf des Sieber-Chefs, dass das Umweltministerium das Landratsamt zu der drastischen Schritt genötigt habe, kommentierte so: „Natürlich haben wir im engen Austausch gehandelt.“ So oder so. Man sieht sich vor Gericht.

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