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Die Presse war neugierig und hatte sich vor dem Sieber Werksverkauf versammelt.

Abschied von der Brühpolnischen

Sieber-Werksverkauf nimmt Ware zurück

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Geretsried - Am Mittwoch konnten Sieber-Kunden Produkte, die sie beim Werksverkauf erworben hatten, zurückgeben. Viele trennten sich offenbar schweren Herzens von ihrer Wurst. Aber die Sicherheit geht eben vor.

Zum Bespiel Josef Mann. Der Geretsrieder Renter lebt zusammen mit seiner Frau nicht weit vom Sieber Werksverkauf entfernt. Für ihn ist es praktisch, dass er nur ein paar Meter fahren muss, um seine geliebten Brühpolnischen zu kaufen, und schmecken tun sie auch. Aber jetzt? Gibt es diesen schrecklichen Verdacht, dass in der Wurst etwas ist, das die Gesundheit gefährdet. Bakterien, Listerien, um genau zu sein. Um ihn selbst geht es Mann nicht so sehr, eher um die Enkel. „Da will ich überhaupt nichts riskieren“, sagte er. Und gab die eingefrorenen Brühpolnischen zurück. Dafür bekam er 7,50 Euro erstattet, ohne Beleg, natürlich. Er ist Stammkunde. Oder besser: Er war Stammkunde.

Fast war mehr Presse vor Ort als Kunden

Josef Mann war einer der Kunden, die sich am Mittwoch ihr Geld zurückholten. Auffallend war – jedenfalls zwischen 14 und 15 Uhr – die geringe Zahl an Kunden. Die Presse war klar in der Überzahl. Wer sein Geld haben wollte, musste sich seinen Weg an Kameras und Mikrofonen vorbei bahnen. Und: Niemand beschimpfte die Dame an der Kasse, die, dem traurigen Anlass entsprechend, ganz in Schwarz gekleidet war. Im Gegenteil. Es fielen keine bösen Worte. Nur Worte des Bedauerns.

Bei der Fronleichnamsfeier waren Wiener übrig geblieben

So auch bei Martina Altenburger. Für die Fronleichnamsfeier der Pfarrei Maria Hilf in Geretsried hatte sie allerhand Wurst bei Sieber besorgt. Übrig geblieben waren fünf Packungen Wiener und eine Packung Weißwürste, deren Bestimmung es eigentlich war, am kommenden Wochenende an einige Kinder verteilt zu werden. „Das tut mir natürlich leid, aber Sicherheit geht vor“, sagte sie. Und gab die Ware im Wert von 42 Euro zurück.

Der Bierkugel traut Sigi Hochstädter nicht mehr

Nicht anders erging es Sigi Hochstädter aus Wolfratshausen. Er wollte am Wochenende eine Radltour machen und hat sich deshalb für eine Brotzeit, die er unterwegs genießen wollte, Schweinswürstel und eine Bierkugel besorgt. Die wollte er jetzt doch nicht mehr essen. „Wenn man das alles liest, was in der Zeitung steht, kommt man schon ins Nachdenken“, sagte er. Auch er erhielt sein Geld anstandslos zurück.

Bis zum Wochenende muss Sieber Geld auftreiben

Zwischendurch ließ sich Pressesprecher Erich Jeske blicken, der erklärte, was mit der zurückgegebenen Ware passiert. „Die kommt in den Müll, ganz normal. Dafür gibt es Spezialisten. Die Wurst ist ja nicht vergiftet.“ Jeske gewährte auch einen kleinen Einblick, was derzeit im Unternehmen vor sich geht. Sieber-Chef Dietmar Schach versucht, Geldgeber zu finden, die bereit sind, dem Unternehmen durch diese schwierige Phase zu helfen. „Einfach ist es nicht“, sagte er. „Bis Freitag sollten wir Ergebnisse haben.“ Jeder Tag bringt 100 000 Euro Produktionsausfall. Da kommt es auf ein paar Euro Rückerstattung im Werksverkauf nicht an.

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