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Hinfallen und wieder aufstehen: Mit seinem Hund Al war Christian Walter kürzlich allein auf dem Blomberg.

Nach Schlaganfall

So kämpft sich Christian Walter zurück ins Leben

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18 Monate nach seinem Schlaganfall freut sich Christian Walter über jeden noch so kleinen Fortschritt. Zum Beispiel Quantensprünge mit der Zahnbürste.

Geretsried – Vor genau zwei Jahren steckte Christian Walter mittendrin in der Tretmühle: Trainerjobs beim Bayerischen Leichtathletik-Verband (BLV) und bei der LG Stadtwerke München, dazu Laufseminare und der Oberland-Firmenlauf in Geretsried, dessen Vorbereitungen damals gerade in die heiße Phase gingen. „Stress war mein täglicher Begleiter“, sagt Walter. Der Stress knockte ihn Mitte Oktober 2015 schließlich aus: Schlaganfall – mit 50 (wir berichteten). Der Geretsrieder überlebte, war aber linksseitig teilweise gelähmt. Es folgten eine stationäre und eine ambulante Reha sowie viele, viele Trainingsstunden mit Physiotherapeuten – bis heute.

Gehen mit Impulsen

Eineinhalb Jahre später ist der ehemalige 400-Meter-Hürdenspezialist noch immer nicht dort, wo er hin möchte. Aber er nähert sich an. Seit einigen Wochen besitzt der 52-Jährige ein Gerät zur Muskelstimulation. Ein Kästchen im Handyformat, das in seiner Tasche steckt, sendet elektrische Impulse an eine um Walters linke Wade geschnallte Manschette. „Ich kann den Fußhebermuskel im Unterschenkel nicht selbst ansteuern“, erklärt er die Fehlfunktion, die man Fallfuß nennt. „Das macht nun das Gerät für mich.“ Mit dem Hightech-Kästchen hat sich sein Gangbild deutlich verbessert: Er kann die Spitze des Fußes anheben, setzt diesen folglich gerader nach vorne auf und rollt besser ab. Der Impulsgeber soll ihm aber nicht nur akut helfen. Er und seine Ärzte hoffen auf den Trainingseffekt: Jede künstlich stimulierte Wiederholung der „richtigen“ Bewegung drillt Hirn, Nerven und Muskeln darauf, es irgendwann wieder von alleine zu tun. Auch aufstehen kann er inzwischen ohne fremde Hilfe – für ihn ein Meilenstein. Neulich ist er auf dem Blomberg gegangen, alleine, nur Hund Al an seiner Seite. „Auf dem Weg runter bin ich dreimal hingefallen. Aber ich habe mir alleine helfen können.“

Zähneputzen alles andere als banal

Walters linker Arm macht ebenfalls Fortschritte: „Wenn ich auf dem Rücken liege und ihn ausstrecke, kann ich ihn inzwischen seitlich an den Körper heranziehen.“ Im Alltag hilft ihm das. Er kann die Zahnbürste mit links halten und mit rechts die Zahnpasta auftragen. Das mag sich banal anhören, für den Geretsrieder „sind das Quantensprünge“.

An eine geregelte Arbeit – eines der Ziele Walters neben der Besteigung eines kleinen Alpengipfels – ist trotzdem noch nicht zu denken. Aktuell bestehen seine Tage größtenteils aus Physio-Einheiten und Spaziergängen mit Al. In die Organisation des 11. Firmenlaufs, der am 31. Mai auf dem Karl-Lederer-Platz gestartet wird, ist er jedoch „voll eingebunden“. Während sich Geschäftspartner Harald Brändle um das Catering und das Event an sich kümmert, managt der 52-Jährige telefonisch den sportlichen Teil: Er trommelt die Streckenposten zusammen, organisiert die Zeitnahme. Die Veranstaltung sei noch immer sehr eng mit seinem Namen verbunden, sagt er. „Aber klar, der Harald ist sehr wichtig, und ich bin froh, dass ich ihn dabei habe.“ Die Arbeit tut Christian Walter gut. Sie gibt ihm das Gefühl, „wieder etwas leisten zu können“. 

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