Der Karl-Lederer-Platz
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Platz für Reinhard Mey: Willi Sommerwerk eröffnete mit Liedern der deutschen Liedermacher-Legende die Konzertserie auf dem Karl-Lederer-Platz.

Liedermacher-Abend

So lief das erste Konzert auf dem neuen Karl-Lederer-Platz: Willi Sommerwerk eröffnet den Isarsommer

Fast hätte das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Letztlich blieben die Besucher des ersten Konzerts auf dem Karl-Lederer-Platz aber trocken. Es wurde ein Abend ganz im Zeichen Reinhard Meys

Geretsried – Wir schreiben das Jahr 1964: Auf dem Bardentreffen auf der Burg Waldeck singt Reinhard Mey zur Gitarre zum ersten Mal „Ich wollte wie Orpheus singen“. Er begegnet dort seinem Liedermacher-Kollegen Hannes Wader – der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Von Anfang an ist Willi Sommerwerk Mey-Fan – und auch seine Begeisterung für den Barden hält bis heute an.

Bis kurz vor Start gab es bange Blicke gen Himmel

Bis kurz vor Beginn des ersten Konzerts auf dem neugestalteten Karl-Lederer-Platz überhaupt und dem ersten nach den Corona-Lockdowns bangt Bürgermeister Michael Müller mit dem Team um Kulturamtsleiterin Anita Zwicknagl, ob das Freiluftkonzert starten oder doch in die Ratsstuben umziehen muss. „Aber wir haben einen guten Draht nach oben, und die dunklen Wolken verzogen sich“, sagt Müller, der die Gäste begrüßt und seiner Freude Ausdruck gibt, dass mit dem Schwaben aus Oettingen und Wahl-Geretsrieder Sommerwerk quasi die kulturelle Einweihung des Platzes klappt.

Und der Künstler freut sich, „dass dieser Platz mit Menschen gefüllt ist und nicht mit Autos“. Sommerwerk erzählt in seinem gut zweistündigen Solo-Programm viel über das Leben und die Karriere Reinhard Meys. „Es war 1968, ich war 19, und mit ‚Ich wollte wie Orpheus singen‘ begann meine Liebe für Mey und seine Lieder. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, war es für mich eine Offenbarung.“

Stimmung ist prächtig - Publikum singt lautstark mit

Seinen meist schon etwas älteren Zuhörern geht es bestimmt ähnlich, denn nicht nur bei „Über den Wolken“ singen sie kräftig mit. Es ist irgendwie wie Weihnachten im Juli: Sommerwerk bietet 24 Lieder (und eine Zugabe), und schon der Text von „Die drei Musketiere“ wirkt taufrisch, kein bisschen angestaubt, wenn es heißt: „…und glaubten, Drei wie wir veränderten die Welt“. „Freundliche Gesichter“ zeigt den langen und schwierigen Weg zum Ruhm, zum Olymp des Liedermachers, und Klassiker wie „Ankomme Freitag, den 13.“ oder „Ich bin aus jenem Holze geschnitzt“ wechseln mit stillen Songs wie dem „Lied von der Spieluhr“ oder dem Ende der Liebe zu seiner ersten Frau Christine in „Die Zeit des Gauklers ist vorbei“ ab – letzteres wohl eines der schönsten Lieder des Abends.

Reinhard Mey versteht es, einfühlsame Liebeslieder zu schreiben, ohne auch nur einmal das Wort Liebe zu nennen

Willi Sommerwerk

„Liebe, Leben, Freundschaft, Tod – das sind die großen Themen Reinhards“, fasst Sommerwerk den Zauber der Lieder zusammen. Bei „Kaspar“, der Ode für den armen Hund Kaspar Hauser, wird es sehr politisch, und Parallelen zum Hier und Jetzt drängen sich auf. „Schade, dass du gehen musst“ ist ein stilles Gedenken an einen früh verstorbenen Freund, und „Mein Dorf am Ende der Welt“ sowie der vielleicht schönste Zugabe-Titel „Die Mauern meiner Zeit“ lassen so manches Auge feucht werden. Natürlich beschließt der Klassiker „Gute Nacht, Freunde“ diesen grandiosen Liederabend – auch bei Konzerten Meys immer der Rausschmeißer.

„Reinhard Mey versteht es, einfühlsame Liebeslieder zu schreiben, ohne auch nur einmal das Wort Liebe zu nennen“, sagt Sommerwerk. Dass der schwäbische Barde ein politischer Mensch ist, hellwach für die Zeichen der Zeit beweist er auch, als er sich für die Wertschätzung der Pflegekräfte ausspricht und unter tosendem Applaus die Diskussion um die Kreisklinik Wolfratshausen anspricht.

Der Isarsommer-Auftakt wird mit Standing Ovations gefeiert

Auf der anderen Seite sind Meys Lieder oft humorvoll – und hintergründig, etwa in der Krimi-Hommage „Der Mörder ist immer der Gärtner“, auch in der „Ballade vom Aufstieg des Fleischermeisters Fred Kasulzke“ und erst recht im „Antrag auf Erteilung eines Antragsformulars“, das den urdeutschen Amtsschimmel aufs Korn nimmt und mit tosendem Applaus belohnt wurde.

Sommerwerk dokumentiert sowohl in der Liedauswahl als auch in seinen einstimmenden Worten, dass Reinhard Mey seit mehr als 50 Jahren mit seinen Liedern ein Seismograf der Zeitläufe ist. Und Sommerwerk ist an diesem herrlichen Sommerabend sein kongenialer Interpret, gefühlvoll und einfühlsam. Er erhält langen, tosender Applaus mit Standing Ovations. Schöner hätte der Auftakt des Isarsommers nicht sein können.

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(Dieter Klug)

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