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Soll der Geretsrieder Stadtbus künftig kostenlos fahren? Über diese und andere Fragen diskutierten lokale Politiker am Sonntags-Stammtisch der CSU.

Diskussion am Geretsrieder CSU-Stammtisch

Soll der Stadtbus künftig kostenlos fahren?

„Was kann man tun, um den Stadtbus voll zu bekommen?“ Diese Frage beschäftigt den ehemaligen FDP-Stadtrat Ernst Walko nach eigenen Worten seit 25 Jahren. Am CSU-Stammtisch am Sonntag im Gasthof Geiger wurde lebhaft über Walkos Vorschlag diskutiert, den Bus, der jährlich nur 30 000 Euro an Einnahmen für die Stadt bringt, gleich kostenlos fahren zu lassen.

Geretsried – Der CSU-Ortsvorsitzende und Fraktionssprecher im Stadtrat, Ewald Kailberth, zeigte sich aufgeschlossen. Im aktuellen Haushalt seien die Einnahmen jedoch bereits eingeplant. Für eine Änderung müsste der Stadtrat einen Nachtragshaushalt erlassen. Kailberth glaubt jedoch, dass der Bus, auch wenn er für den Benutzer umsonst wäre, nicht voll würde. Mehrere Stammtisch-Besucher bezweifelten dies. Für viele Senioren seien 1,50 Euro für eine einfache Fahrt viel Geld, hieß es. Aber auch alleinerziehende Mütter und Jugendliche würden sicher gerne auf ein kostenfreies öffentliches Verkehrsmittel umsteigen.

Ernst Walko ehemaliger Stadtratfür die FDP Foto: HL/A

Besucher Hans-Georg Müller sagte, er wolle nicht warten, bis die Stadträte einen kostenlosen Bus „als Wahlgeschenk“ einführen würden. Die CSU solle zusammen mit der SPD einen Antrag stellen. SPD-Stadtrat Wolfgang Werner hatte wie berichtet denselben Vorschlag wie Walko beim SPD-Stadtgespräch gemacht. Müller: „Einen Versuch wäre es doch wert“. Gleichzeitig solle die Stadt den Betreiber dazu auffordern, auf ein umweltfreundliches Gas-Fahrzeug umzusteigen.

Der Schutz der Umwelt liegt auch Stammtisch-Besucher Heinz Wensauer aus Wolfratshausen am Herzen. Wie bereits beim SPD-Stadtgespräch beklagte er die enorme Bautätigkeit in Geretsried: „Es wird gebaut auf Teufel komm’ raus, ohne Rücksicht auf das damit verbundene Artensterben.“ Kailberth entgegnete, dass bisher nur nachverdichtet worden sei. Wensauer befürchtet, dass die Böhmwiese als eine der letzten Erholungsflächen „zugepflastert“ werde wie alle anderen Bereiche. Dem konnte der Ortsvorsitzende nicht widersprechen. In absehbarer Zukunft werde dies sicher passieren. Das werde er selber aber „vielleicht gar nicht mehr erleben“.

Wohl aber die junge Generation. Alexander Totzauer (19), Mitglied der Jungen Union und des Ortsverbands, sagte, dass er und seine Altersgenossen in Geretsried keine bezahlbaren Wohnungen finden würden. Kailberth räumte ein, dass der Bau von Sozialwohnungen und staatlich geförderten günstigen Wohnungen jahrzehntelang versäumt worden sei.

Kurzzeitig drohte der Stammtisch in Parolen abzudriften. Hans-Georg Müller meinte, das deutsche Sozialsystem lade Schmarotzer ein, herzukommen. Heinz Wensauer ergänzte, viele Vermieter würden gerne von der Agentur für Arbeit vermittelte Sozialhilfeempfänger als Mieter nehmen, weil sie dann sicher ihr Geld bekommen würden. Ein Besucher warf das Wort „Asoziale“ in die Runde.

Kailberth brachte die Diskussion zurück auf eine sachliche Ebene. Die Wirtschaft boome, die Unternehmen suchten nach Wohnraum für ihre Mitarbeiter. Die Kommunen wiederum bräuchten die Gewerbesteuer, um investieren zu können. Wensauer blieb bei seiner Meinung, immer mehr Wachstum schade der Stadt und dem Landkreis: „Da ist vieles nicht mehr im Lot“.

Tanja Lühr

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