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Traditioneller Kopfschmuck: Wie eine Braut (Mitte, Heide Rothenbücher) für die Hochzeit vorbereitet wird, demonstrierten Katharina Thies (li.) und Johann Depner (re.) am Freitagabend im Museumsgarten. Bürgermeister Michael Müller und die Kreisvorsitzende der Siebenbürger Sachsen, Gerlinde Zurl-Theil, schauten aufmerksam zu.

Erst das Häubchen, dann der Schleier

Sonderschau zeigt Trachten der Siebenbürger Sachsen

Geretsried – Eine Sonderschau im Geretsrieder Museum zeigt die aufwändig bestickten Trachten der Siebenbürger Sachsen. Wir haben uns umgesehen.

Die uralten Muster wurden von Generation zu Generation weitervererbt. Hirsche mit verästeltem Geweih, Enzian, Nelken und andere Blumen. Pfauen und Truthähne in Schwarz und Braun schmücken wollweiße Leinenkissen. Die Stickereien auf den Kleidern der Frauen sind kunstvoll und aufwändig, meist ebenfalls in Schwarz und Rot auf Weiß gehalten. Eine Sonderausstellung im Museum der Stadt Geretsried zeigt derzeit die Tracht der Siebenbürger Sachsen. Anlass ist wie berichtet das 60-jährige Bestehen der Kreisgruppe, das am kommenden Wochenende groß gefeiert wird.

Die wertvollen Kleider, Mäntel und gestickten Haustextilien stammen teils aus Privatbesitz, teils lagern sie im Depot des Museums. Als eine Art frühes Imprägnierungsmittel diente Bienenwachs, weshalb bei den Exponaten oft „gewachst“ als Erklärung steht. „Busenkittel“ heißen die schwarzen Oberteile über der Bluse. Die Männer tragen zur Hochzeit Hüte mit einem bunten Blumenstrauß aus Filz obendrauf.

Nicht nur zu offiziellen Anlässen, auch bei wichtigen Familienfesten tragen manche Siebenbürger noch stolz ihre Tracht, die von Ort zu Ort unterschiedlich ausfällt. Heide und Sebastian Rothenbücher haben in der Original-Tracht aus dem Kokelgebiet geheiratet. Wie die Braut für den Tag „gebockelt“ wird, demonstrierten ihr Vater Johann Depner und seine Lebensgefährtin Katharina Thies bei der Eröffnung der Trachtenausstellung am Freitagabend im Museumsgarten. Heide Rothenbücher wurde zunächst ein besticktes Band am Kopf befestigt. Es sollte früher eine „Erinnerung an Zuhause“ sein, wie Depner erklärte. Darüber wurde ein Häubchen drapiert und wiederum darüber der Schleier mit Ziernadeln befestigt. Woher das Wort „Bockelung“ kommt, konnte Depner, der Mundartfachmann und Theatergruppen-Leiter innerhalb der Kreisgruppe, nicht beantworten. In manchen Regionen spreche man auch von „Schlierung“ oder „Schleierung“, was leicht zuzuordnen ist. Während die Mütter ihren Töchtern den Kopfschmuck anlegten, wurden traditionelle Lieder gesungen.

Bürgermeister Michael Müller betonte in seinem Grußwort, wie wichtig es sei, die Schätze aus der alten Heimat aufzubewahren – auch wenn sie nicht alle im Museum Platz hätten. Dafür gebe es ja das Depot und die Sonderausstellungen. Wer die Vergangenheit nicht kenne, könne die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten, zitierte die Kreisvorsitzende Gerlinde Zurl-Theil Altkanzler Helmut Kohl.

Das Brauchtum der alten Heimat erhält unter anderem die Handarbeitsgruppe der Siebenbürger Sachsen. Dort wird noch gestickt, genäht und gestrickt wie früher. Die jüngeren lernen von den älteren Frauen Vorstich, Steppstich und Ästchenstich, die Hardanger-Stickerei und das Reihen an den Frauenhemden.

von Tanja Lühr

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