Simuliertes Zugunglück auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehrschule
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Eine von unzähligen Übungsmöglichkeiten: Auf dem Gelände der Feuerwehrschule simulieren die Ausbilder einen Einsatz bei einem Verkehrsunfall mit einer S-Bahn realitätsnah.

Staatliche Feuerwehrschule feiert 25 Jahre

Laufend Explosionen und Unglücke: Die gefährlichste Stadt im Oberland

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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„Freistadt“ gehört zur Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried und ist brandgefährlich. Seit 25 Jahren üben Feuerwehrkräfte hier für den Ernstfall - so realistisch wie möglich.

  • Vor 25 Jahren entstand die SFSG auf dem Gelände der ehemaligen Katastrophenschutzschule
  • Realitätsnahe Aus- und Fortbildung sehr gefragt
  • Areal wird laufend ausgebaut

Geretsried – Wirklich wohnen möchte hier keiner. Dafür ist Freistadt zu gefährlich – Explosionen, Zug- und Autounfälle, Gasalarme, Brände und Flugzeugabstürze sind der Alltag. Und dennoch zieht es Jahr für Jahr rund 6200 Freiwillige auf das rund neun Hektar große Areal. Denn Freistadt gehört zur Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried (SFSG) an der Sudetenstraße, die auf dem Übungsgelände eine realitätsnahe Ausbildung von Feuerwehrangehörigen ermöglicht.

Geschützter Bereich: Das verdeutlicht das Ortsschild „Freistadt“ in der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried.

Die SFSG besteht heuer seit 25 Jahren und ist damit die Jüngste der drei Feuerwehrschulen in Bayern. Die anderen beiden sind in Würzburg und Regensburg angesiedelt. In Geretsried ist die Lehranstalt auf dem Areal der ehemaligen Katastrophenschutzschule Bayern entstanden. Der Freistaat kaufte es am 1. Juli 1995 für 4,2 Millionen Mark vom Bund – ein Schnäppchen. Der Verkehrswert würde um einiges höher liegen, erklärte der damalige Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber bei der Einweihung am 29. November 1995. In seiner Rede vor dem ersten Schulleiter Horst-Eberhard Dolle sowie zahlreichen Ministerialräten und Staatssekretären unterstrich er die „Pflicht des Staates, Vorsorge zu treffen, damit im Ernstfall der Bevölkerung schnell und effektiv geholfen werden kann“.

„Freistadt“ bietet verschiedenste Übungsszenarien

Brandheiß: Beim Kesselwagenbrand mit echten Flammen vergisst man, dass es sich nur um eine Übung handelt.

Um Einsatzkräfte auf die verschiedensten Ernstfälle vorzubereiten, wurde die SFSG im Laufe der Jahre um einige Bereiche erweitert. Am 31. Juli 2006 gab Günther Beckstein, damals Innenminister, symbolisch den Startschuss für eine Integrierte Lehrleitstelle, in der Großschadenslagen simuliert werden können. Zudem nahm der Freistaat einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand, um das Gelände mit weiteren Übungsmöglichkeiten aufzurüsten. Noch mehr Investitionen folgten. Heute gibt es in Freistadt eine Gleisübungsanlage, einen Autobahnabschnitt, Tunnel, Wohn- und Geschäftshäuser mit Tiefgarage, Lagerhaus und Tankstelle, eine Aufzugssimulations- sowie eine chemische Produktionsanlage – um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die realitätsnahe Aus- und Fortbildung findet bei den freiwilligen und hauptamtlichen Einsatzkräften großen Anklang. „Man vergisst irgendwann, dass man an einer Feuerwehrschule ist“, hört man immer wieder. „Man ist einfach im Einsatz.“

Erweiterung geplant

Die Nachfrage an Lehrgangsplätzen steigt dementsprechend. Deswegen schreitet der Ausbau der Feuerwehrschule weiter voran. Auf dem Plan stehen zum Beispiel ein neues Wirtschafts- und Unterkunftsgebäude, die Erweiterung der Büro- und Lehrsaalgebäude sowie eine Deichübungsanlage. Auch eine neue Übungshalle nach dem Vorbild der Feuerwehrschule in Würzburg steht auf der Agenda, um dann witterungsunabhängig üben zu können.

Eigentlich wollte die SFSG ihr 25-jähriges Bestehen im Juni mit einem Tag der offenen Tür groß feiern. „Im Herbst wäre nochmals ein Festakt angestanden, dessen Planung wir aber im weiteren Jahresverlauf aus den bekannten Gründen nicht weiterverfolgt haben“, teilt Schulleiter René Mühlberger mit. Ob die Feierlichkeiten 2021 nachgeholt werden können, ist ungewiss. Mühlberger: „Für das kommende Jahr fällt mir persönlich eine Einschätzung zur Durchführbarkeit solcher Veranstaltungen schwer.“

sh

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