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Willkommen in Freistadt: Schulleiter Dr. Christian Schwarz ist stolz auf das Angebot der Staatlichen Feuerwehrschule.

Anpassen an Anforderungen

Staatliche Feuerwehrschule Geretsried: Die Freistadt wächst

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Die Staatliche Feuerwehrschule wird weiter ausgebaut. Immer mehr Teilnehmer und ein breiteres Themenspektrum halten die Freistadt, wie das Übungsgelände genannt wird, in Bewegung. Heuer werden zwei neue Gebäude fertig. Weitere Projekte sind bereits in Planung.

Geretsried – Die Dorfstraße liegt an diesem Freitagvormittag trist da. Eine zarte Schneedecke bedeckt den Zebrastreifen. Am neuen Gasthof arbeiten ein paar Männer still am Rohbau. Doch die Ruhe täuscht. In dieser Gegend der Freistadt knallt und brennt es deutlich häufiger als andernorts. Hier können Feuerwehrler realitätsnah für ihre Einsätze üben. Die Staatliche Feuerwehrschule Geretsried (SFSG), Freistadt genannt, ist ein geschützter Bereich.

2017 bildeten die 50 Lehrkräfte der SFSG 6700 Teilnehmer aus. Von Jahr zu Jahr werden es mehr. Das Gelände an der Sudetenstraße wächst mit. Investiert werden dafür mehrere Millionen Euro. Der Ausbau während des laufenden Betriebs ist organisatorisch ein Kraftakt. „Da kann man schon stolz sein“, sagt Schulleiter Dr. Christian Schwarz mit Blick auf die abgeschlossenen, laufenden und anstehenden Projekte.

Die Feuerwehrschule von oben: Um den Anforderungen gerecht zu werden, muss das Verwaltungsgebäude (1) in den nächsten Jahren erneuert und vergrößert werden. Als nächstes Objekt wird das Wirtschaftsgebäude (2) in Angriff genommen. Dieser Neubau entsteht im Rahmen eines Architektenwettbewerbs, bei dem auch ein Parkdeck und eine Erweiterung des Unterkunftsgebäudes als nächste Großbaumaßnahme bis zum Jahr 2022 geplant sind. All das soll im Bereich des provisorischen Parkplatzes (3) entstehen. Platz zum Üben bieten das neue Seminargebäude mit Fahrzeughalle (4) und das Lagerhaus links daneben. Heuer werden außerdem fertig der Gasthof mit Biergarten (5) und das Wohn- und Geschäftshaus (6). Mit dem Bau der Tankstelle samt Werkstatt (7) soll ebenfalls in diesem Jahr begonnen werden. Die Chemieübungsanlage (8) steht Feuerwehrleuten seit 2017 zur Verfügung. Damit wetterunabhängig geübt werden kann, soll bis in zehn Jahren eine große Halle an Stelle von Parkplatz und Fahrzeughallen (9) entstehen.

Vergangenes Jahr weihte Staatssekretär Gerhard Eck die neue Fahrzeughalle mit Lehrsaal und das Lagerhaus zum Üben ein (wir berichteten). Auch die Chemieübungs-Anlage steht seit 2017. Aktuell wird an zwei weiteren Gebäuden gearbeitet, die heuer fertig werden sollen: ein Wohn- und Geschäftshaus und ein Gasthof mit Biergarten. Bis nächstes Jahr soll es in der Freistadt auch eine Tankstelle mit Werkstatt geben. Der Neubau entsteht neben dem Wohn- und Geschäftshaus – zwischen den Übungsobjekten Doppelhaus und Holzhaus.

Anschauungsobjekte verschiedener Art sind im Wohn- und Geschäftshaus zu finden, zum Beispiel diverse Rohrabschottungen.

Äußerlich ist das Wohn- und Geschäftshaus bereits komplett. Im Erdgeschoss wird derzeit an Anschauungsobjekten gearbeitet. Dort sollen Feuerwehrleute später sehen, welche verschiedenen Anlagen es zum vorbeugenden Brandschutz gibt: von Rohrabschottungen über Brandschutzhauben für Elektrogeräte bis hin zu Wandhydranten. Ins Obergeschoss wird auch etwas Mobiliar und in die Tiefgarage ein Übungsauto kommen. „Wir wollen die Einsätze immer so realistisch wie möglich darstellen“, sagt Schwarz. Als Rückmeldung höre er häufig, dass die Teilnehmer bei der Übung vergessen hätten, in einer Simulation zu sein. „Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Das Wohn- und Geschäftsgebäude ist von außen bereits fertig. Dort können Feuerwehrleute bald verschiedene Szenarien üben: von der Explosion in der Tiefgarage bis zum Druckerbrand. Rechts daneben wird bereits am Gasthof mit Biergarten gebaut. Die Gebäude sollen heuer einsatzbereit sein.

Schön sind die neuen Übungshäuser – bis auf die Fahrzeughalle – in Freistadt eigentlich nicht. Sie bestehen aus Stahlbeton, die rostbraunen Fensterläden sind geschlossen. Aber um Schönheit geht es bei der Feuerwehrschule auch nicht. „Stahlbeton ist funktionell, und die Läden dienen dem Witterungsschutz, damit wir möglichst wenig Gebäudeunterhalt haben“, erklärt der Schulleiter.

Schwarz kann sich in den neuen Übungsobjekten viele verschiedene Einsatzszenarien vorstellen. So kann der Gasthof, dessen Rohbau derzeit errichtet wird und in dem eine größere Anzahl von Menschen unterkommen kann, auch als Seniorenwohnheim dienen. „Es geht darum, den Einsatz zu üben, bei dem man nicht genau sagen kann, wie viele Leute wirklich drin sind“, sagt Schwarz.

Die SFSG stellt sich mit dem Ausbau auf die steigenden Anforderungen ein. „Die Szenarien haben sich mit Großschadenslagen wie Zugunglück, Hochwasser, Terroranschlag oder Amoklauf geändert“, so der Schulleiter. Themen wie der Digitalfunk sind hinzugekommen, und auch der gesellschaftliche Wandel macht sich in der Ausbildungsstätte bemerkbar. Aufgrund der steigenden Belastung bei Einsätzen und in der Arbeitswelt wechseln die Führungskräfte in den Feuerwachen häufiger als früher. Die Folge: steigende Teilnehmerzahlen an den drei Feuerwehrschulen in Bayern. Mit der Übungslandschaft, auf der inzwischen an mehreren Stellen parallel trainiert werden kann, muss die SFSG logischerweise auch insgesamt wachsen. Der komplette Ausbau soll laut Schwarz 2022 abgeschlossen sein.

In den nächsten zehn Jahren soll anstelle des Parkplatzes und der Fahrzeughallen eine große Übungshalle entstehen – so groß, dass darin wetterunabhängig gelehrt werden kann. „In Würzburg gibt es schon eine, in der sogar ein Hochhaus steht“, sagt Schwarz. Die Büros im Verwaltungsgebäude reichen nicht mehr, sodass man übergangsweise über eine Containerlösung nachdenkt.

Nebenbei ist beim Staatlichen Bauamt in Weilheim auch noch ein Architektenwettbewerb in der Vorbereitung. Es sollen ein neues Wirtschaftsgebäude, fast eine Verdopplung der Unterkunftsmöglichkeiten und ein Parkdeck konzipiert werden. Platz dafür ist auf dem provisorischen Parkplatz am Übernachtungshaus mit derzeit 114 Betten. 200 sollen es Schwarz zufolge werden. Eine Herausforderung ist das nicht nur koordinativ – die SFSG braucht auch mehr Personal. Besonders die Suche nach Lehrkräften „ist in Zeiten des Fachkräftemangels schwer zu stemmen“, sagt Schwarz.

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