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Mit oder ohne Theaterzelt? Das ist nur eine Frage, die es in Sachen Kulturherbst zu entscheiden gilt. Trotz der Pleite im Vorjahr soll es 2018 eine Neuauflage geben – mit wem als Organisator, ist noch offen. 

Stadt plant wieder Kulturherbst 2018

Kulturherbst: Wagner und KIL werfen Hut in den Ring

Die Stadt Geretsried will mit professioneller Hilfe ein Kulturkonzept erarbeiten. Über 40 000 Euro sind dafür im Haushalt 2017 eingeplant. Ein solches Konzept scheint auch dringlich erforderlich. Im Kulturausschuss am Dienstag verlor man als Beobachter leicht den Überblick, wann künftig welches Festival stattfinden soll.

Geretsried - Trotz der Pleite im vergangenen Jahr hat sich der Stadtrat darauf verständigt, dass es 2018 wieder einen Geretsrieder Kulturherbst geben soll. Wie berichtet hatte der Veranstalter, die cultus-production GmbH von Florian Zwipf-Zacharia, das Festival kurzfristig abgesagt und später Insolvenz angemeldet. Inzwischen hat die Stadt die Organisation neu ausgeschrieben. Zwei Bewerber haben sich offenbar am Dienstag im nicht öffentlichen Teil der Sitzung vorgestellt.

Bürgermeister Michael Müller: „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen.“

Vor dem Saal warteten Günter Wagner, Festivalleiter des Kulturherbstes 2012 und 2014, sowie Assunta Tammelleo und Andrea Weber vom Kulturverein Isar-Loisach (KIL). Der Verein war nach der Kulturherbst-Absage 2016 als Veranstalter eingesprungen und hatte zusammen mit der Stadt gerettet, was noch zu retten war. CSU-Bürgermeister Michael Müller wollte sich am Mittwoch zum Inhalt der nicht öffentlichen Beratung nicht äußern. Nur so viel: „Wir haben noch keine Entscheidung getroffen.“

Wechsel zwischen Kulturherbst und kleinem Festival als Lösung?

Die Hängepartie erschwert wiederum die Entscheidung für dieses Jahr. Denn eigentlich war geplant, im Wechsel mit dem großen Kulturherbst alle zwei Jahre ein kleineres Festival mit einheimischen Künstlern auf die Beine zu stellen. Dafür wurden für dieses Jahr 40 000 Euro in den Haushalt eingestellt. Als Partner im Gespräch war KIL. Der Verein veranstaltet auch heuer sein Festival „Pinsel, Pauke, Poesie“ (PiPaPo), das diesmal unter dem Motto „In der Nachbarschaft“ steht. Zur Sitzung am Dienstag legte der Verein ein achttägiges und nach den Worten von Anita Zwicknagl (Kulturamt) „fulminantes Programm“ vor, das rund 50 000 Euro kosten soll. 35 000 Euro, so der Antrag von KIL, sollte die Stadt übernehmen. Die Verwaltung schlug jedoch vor, das Festival nur mit 10 000 Euro zu bezuschussen.

Stadt bezuschusst PiPaPo-Festival mit 25 000 Euro

Daraufhin begann das Feilschen. „Kultur ist teuer“, sagte Hans Ketelhut (CSU) und unterstrich die Gemeinnützigkeit dieses Festivals. „Davon haben alle Geretsrieder etwas.“ Der Kulturreferent beantragte, den Zuschuss auf 20 000 Euro anzuheben. Andernfalls müsste der Verein das Programm zusammenstreichen. Das wollte auch Grünen-Stadtrat Volker Witte nicht und erhöhte auf 25 000 Euro, Edith Peter von der SPD ging mit. „Jetzt sind wir auf einem orientalischen Basar“, bemerkte Bürgermeister Müller. Weitere Gebote blieben aus. Sabine Lorenz (CSU) betonte, dass beim PiPaPo-Festival nicht der Kommerz, sondern der soziale Aspekt im Vordergrund stehe. Einstimmig wurde letztlich beschlossen, KIL mit 25 000 Euro unter die Arme zu greifen.

Hans Ketelhut plant weitere Veranstaltungsreihe

Bereichert wurde die Debatte noch um einen weiteren Vorschlag von Kulturreferent Hans Ketelhut. Zusammen mit dem Wirtschaftsreferenten Volker Reeh (CSU) will er noch heuer eine Veranstaltungsreihe „Kultur trifft Wirtschaft“ auf die Beine stellen. Er schätzt, dass sie dafür ein Budget von nicht mehr als 5000 Euro brauchen. Die Idee gab es schon 2011, wurde aber wegen des damals geplanten großen Kulturherbstes verworfen.

Weiteres Vorgehen zum Kulturherbst noch offen

Wie es mit diesem Festival weitergeht, bleibt spannend. Nach den Worten von Ketelhut geht es beim großen Kulturherbst vor allem um die „Außenwirkung“. Deshalb fände er es nicht schlecht, wenn die Veranstaltungen – wie damals unter Festivalleiter Günter Wagner – wieder in einem Theaterzelt stattfinden würden. „Das ist ein Aushängeschild.“ Andererseits sei man dem Kulturverein Isar-Loisach – er setzt eher auf mehrere Spielorte – aus dem Vorjahr zu großem Dank verpflichtet. Ketelhut: „KIL hat für uns die Kohlen aus dem Feuer geholt.“   


Von Sabine Schörner und Magdalena Höcherl

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