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Als Miniatur wurde „Der Geher“ von Otto Süßbauer dieses Jahr als Kulturpreis verliehen. Im Großformat soll die Plastik künftig im Stadtzentrum stehen.

„Der Geher“ kommt nach Geretsried

Stadt will vermehrt in Kunst investieren

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Geretsried – Die Stadt Geretsried kauft zum Gesamtpreis von 37 450 Euro eine Skulptur des Bildhauers Otto Süßbauer. Die Bronzefigur mit dem Namen „Der Geher“ wird einmal an der Kunstmeile stehen, die sich durch die gesamte Innenstadt ziehen soll.

Der weit über die Landkreisgrenzen bekannte Künstler Otto Süßbauer aus Mooseurach hatte sich 2015 an einem Wettbewerb der Stadt beteiligt. Nachdem als Kulturpreis fünf Mal eine Miniatur der „Kurvenharmonie“ von Alf Lechner verliehen worden war (die Skulptur steht im Großformat vor der Stadtbücherei), sollte es beim sechsten Mal ein neues Kunstwerk sein. Die Wahl fiel auf Süßbauers „Der Geher“, weil er die Geschichte der Vertriebenenstadt versinnbildlicht. Die Plastik ging in diesem Jahr als Miniatur an die Kulturpreisträgerin Ingeborg Heinrichsen.

Nun hat Süßbauer seine Skulptur der Stadt zum Ankauf angeboten. Die Figur soll in einer Größe von zwei Metern in Bronze gegossen werden und im Stadtzentrum ihren Platz finden. Im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend warb Anita Zwicknagl vom Kulturamt für den Erwerb. „Kunst wirkt identitätsstiftend. Man kann ein bisschen mehr stolz auf die Stadt sein“, sagte Zwicknagl. Sie erinnerte an Gespräche, langfristig einen Weg der Skulpturen in Geretsried anzulegen. „Irgendwann muss man anfangen.“

Die Idee einer dauerhaften Kunstmeile stammt von Bürgermeister Michael Müller (CSU). Er will damit nicht nur Identifikationspunkte schaffen, sondern auch die Innenstadt aufwerten. Der Weg der Skulpturen könnte sich einmal vom Stadtmuseum an der Graslitzer Straße bis zur Petruskirche an der Egerlandstraße ziehen. Erste Stationen gibt es bereits: Nach dem Kulturherbst 2014 hat die Stadt eine Holzskulptur des Münsinger Bildhauers Hans Neumann erworben. Das sterbende Pferd, auch „Flucht“ genannt, steht im Garten des Museums. Ein Blickfang ist der Gorilla vor dem BGZ. Die Baugenossenschaft Geretsried hat ihn von dem kürzlich verstorbenen Bildhauer Hans Kastler erworben. Im Besitz der evangelischen Kirche befindet sich die Vater-Unser-Säule im Garten der Petruskirche, ebenfalls ein Werk von Otto Süßbauer.

Der Ausschuss begrüßte die Idee einer Kunstmeile, auch gegen den Ankauf der Süßbauer-Plastik hatte er im Prinzip nichts einzuwenden. Nur beim Preis mussten einige Stadträte schlucken. Inklusive Fundament und Montage kostet die Bronzefigur 37 450 Euro. „Das ist ein stolzer Preis“, sagte Vize-Bürgermeister und SPD-Fraktionschef Hans Hopfner. Die Baugenossenschaft habe für den Gorilla vor dem BGZ „deutlich weniger gezahlt“, ebenso für den in Bronze gegossenen „Jüngling“ des Bildhauers Prof. Wilhelm Srb-Schloßbauer, der seit kurzem an der Sudetenstraße steht. „Ich weiß nicht, ob man da nicht noch handeln kann“, meinte Hopfner.

Kann man offenbar nicht. „Kunst hat seinen Preis“, meinte Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU). Oder wie Kulturreferent Hans Ketelhut (CSU) sagte: „Den einen Künstler kannst du für 5000 Euro haben, den anderen für 100 000 Euro.“ Wichtig war allen Ausschussmitgliedern, dass sich die Stadt mit dem Erwerb der Skulptur alle Verwertungsrechte sichert. Dauerhaft als Kulturpreis dienen soll „Der Geher“ aber nicht. „Es war die Idee, immer wieder neu auszuschreiben, um so eine vielfältige Plastik-Sammlung zu bekommen“, erklärte Bürgermeister Müller.

Freie-Wähler-Fraktionssprecher Robert Lug wollte wissen, wo genau die Plastik stehen soll. Er fände es besser, erst die Standorte festzulegen und dann die Kunstwerke auszuwählen. „Das Ding ist ja nicht so leicht umzusetzen“, sagte Lug. Müller erklärte, dass diese Überlegungen in die Zentrumsplanung einfließen. Solange wolle man aber mit dem Ankauf nicht warten. Letztlich beschloss der Ausschuss einstimmig, die Plastik für 37 450 Euro zu erwerben.

sas

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