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Vier Lesungen im Stundentakt gab es zum 20. Geburtstag der Stadtbücherei. Den Anfang machten Jona und Jörg Steinleitner mit „Juni im Blauen Land“ – ein Detektivrätsel für die ganze Familie.

Mehr als nur eine Leihbibliothek

Stadtbücherei: 20 Jahre Erfolgsgeschichte

Geretsried – Mit 22 000 Medien startete die Stadtbücherei im Juli 1996 am Standort Adalbert-Stifter-Straße. Heute stehen 44000 Bücher, DVDs, Hörbücher und Spiele zur Auswahl.

Pünktlich zum 20. Geburtstag war das neue Foyer fertig. In modernen grün-weißen Regalen liegen jetzt aktuelle CDs, Fachbücher und Romane aus. Alles ist heller, freundlicher, übersichtlicher. An einer Stellwand ist anhand von Zeitungsberichten die Geschichte der Stadtbücherei nachgezeichnet.

Schon 1945 gab es in Geretsried einen Bücherbus mit 208 Büchern. Es folgte 1945 eine fest installierte Lagerbücherei in Gartenberg. In den 1960er Jahren besaß die Stadt eine „Volksbücherei“, mit 450 Medien eine der größten im Landkreis. Vorläufer der jetzigen Einrichtungen fanden sich ab 1973 in einem der Pavillons am Neuen Platz und ab 1975 an der heutigen Graslitzer Straße. An letztere erinnert sich Bürgermeister Michael Müller noch: „Gleich links standen die Karl-May-Bände“, erzählte der 47-Jährige, der nach eigenen Worten schon als Kind eine Leseratte war.

Am 4. Juli 1996 wurde endlich die jetzige Stadtbücherei an der Adalbert-Stifter-Straße eröffnet. Architekt Klaus Köhler hatte die ehemalige Volksschule für 1,5 Millionen Mark umgebaut. Schon nach einem guten halben Jahr verzeichnete der neue Lesetempel 38 000 Besucher. „Treffpunkt Bücherei“ lautete das Motto der ersten Leiterin Sigrun Rothbächer, und daran möchte Björn Rodenwaldt, Leiter seit Oktober 2015, gerne anknüpfen.

„Wir wollen noch mehr Aufenthaltsqualität schaffen“, kündigte der junge Mann mit dem Kopf voller Ideen in seinem Grußwort an. Er dankte seinen Mitarbeitern, der Stadt und vor allem den treuen Lesern, ohne die die Stadtbücherei nicht existieren könnte. Gudrun Knauss, gute Seele der Einrichtung seit 2002, beschrieb die Arbeit im Team und mit den Kunden in wenigen, sehr persönlichen Worten als wunderschön: „Ich bin stolz, hier in der Stadtbücherei Geretsried arbeiten zu dürfen.“

Die Ausleihzahlen sprechen dafür, dass im Land der Dichter und Denker – trotz neuer Medien und Freizeitstress – noch gelesen wird. Bürgermeister Müller bezeichnete Bücher gar als „Lebensmittel“, als Nahrung für den Geist. Er selbst könne mit E-Books nichts anfangen, gestand der Rathauschef. Er liebe es, ein gebundenes Werk in Händen zu halten, „im Urlaub zur Not auch mal ein Taschenbuch“, wie er erzählte. Er gehöre zu den Menschen, die sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen könnten, weil man nirgendwo sonst als beim Lesen so gut abtauchen könne in fremde Welten.

In diese entführten Heini Zapf und das Ensemble Weltmusik der Gereretsrieder Musikschule die rund 80 Besucher immer wieder mit exotischen Klängen. Die Cheerleader des ESC Geretsried traten auf, im Eingangsbereich war ein von der Stadt gestiftetes Buffet für alle aufgebaut. Im Anschluss an die Reden las Jörg Steinleitner aus dem Kinderbuch „Juni im Blauen Land“ und aus dem Krimi „Sagt der Horst zum Scheich“. Rainer Rudloff, bekannt als „Herr der Stimmen“, gab Kostproben aus seinen Büchern „Frech muss man sein“ für Kinder und „On the Road“ für Jugendliche und Erwachsene. Der Kalligraph und Maler Jörg Schmutzler führte auf Wunsch durch seine Ausstellung mit Buchstabenbildern. So wie es sich Sigrun Rothbächer damals und Björn Rodenwaldt heute gewünscht haben, war die Stadtbücherei an diesem Tag ein echter „Treffpunkt“.

von Tanja Lühr

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