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"Betonköpfe", "Ewiggestrige", "Bad-Verhinderer"

Stadträte senden verbale Spitzen gegen Wolfratshausen

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Geretsried/Wolfratshausen – Die Stimmung zwischen den Nachbarn könnte besser sein. Das „Nein“ des Wolfratshauser Stadtrats in puncto interkommunales Hallenbad ist in Geretsried erwartungsgemäß nicht gut angekommen.

Er sei „verärgert und enttäuscht“ gewesen, als er von der Entscheidung erfuhr, sagte Vize-Bürgermeister und SPD-Fraktionssprecher Hans Hopfner in der Stadtratssitzung in Geretsried am Dienstagabend.

Irritiert habe ihn die Tatsache, dass Bürgermeister Klaus Heilinglechner und seine Fraktion der Bürgervereinigung geschlossen gegen die Beteiligung am Betriebskostendefizit des Schwimmbads stimmten. Das Kürzel „BV“ (Bürgervereinigung) bedeute für ihn nun „Bad-Verhinderer“, sagte Hopfner. Die Idee Klaus Heilinglechners, mit Geretsried gemeinsam ein großes Spaßbad bauen zu wollen, sei „ein lustiger Vorschlag“, der „doch nur zum Ziel hat, uns den Schwarzen Peter zuzuschieben.“ Nach dem Motto: Wolfratshausen „wollte ein ganz großes Bad, aber die Geretsrieder wollten es nicht“.

Auch Freie-Wähler-Sprecher Robert Lug hadert mit dem Votum des Wolfratshauser Gremiums. 105 000 Euro Anteil jährlich am Betriebskostendefizit könnten die Nachbarn nicht schultern – aber Geld für ein großes Spaßbad sei offenbar da. Lug: „Zum Thema Spaßbad stelle ich fest: Entschuldigung, Thema verfehlt.“ Denn im Fokus stehe der Bau eines Schul- und Sportbads. Lug ist überzeugt, dass das Nein des Wolfratshauser Rats nicht in Stein gemeißelt ist: Beim Bürgerbegehren, das wie berichtet in der Flößerstadt geplant ist, „werden sich die Bürger mit großer Mehrheit für die Beteiligung am interkommunalen Hallenbad aussprechen“.

Diese Prognose ist für Walter Büttner (SPD) kein Grund für Freudentänze. Er fürchtet, dass der Wolfratshauser Stadtrat ein positives Votum der Bevölkerung nicht widerspruchslos in die Tat umsetzen wird. Solange „zwei Betonköpfe“ in dem Gremium sitzen würden, sei mit den Nachbarn nicht gut Kirschen essen. Büttner ist sogar überzeugt davon, dass der Wolfratshauser Stadtrat „auch die S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried noch torpedieren wird“.

Manfred Freiseisen

Bürgermeister Michael Müller (CSU) hegt dagegen die Hoffnung: „Die Ewiggestrigen können nicht die Zukunftsfragen von morgen beantworten.“ Er dankte in der Sitzung ausdrücklich den zwölf Wolfratshauser Räten, die für die Beteiligung am Betriebskostendefizit gestimmt hatten. Mit Blick auf die weitere interkommunale Zusammenarbeit „müssen wir jetzt einen kühlen Kopf bewahren“. Der Rathauschef machte aber kein Hehl aus der Tatsache, dass in Geretsried „eine gewisse mentale Stimmung“ entstanden sei.

Wolfgang Möckel (CSU) beurteilte es als „richtig, dass wir den Wolfratshausern Zeit für ein Bürgerbegehren geben“. Da die Stadt Geretsried wie berichtet zunächst prüft, ob sich ein privater Betreiber für eine dem Schwimmbad angegliederte Sauna findet, kann sie das Ergebnis des Bürgerbegehrens relativ gelassen abwarten.
 
Volker Witte (Grüne) erinnerte daran, dass die Stadt Geretsried fürs interkommunale Hallenbad „auch noch das Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt hätte“. Den Initiatoren des Bürgerbegehrens wünsche er viel Erfolg. Aber er schließe nicht aus, dass dem Wolfratshauser Stadtrat „etwas einfällt“, um ein Bürgervotum pro Betriebskostenbeteiligung nicht in die Tat umsetzen zu müssen.

„Ich war wirklich enttäuscht“, betonte Hopfner. Das interkommunale Hallenbad hätte ein Leuchtturmprojekt in Bayern werden können, sagte er. „Es ist müßig, wie die Beschlusslage in Wolfratshausen zustande gekommen ist“, sagte CSU-Fraktionschef Volker Reeh. „Wir haben sie zu akzeptieren.“

Heidi Dodenhöft (Freie Wähler) warnte vor einer pauschalen Schelte: „Es gibt nicht ,die‘ Wolfratshauser“, sagte sie. Nach ihrer Einschätzung hat der Stadtrat „nicht den Willen der Bevölkerung umgesetzt“. Auch sie setzt darauf, dass das Nein durch einen Bürgerentscheid in ein Ja verkehrt wird. Dodenhöft: „Wir brauchen aber das Vertrauen, dass der Wolfratshauser Stadtrat diesen Bürgerauftrag dann auch umsetzt.“

cce

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