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Der Fastenprediger: Ludwig Schmid alias Bruder Barnabas wird der Lokalpolitik während des Geretsrieder Starkbierfests Ende Februar wie gewohnt zweimal die Leviten lesen.

Ein Gespräch mit Geretsrieds Bruder Barnabas

Starkbierfest in Geretsried: Bruder Barnabas „möchte Spaß haben“

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Es ist ein gesellschaftlicher Höhepunkt in Geretsried: Unsere Zeitung hat vor dem Starkbierfest mit Fastenprediger Bruder Barnabas alias Ludwig Schmid gesprochen.

Geretsried – Früher als sonst im Jahr, nämlich am 28. Februar (und nochmals einen Tag später), wirft sich Ludwig Schmid heuer die Mönchskutte über und wird als Bruder Barnabas der Lokalpolitik die Leviten lesen. Der vorgezogene Termin hat einen Grund: Mitte März wird auf kommunaler Ebene gewählt. Diese Tatsache dürfte auch Kern seiner Rede während des Geretsrieder Starkbierfests sein, die – wie gehabt – für Lacher im Publikum und sauertöpfische Mienen bei den Derbleckten sorgen wird. Redakteur Peter Borchers unterhielt sich mit dem 42-jährigen Bäcker.

Herr Schmid, was haben Sie sich fürs Derblecken beim Starkbierfest vorgenommen?

Prinzipiell möchte ich zunächst einmal Spaß haben.

Den dürften, wie die Vergangenheit gezeigt hat, während Ihrer Rede nicht alle Zuhörer haben.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Spaß haben werde, und Spaß haben werden auch die Musik, die Leute im Saal und die, die in der Rede vorkommen – zumindest die meiste Zeit (lacht).

Steht Ihr Vortrag schon?

Nein. Ich habe mich gerade erst daran gemacht, eine Themenliste zu erstellen, sprich für jeden der Kandidaten, der sich zum Derblecken anbietet, und für jedes potenzielle Thema eine Karteikarte anzulegen. Sie sind aber noch nicht mit Inhalt gefüllt.

Wer wird heuer derbleckt?

Können Sie uns wenigstens eines Ihrer „Opfer“ verraten?

Das werde ich natürlich nicht. Nur so viel: Einen großen Bereich wird selbstverständlich die Kommunalwahl einnehmen mit den Geretsrieder Bürgermeisterkandidaten, den Stadtratsgruppierungen sowie den Landrats- und Kreistagsaspiranten. Den interkommunalen Aspekt berücksichtigend werde ich natürlich auch die Wahlen im Umkreis thematisieren.

Schreiben Sie in Etappen oder erst auf den letzten Drücker?

In Etappen zu schreiben funktioniert für mich nicht. Die Formulierungen hängen immer an der Tagesform, und die variiert. Dann hast du merkbare Brüche in deiner Rede. Deswegen schreibe ich sie erst zwei, drei Tage vorher in einem Sitz. Für die Rohfassung benötige ich etwa acht Stunden. Deshalb nehme ich mich für diese Zeit aus dem Geschäft raus und setze mich irgendwo hin, wo ich meine Ruhe habe. Danach bürste ich noch einmal über den Text, und dann steht er.

Bekommt die Rede vorher jemand zu sehen?

Bekommt die Rede eigentlich noch jemand zu sehen, bevor Sie mit ihr ans Pult treten?

Nein. Nur gewisse Passagen zeige ich Freunden oder meiner Frau, quasi als Test, wie manche Gags ankommen, oder ob ich sie verständlich formuliert habe. Aber den kompletten Durchlauf gibt es tatsächlich erst am Freitagabend.

Sie stehen heuer zum 15. Mal als Bruder Barnabas vor einem erwartungsfrohen Bierzeltpublikum. Sind sie noch nervös?

Gute Frage. Nervös war ich nie, glaube ich. Die meisten Leute im Saal kenne ich ja, die Themen sind bekannt. Ich würde es eher Anspannung nennen, weil du nicht weißt, welcher Gag ankommt und welcher nicht. Es ist übrigens interessant, was sich in dieser Hinsicht die letzten 14 Jahre gezeigt hat: Die Gags, die ich beim Schreiben für die größten Brüller hielt, kamen oft gar nicht so gut an. Andere, die ich nicht auf dem Schirm hatte, knallten dafür voll rein. Und erstaunlicherweise reagieren die Leute an den beiden Tagen unterschiedlich. Aber im Prinzip ist es ein wenig wie früher in der Schule: Vor der Klausur bist du angespannt, aber sobald du loslegst, fällt diese Anspannung weg und du bis im Arbeitsflow.

Also Business as usual für Sie?

Nicht ganz. Wir haben in Geretsried mit den Grünen, der FDP und der Geretsrieder Liste Gruppierungen, die noch nicht bei einer Bürgermeisterwahl vertreten waren. Insofern setzt sich dieses Mal auch das Publikum anders zusammen.

Sie kandidieren selbst als Parteifreier auf der Liste der Freien Wähler für den Kreistag. Erschwert das nicht den kritischen Blick auf die möglicherweise künftigen Kollegen?

Ich trete bewusst nur für den Kreistag an. Als Stadtratskandidat könnte ich es wohl nicht mehr vertreten, die Politik zu derblecken. So sehe ich keinen Interessenskonflikt, der mir aber – das ist mir bewusst – von manchen Leuten sicher unterstellt werden wird. Aus diesem Grund werde ich heuer mehr als sonst auf Ausgewogenheit achten. Trotzdem verspreche ich: Wer die größten Brüller abgeliefert hat, wird auch die größten Brüller kriegen.

Info

Für den zweiten Tag des Starkbierfests (Samstag, 29. Februar, 19 Uhr) mit der Gartenberger Bunkerblasmusik und der Fastenpredigt gibt es nur noch Restkarten. Mehr Tickets sind für die Veranstaltung am Freitag, 28. Februar (ebenfalls 19 Uhr), zu haben. Zu jeweils 7,99 Euro bekommt man sie in den Ratsstuben.

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