Martina Meier von der Fahrschule km/h
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Martina Meier von der Fahrschule km/h

WIE GEHT’S ?

Stau in der Fahrschule: Martina Meier von km/h im Interview

„Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Heute: Fahrlehrerin Martina Meier.

Geretsried/Wolfratshausen – Auch die Fahrschulen in Bayern befinden sich wegen der Corona-Pandemie im Winterschlaf. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von zehn Monaten mussten sie schließen. Für die Schulen und deren Schüler keine einfache Situation, wie Martina Meier von der Fahrschule km/h berichtet. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein spricht die 38-Jährige auch über den allgemeinen Lehrermangel und erklärt, warum sie es ablehnt, Schüler möglichst schnell durch die Prüfung zu bringen.

Frau Meier, wie geht es Ihnen?

Martina Meier: Die Ungewissheit ist eine Belastung. Wir wissen nicht, wie lange die Schließung anhält und wann und wie wir wieder loslegen können.

Es ist der zweite Lockdown innerhalb von zehn Monaten. Wie lief die erste Zwangsschließung für Ihre Schule?

Martina Meier: Es war vor allem deshalb schwierig, weil wir sehr spontan und kurzfristig informiert wurden. An einem Dienstagnachmittag haben wir erfahren, dass Prüfungen am Mittwoch nicht mehr stattfinden können. Bei der Wiedereröffnung war es ähnlich: Zwei Tage bevor es wieder losgehen durfte, wurde uns mitgeteilt, wie wir uns rüsten müssen. Für unser Büro war das ein enormer Aufwand, der in kürzester Zeit erledigt werden musste.

Beim zweiten Lockdown hatte es sich schon abgezeichnet, dass eine erneute Schließung droht.

Martina Meier: Ja, natürlich. Aber nichtsdestotrotz sind ein paar Tage Vorlauf einfach sehr wenig Zeit. Und die Zeit, die wir verlieren, können wir ja nicht einfach wieder aufholen, weil über die Wochen, in denen wir zu haben, einige junge Menschen ins richtige Alter kommen, um einen Führerschein zu machen.

Heißt: Ihre Fahrschule wurde von einer Welle an Schülern angesteuert?

Martina Meier: Ganz genau. Wir konnten und können aktuell die laufenden Ausbildungen wieder nicht abschließen, kriegen aber eine ganze Menge an Neuanmeldungen. Und die Ausbildung dauert natürlich länger, weil wir statt 40 Schülern nur noch 20 in den Theoriestunden schulen können.

Gibt es nicht die Möglichkeit, über Online-Termine die Schüler in der Theorie fit zu machen?

Martina Meier: Das ist in Bayern nicht zugelassen. Natürlich können die Jugendlichen und jungen Erwachsenen an ihren Apps und im Internet üben. Als Theoriestunden können wir das aber nicht anrechnen. Mehr praktische Fahrstunden können wir auch nicht anbieten, weil festgelegt ist, wie viele Stunden ein einzelner Lehrer pro Tag geben darf – und wir sind auch sonst am oberen Limit.

Würde es helfen, nach der Pandemie neue Fahrlehrer einzustellen?

Martina Meier: Das ist kaum möglich. Seit Jahren gibt es einen Mangel an Fahrlehrern. Früher wurden einige von ihnen bei der Bundeswehr ausgebildet. Aktuell findet das nicht statt. Wir sind dringend auf der Suche nach weiteren Fahrlehrern, die bei uns anfangen möchten.

Wenn sich ein Schüler direkt nach der Wiedereröffnung anmeldet: Was sagen Sie ihm, wenn er fragt, wie lange seine Ausbildung dauern wird?

Martina Meier: Das kann ich pauschal nicht beantworten. Wenn jemand noch zur Schule geht oder täglich bis 17 Uhr arbeitet, dauert es länger, als wenn jemand völlig flexibel seine Stunden nehmen kann. Wir müssen sehen, wie lange wir noch geschlossen bleiben müssen und wie viele Schüler danach neu hinzukommen. Aus dem Bauch heraus möchte ich keine Prognose abgeben, wie lange die Ausbildung dann dauert – auch deshalb, weil es ja nicht unser Anspruch ist, die Schüler so schnell wie möglich durchzuboxen, sondern Autofahrer auszubilden, die ihr Leben lang gut und sicher fahren können.

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