+
Das Gericht sah den jungen Mann auf einem guten Weg.

Geretsrieder (23) bleibt lange Gefängnisstrafe erspart

Straftäter krempelt sein Leben um

Geretsried/Wolfratshausen - Ihm drohte eine lange Gefängnisstrafe. Weil er sein Leben geändert hat, bleibt dies einem 23-jährigen Geretsrieder erspart. 

Im Februar 2013 war der Kfz-Mechaniker (23) vom Jugendschöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung schuldig gesprochen worden. Die Verhängung einer Jugendstrafe war damals zurückgestellt worden. Nun, zwei Jahre später, musste das Gericht ein Urteil fällen. Gemeinsam mit Freunden war der Angeklagte am 25. Mai 2012 auf dem Weg in die Disco bei einem Pizzaservice eingekehrt. Als er dort zwei Eis aus der Kühltruhe klaute, eskalierte die Situation. Das Ganze endete damit, dass der Beschuldigte mit seinem Freund zurückkam, und – mit einem Gullydeckel bewaffnet – in der Wohnung über dem Ladenlokal randalierte.

Während sein Kumpel im Frühjahr 2013 gleich zu Jugendgefängnis auf Bewährung verurteilt wurde, tat sich das Gericht bei dem heute 23-Jährigen schwerer, die für eine Jugendstrafe erforderlichen „schädlichen Neigungen“ zu bejahen. Deshalb bekam der Heranwachsende Gelegenheit, im Rahmen einer so genannten Vorbewährung ein Jahr lang zu beweisen, dass er sich nichts mehr zu schulden kommen lässt.

Doch der junge Mann gab sich weiter ausgiebigem Alkoholgenuss hin. Nur ein halbes Jahr nach der Verhandlung würgte er in stark alkoholisiertem Zustand auf der Maisfeldparty in Ascholding einen anderen Besucher so heftig, dass er erneut vor dem Schöffengericht landete. Diesmal wurde der Angeklagte nach Erwachsenenrecht zu einer Freiheitsstrafe von 19 Monaten verurteilt. Das Gericht setzte die Strafe „trotz Bedenken“ zur Bewährung aus.

Dieses Urteil zeigte nachhaltige Wirkung. Dem jungen Mann gelang es, „den Schalter komplett umzulegen“, wie sein Bewährungshelfer dem Jugendschöffengericht bestätigte. Gleich nach dem Vorfall in Ascholding habe sich der Angeklagte zu einem Skol-Kurs entschieden, und sich intensiv mit seinem Alkoholkonsum auseinandergesetzt. „Da ist mir zum ersten Mal eine Leuchte aufgegangen“, erklärte der Angeklagte dem Richter.

„Seit er den Alkohol im Griff hat, ist nichts mehr vorgefallen. Er hat sein ganzes Leben umgekrempelt“, plädierte Verteidigerin Ann-Charlott Wamsler. Das gesamte Verhalten ihres Mandanten berechtige dazu, „den Schuldspruch von damals als getilgt anzusehen.“ Unter Einbeziehung der letzten Urteils erhöhte das Gericht die Strafe nun um „moderate zwei Monate“ auf ein Jahr und neun Monate. „Wenn man in die Zukunft schaut, stellen die Umstände sich positiv dar“, attestierte Richter Urs Wäckerlin dem Angeklagten, dass er ihn auf einem guten Weg wähnt.

Rudi Stallein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Keine Angst vor der Vergangenheit
Icking - Soll Icking die örtliche NS-Zeit aufarbeiten? Und wenn ja, wie? Zwei Historiker haben die Gemeinderäte dazu ausdrücklich ermuntert. Ihr Wort hat Gewicht, denn: …
Keine Angst vor der Vergangenheit
Unfall auf der B472: Zwei Menschen sterben in Porsche
Bei einem Verkehrsunfall auf der B472 auf Höhe von Bichl starben am Sonntagabend zwei Menschen, drei wurden schwer verletzt.
Unfall auf der B472: Zwei Menschen sterben in Porsche
Ökologie-Lehrpfad eingeweiht
Das ist deutschlandweit einmalig: In Königsdorf wurde ein begehbarer ökologischer Fußabdruck eingeweiht.
Ökologie-Lehrpfad eingeweiht
Viele Mitglieder, gesunde Finanzen
Die Wasserrettung ist ein wichtiges Thema in einem Landstrich, in dem es viele Flüsse und Seen gibt. Da ist es eine gute Nachricht, dass es dem Ortsverband …
Viele Mitglieder, gesunde Finanzen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare