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Hoffen auf finanzielle Unterstützung der Stadt: (v. li.) die Schulleiterinnen Heidi Dodenhöft und Brigitte Leick sowie, Tanja Schwarz, Juliane Wünschmann und Franziska Haas von der Mediationszentrale München.

Karl-Lederer-Grundschule

Streit an der Schule? Mediatoren schlichten

Geretsried - Seit drei Jahren gibt es an der Karl-Lederer-Grundschule zwei ehrenamtlich tätige Mediatorinnen. Laut Schulleitung arbeiten sie mit großem Erfolg. Deshalb sollen die Profis der Mediationszentrale München (MZM) jetzt auch an der Mittelschule Streit schlichten.

Ein Kind wird auf dem Pausenhof getreten oder schlägt selbst wiederholt zu. Ein Schüler wird von einer Gruppe anderer Kinder dauerhaft gehänselt. Gegenüber einem Flüchtlingskind kommt es zu Handgreiflichkeiten. Eltern und eine Lehrerin geraten aneinander. Der bevorstehende Übertritt verursacht Stress auf allen Seiten – Konflikte zwischen Schülern, zwischen Schülern und Lehrern und zwischen Eltern und Lehrern gibt es an jeder Schule.

„Bei den Kindern geht es ganz viel um Freundschaft, Anerkennung, Ausgrenzung“, sagt Konrektorin Heidi Dodenhöft. Auch Missverständnisse würden oft zu verbalen oder auch handfesten Auseinandersetzungen führen. An einer Einrichtung wie der Karl-Lederer-Schule mit 60 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund und 8,5 Prozent Inklusions-Kindern mit besonderem Förderbedarf umso mehr.

"Wir sind wahnsinnig froh um unsere Mediatoren"

Die Zeit der sehr engagierten Lehrerinnen, der Schulsozialarbeiter und der Schulpsychologin, die bei Bedarf angefordert werden kann, reicht meist nicht aus, um den Konfliktursachen auf den Grund zu gehen und um nach Lösungen zu suchen. „Deshalb sind wir wahnsinnig froh um unsere Mediatorinnen“, sagt Rektorin Brigitte Leick.

Die beiden ausgebildeten Mediatorinnen Tanja Schwarz und Franziska Haas arbeiten unter der Fahne der Mediationszentrale München (MZM). Seit 2010 engagiert sich der Verein auf Initiative und unter Leitung von Juliane Wünschmann ehrenamtlich im Bereich Schulmediation. Aktuell begleiten 36 professionell ausgebildete Mediatoren Woche für Woche 18 Schulen im Großraum München. Es handelt sich um Grund- und Mittelschulen sowie eine Realschule und ein Gymnasium. „Wir verstehen uns als Frieden schaffende Vermittler, die Hand in Hand mit den Kräften an der Schule arbeiten“, sagt Wünschmann.

Einmal in der Woche kommen Tanja Schwarz und Franziska Haas nach Geretsried. Beide Mediatorinnen haben selbst Kinder, teils im Grundschulalter. Haas ist freiberufliche Texterin, Schwarz arbeitet im Personalbereich. Gibt es einen Konflikt an der Schule, schicken die Lehrerinnen die Beteiligten zu den Mediatorinnen.

Nichts von den Gesprächen dringt nach außen

„Wir fragen zuerst nach dem Warum“, erklärt Tanja Schwarz das Vorgehen bei der Schlichtung. Wichtig sei, dass jedes Kind seine Sicht des Streits, seine Motivation und Gefühle schildern dürfe. Nichts davon dringe nach außen, betont Tanja Schwarz. Anschließend suchen die Streitenden, seien es Kinder oder Erwachsene, mit Hilfe der Mediatorinnen gemeinsam nach einer Lösung. Bei Konflikten unter Kindern werden manchmal die Eltern hinzugezogen. Gerade bei kulturellen Missverständnissen sei das hilfreich, sagt Juliane Wünschmann. Gebe ein Vater seinem Sohn den Rat mit: „Wenn dich jemand ärgert, dann wehr’ dich“, müsse man grundsätzlich über Werte reden.

Heidi Dodenhöft hat in den vergangenen Jahren – unabhängig von der Nationalität der Kinder – festgestellt, dass „das ,Ich‘ oft mehr bedeutet als das ,Wir‘“.Vernachlässigung oder Überbehütung von Kindern könnten ebenfalls zu Problemen führen.

Das externe Mediatorinnenteam verzeichnet laut Brigitte Leick großartige Erfolge. Die Schulleiterin mag sich die MZM Schulmediation deshalb gar nicht mehr wegdenken und findet eine Ausweitung auf die Mittelschule sinnvoll. Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und strebt Spenden von Stiftungen, Firmen und Privatleuten an. Staatlich gefördert werde das Projekt leider nicht, bedauert Wünschmann.

Zuschuss bei der Stadt beantragt

Weil die Ehrenamtlichen allmählich an ihre Grenzen stoßen, hat die MZM jetzt bei der Stadt einen Zuschussantrag gestellt. In Gröbenzell zahle die Stadt dem Verein für die Bereitstellung der insgesamt vier Mediatorinnen an der dortigen Grund- und Mittelschule 16 000 Euro. Der Ausschuss für Jugend, Soziales, Senioren, Kultur und Sport (Jusskus) soll am 12. Juli über einen Zuschuss in dieser Höhe für die Grund- und Mittelschule entscheiden.

Tanja Lühr

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