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Die Musik und die Politik im Blut: (v.li.)  Die Wellbrüder aus’m Biermoos, mit Christoph (Stofferl), Karl und Michael. 

Die „Wellbrüder aus‘m Biermoos“

Stubenmusik für Fortgeschrittene

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Die „Wellbrüder aus‘m Biermoos haben mit Witz, Musikalität und gewagten Tanzeinlagen den Geltinger Hinterhalt so richtig aufgemischt. 

Gelting – Auf der Bühne des Hinterhalt wird regelmäßig und mit Inbrunst musiziert. Aber standen je so viele Instrumente auf der Bühne wie am Donnerstagabend? Nach Zählung von Augenzeugen waren es 20 Stück, darunter auch große Exemplare wie Bratsche, Harfe und Tuba. „Unsere kleinen Stubenmusikinstrumente“ nannte Michael Well seine Mitbringsel ironisch. Sogar das Alphorn, in das er und seine beiden Brüder aus Leibeskräften bliesen, bezeichnete er so.

Die Brüder Wellt: Bei diesem Stichwort denkt nach wie vor jeder an die Biermösl-Blosn. Doch die gibt es nicht mehr. Hans Well, der eigene Wege geht, ist durch Bruder Karl ersetzt worden. Und der Name ist auch ein anderer: „Die Wellbrüder aus’m Biermoos“ heißen sie jetzt. Doch am speziellen Biermösl-Gefühl hat sich wenig geändert. Auch dieses Trio hat die Musik im Blut, und ebenso die Politik, die reichlich Stoff für sarkastische Kommentare bietet. Etwa, wenn sich auf die Frage: „Geht’s noch blöder?“ plötzlich der Name des neuen Ministerpräsidenten reimt.

Allein dem Neuen, Karl, zuzuschauen, war eine Wucht. Links der hyperaktive Stofferl in Lederhosen, der immer noch eine Geschichte wusste und immer noch ein Instrument konnte. Rechts der kaum weniger temperamentvolle Michael Well aus Ascholding. Und in der Mitte Karl, gesegnet mit maximaler Bierruhe. Als er quasi aus dem Nichts einen esoterischen Bauchtanz aufführte, bei dem sein Körperumfang schön zur Geltung kam, johlte das Publikum. Ansonsten fielen trockene Kommentare in seinen Zuständigkeitsbereich. Etwa, als die drei Alphörner auf die Schultern der Besucher in den ersten Stuhlreihen verteilt wurden und es ziemlich eng zuging. „Macht’s doch hinten einmal die Tür auf“, sagte er. Großes Gelächter.

Stubenmusik kann Menschen befrieden. Auch Trump?

Apropos Stubenmusik: Wie die Wells aus eigener Erfahrung zu berichten wussten, übt sie eine befriedende Wirkung aus. Als sie sich als Kinder gezofft haben – ja, das haben sie – rief die Mama sie rein und verdonnerte sie dazu, gemeinsam Musik zu machen. „Plötzlich waren wir wieder auf derselben Wellenlänge unterwegs“, erzählte Stofferl Well. Das Verfahren legte er auch gleich der großen Politik ans Herz: „Wenn der Trump und der Putin miteinander Stubenmusik machen würden, würde die Welt ganz anders ausschauen“, fand er. Für den Wolfratshauser Stadtrat komme diese Art der Mediation übrigens auch infrage, ergänzte Michael Well. Wieder brüllte das Publikum vor Vergnügen.

Wie aus einigen Bemerkungen hervorging, halten die Wells Markus Söder offenbar nicht für den idealen Landesvater. Das heißt aber nicht, dass das Trio Söder-Kritiker unbedingt sympathisch findet. Von denen sind ja einige der Meinung, dass ein Franke im höchsten Staatsamt einem Weltuntergang gleichkommt. Unter den Altbaiern würde sich der eine oder andere ein „Museum der bayerischen Weltgeschichte“ wünschen, mit Exponaten wie der Original-Dissertation von Guttenberg, dem letzten Masskrug, aus dem Franz Josef Strauß getrunken hat, oder der abgezuzelten Weißwurst, die beim Wolfratshauser Frühstück übrig geblieben ist. Die Wells wünschen sich das offensichtlich nicht.

Ganz am Schluss, wurde Stofferl Well sehr ernst: „Humor ist Notwehr“, erklärte er. „Notwehr gegen alles, wogegen man keine Chance hat.“ Was er meinte? „Den Tod, die CSU, den FC Bayern.“ Damit das nicht so gnadenlos im Raum stehen bleibt, gab es eine letzte Zugabe. Jeder schnappte sich eins der 20 Instrumente, und dann intonierten der Stofferl, der Michael und der Karl den letzten Satz des Abends: „Die Katz is koa Hund/Pfiat Eich Gott/und bleibts g’sund.“ Riesenapplaus.

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