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In beiden Welten zuhause: Suzan Jarrar ist im Westjordanland geboren und in Bayern aufgewachsen.

„Die ideale  Besetzung“

Suzan Jarrar ist neue Asyl-Koordinatorin im Rathaus

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Geretsried - Ihre Mutter stammt aus Bayern, ihr Vater aus Jordanien: Suzan Jarrar (48) ist damit für den Bürgermeister  „die ideale Besetzung“. Seit Januar arbeitet sie als hauptamtliche Kraft im Bereich Asyl im Rathaus.

Ihre Mutter stammt aus Bayern, ihr Vater aus Jordanien: Suzan Jarrar ist in beiden Welten zuhause und damit für Bürgermeister Michael Müller „die ideale Besetzung“. Seit dem 15. Januar arbeitet die 48-Jährige als hauptamtliche Kraft im Bereich Asyl im Rathaus. Gestern wurde die gelernte EDV-Programmiererin offiziell vorgestellt.

Gegen fast 40 Bewerber durchgesetzt

Suzan Jarrar hatte sich im Bewerbungsverfahren „mit Abstand“ gegen fast 40 andere Kandidaten durchgesetzt. „Wir sind sehr froh, mit ihr eine versierte und kompetente Mitarbeiterin gewonnen zu haben“, sagt Müller. In ihrer Person spiegelt sich nach seinen Worte die ganze Vielfalt von Geretsried wider. Jarrar ist im Westjordanland geboren und in Bayern aufgewachsen. Mit Unterbrechungen lebt sie seit 1979 in Geretsried. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Unter ihrem Mädchennamen El-Amad gehörte die Muslimin von 1990 bis 1995 dem Stadtrat an. „Hier hat meine Karriere begonnen, vielleicht endet sie auch hier“, scherzt sie.

Seit der Eröffnung der Asylbewerberunterkunft am Robert-Schumann-Weg engagiert sich Jarrar ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Nun setzt sie ihre Arbeit hauptamtlich fort. Ihr Schwerpunkt wird sein, die derzeit 149 registrierten Helfer zu koordinieren, Einsatzpläne zu erstellen und Strukturen zu schaffen, um die zu erwartenden Neuankömmlinge betreuen zu können.

"Im Moment läuft es super"

„Im Moment läuft es super, wie wir alles organisiert haben“, findet die 48-Jährige. Das Modell mit verschiedenen Arbeitsbereichen würde sie gern auf jede Unterkunft übertragen. „Ich will aber erst die Helfer nach ihrer Meinung fragen“, sagt sie. Neben diesen Aufgaben sieht sich Jarrar weiter als Ansprechpartnerin für die Paten. Auch um die Flüchtlinge will sie sich in ihrer Freizeit weiter kümmern. „Sie vertrauen mir.“

Ihr Büro im Rathaus teilt sich Suzan Jarrar mit Christine Harloff, die für die administrativen Aufgaben im Bereich Asyl zuständig ist. Darüber hinaus gibt es das Projekt „Integration aktiv“ sowie eine Kooperation mit dem Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch“. Alle zwei Wochen treffen sich die Beteiligten zu einem Jour-Fix. um die anstehenden Aufgaben zu besprechen. Und diese werden nicht weniger. Wie berichtet erwartet Geretsried bis Ende des Jahres 1000 Flüchtlinge. Das drängendste Problem ist laut Müller die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Denn viele Flüchtlinge wollen bleiben. „Sie sind sehr froh, in Geretsried zu sein, und fühlen sich willkommen“, sagt Jarrer. „Es können schon sehr viele Deutsch. Einige haben bereits einen Arbeitsplatz.“

Stimmungswechsel in der Bevölkerung

Auf Nachfrage bestätigt der Bürgermeister jedoch, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung seit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln verändert hat. „Der Ton verschärft sich“, sagt er. „Man hört die ganze Bandbreite der Klischees, einige äußern ihre Ängste.“ Um dem zu begegnen, müsse man Aufklärungs- und Kontaktarbeit leisten. „Das kann man nicht ausblenden“, so Müller.

In ihrer ehrenamtlichen Arbeit hat Suzan Jarrar bislang „nur positive Erfahrungen“ gemacht, wie sie sagt. „Durch die Arbeit im Rathaus werde ich wahrscheinlich auch die andere Seite kennen lernen.“ Auch sie will durch Gespräche versuchen, den sozialen Frieden zu wahren. „Wir können die Leute nicht zurückschicken, wir müssen zusammenhalten“, sagt sie. Damit die Integration gelingt, müssten beide Seiten ihren Beitrag leisten. „Wir wollen doch alle weiterhin ein gutes Leben in Geretsried.“

Sabine Schörner

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