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Abbruch und Neubau: Am Ende der Straße sieht man die Häuserzeile der Baugenossenschaft Geretsried an der Egerlandstraße, rechts am Karl-Lederer-Platz den Altbau der Familie Krämmel.

Stadtrat bringt zwei Neubauvorhaben im Zentrum auf den Weg

Geretsried will Einkaufsstadt werden

Geretsried - Das Zentrum Karl-Lederer-Platz/Egerlandstraße soll attraktiver werden. Die ersten Weichen dafür hat der Stadtrat am Dienstagabend gestellt.

Im Geretsrieder Stadtzentrum rührt sich was: Sowohl die Familie Krämmel als auch die Baugenossenschaft Geretsried wollen in der so genannten T-Zone Karl-Lederer-Platz/Egerlandstraße investieren. Einstimmig hat der Stadtrat am Dienstagabend beschlossen, mit beiden Seiten Verhandlungen über einen Vorhaben- und Erschließungsplan aufzunehmen. Die Baugenossenschaft überlegt, ihre Häuserzeile Egerlandstraße 58 bis 74 abzubrechen und dort ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit Parkraum zu errichten. Gleiches plant die Familie Krämmel auf ihrem Areal Karl-Lederer-Platz 14 bis 18.

In beiden Grundstücken steckt derzeit das größte Potenzial für die Entwicklung des Stadtzentrums. Zu diesem Schluss kommt die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in ihrem Einzelhandelsentwicklungskonzept, das Wirtschaftsförderin Annette Hilpert in der Sitzung vorstellte. Die Stadt hat ihr erstes Konzept aus dem Jahr 2012/2013 aktualisieren lassen, weil der Fokus damals noch auf einer Zentrumserweiterung auf der Böhmwiese lag. Unter Bürgermeister Michael Müller (CSU) hat sich die Strategie geändert: Statt auf der grünen Wiese neue Einzelhandelsflächen auszuweisen, sollen der Karl-Lederer-Platz und die Egerlandstraße zu einem attraktiven Zentrum ausgebaut werden.

Kaufkraftpotenzial im Mittelzentrum liegt bei 400 Millionen Euro 

Obwohl die Situation im Einzelhandel durch den Online-Handel nicht einfacher geworden ist, sieht die GMA gute Chancen, dass sich in Geretsried neue Geschäfte ansiedeln. Im Einzugsgebiet der Stadt leben 64 000 bis 65 000 Einwohner. Das Kaufkraftpotenzial liegt bei 380 bis 400 Millionen Euro im Jahr und wird mit der geplanten S-Bahn-Verlängerung noch steigen.

Um dieses Potenzial abschöpfen zu können, müssen im Geretsrieder Zentrum aber erst die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden, erklärte Hilpert. Derzeit konzentrieren sich um den Karl-Lederer-Platz nur zwölf Prozent aller Verkaufsflächen in der Stadt. Das heißt, es müssen neue attraktive Ladenflächen geschaffen werden. Was unter anderem fehlt, ist ein geeigneter Standort für einen größeren Lebensmittelmarkt. Als positives Gegenbeispiel wird in dem Gutachten das neue Nahversorgungszentrum an der Sudetenstraße genannt.

Wichtig ist laut GMA die gute Erreichbarkeit des Zentrums, also ausreichend kostenlose und ebenerdige Parkplätze. „Da sind die Geretsrieder verwöhnt“, sagte die Wirtschaftsförderin. Auch muss das Angebotssortiment erweitert und mehr Aufenthaltsqualität im Zentrum geschaffen werden.

Fachmarktzentrum auf dem Lorenz-Areal wäre schädlich für die Innenstadt

Schädlich für die Innenstadt wäre es laut der Expertise, an der Peripherie weiteren zentrenrelevanten Einzelhandel zuzulassen. Das gilt vor allem für ein Fachmarkzentrum auf dem ehemaligen Lorenz-Areal. Flankiert von einem Vollsortimenter, einem Discounter, einem Drogerie- und Elektromarkt sollte dort der in Geretsried lang ersehnte Bau- und Gartenfachmarkt entstehen. Es fand sich jedoch kein Betreiber. Auch vor dem Hintergrund des neuen Einzelhandelskonzepts hat der Grundstückseigentümer Reinhold Krämmel inzwischen Abstand von den Plänen genommen. Stattdessen sollen auf der Industriebrache bis zu 600 Wohnungen entstehen, ein Großteil davon im geförderten Wohnungsbau. Auch darüber wird in den nächsten Wochen verhandelt. So hat es der Stadtrat am Dienstagabend beschlossen (wir berichteten).

Bürgermeister Müller hat im neuen Jahr also eine Menge Gespräche zu führen. Auf Nachfrage von Grünen-Stadtrat Prof. Dr. Detlev Ringer sicherte er zu, den Stadtrat über den Zwischenstand der Verhandlungen auf dem Laufenden zu halten.

Sabine Schörner

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