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Tafeln im Landkreis vergeben Lebensmittel unter besonderen Bedingungen

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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700 Menschen versorgen die Tafel-Vorsitzende Heidemarie Ritter und ihr Team in Geretsried und Wolfratshausen mit Lebensmitteln.
700 Menschen versorgen die Tafel-Vorsitzende Heidemarie Ritter und ihr Team in Geretsried und Wolfratshausen mit Lebensmitteln. © sh

Mit neuen Ausgabe-Konzepten trotzen die Tafeln der Pandemie. Viele Kunden nutzen die Abholung, um soziale Kontakte zu pflegen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Hinter den Tafeln und ihren Kunden liegt ein schwieriges Jahr. Im ersten Halbjahr 2021 waren pandemiebedingt keine Lebensmittelausgaben möglich. Statt ansprechend aufgebauter Steigen mit Obst und Gemüse gab es leere Regale. Doch sowohl die Geretsrieder-Wolfratshauser als auch die Tölzer Tafel nutzten die Zeit, um eigene Ausgabekonzepte zu entwickeln.

„Wir haben versucht, den Kontakt auf das absolute Minimum zu beschränken“, erklärt die Vorsitzende der Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel, Heidemarie Ritter. Soll heißen: „Alle Berechtigten mussten sich vor der Ausgabestelle an der Jeschkenstraße anstellen, ein Tafel-Mitarbeiter erfasste Berechtigungsausweisnummer und für wie viele Menschen Lebensmittel abgeholt werden.“ Derzeit sind es rund 700, die auf Unterstützung angewiesen sind. „Aufgrund dieser Daten haben wir dann Tüten gepackt und ausgegeben.“ Bei der Zusammenstellung versuchten die Mitarbeiter, möglichst individuell zu agieren. „Wir haben einige Muslime – da ist Schweinefleisch tabu.“

Mit den Lockerungen im Sommer hat auch die Geretsrieder-Wolfratshauser Tafel ihr Konzept gelockert. Drei Kunden dürfen seitdem in die Ausgabestelle an der Jeschkenstraße in Geretsried – getrennt durch Tische, damit der Abstand gewahrt bleibt. Parallel dazu wurde die Anzahl der Mitarbeiter beschränkt.

Zum selben Thema: Tafeln im Landkreis geben während des Lockdowns ihr Bestes

Die Kollegen in Bad Tölz kümmern sich um rund 100 Abholer und deren Familien. „An der Lettenholzschule mussten wir die Verteilung stoppen“, sagt Reinhold Pohle, der seit 2006 gemeinsam mit Dagmar Karl Ansprechpartner der Tölzer Tafel ist. In den Räumen war eine Lebensmittelausgabe unter Corona-Bedingungen nicht möglich. „Die Kunden von hier müssen jetzt ebenfalls zur Südschule an der Krankenhausstraße kommen.“ Dort wird nun in Schichten verteilt: ab 16.45 Uhr die ehemaligen Lettenholz-Kunden, ab 18 Uhr die Südschul-Kunden. Die große Aula bietet dafür ideale Bedingungen. „Wir haben drei Luftreiniger bekommen, zudem lassen wir Türen und Fenster offen, der Kontakt ist auf ein Minimum reduziert.“ Die Abholer melden sich am Fenster an und bekommen dann die vorbereitete Kiste überreicht.

Die Kunden verhalten sich überaus diszipliniert, berichtet Pohle. „Am Anfang war ein bisserl Nachhilfe nötig, damit die Masken rechtzeitig aufgesetzt wurden und sich keine Grüppchen bildeten. Aber das hat sich schnell gegeben.“ Die Abholer würden bereits ab dem Schulhof ihre Masken tragen. „Das ist mittlerweile so selbstverständlich geworden, wie das Anschnallen beim Autofahren“, ergänzt Ritter.

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In Bad Tölz wie auch in Geretsried kommen viele der Berechtigten bereits lange vor der Lebensmittelverteilung. Die Menschen, so hat Pohle beobachtet, schätzen die sozialen Kontakte beim Warten außerordentlich. Das kann Ritter nur unterstreichen. „Viele sind bereits lange vor Ausgabebeginn da. Es wird – wenn auch mit Abstand – gelacht und sich unterhalten. Man merkt, wie sehr das den Menschen fehlt.“ Früher, vor Corona, bildeten sich sogar richtige Cliquen. „Die Kunden haben sich verabredet, um sich auszutauschen.“

Wie es in diesem Jahr mit der Lebensmittelverteilung weitergeht, steht in den Sternen. Dankbar sind beide Tafel-Chefs, dass die Geschäfte, die die Lebensmittel zur Verfügung stellen, nach wie vor hinter der Arbeit der Ehrenamtlichen stehen. Während des Ausgabestopps bat Ritter um einen Bereitstellungsstopp. Nach der Erlaubnis zur Wiedereröffnung ging sie wieder auf Tour. „Und die Märkte machten sofort weiter“, sagt Pohle. „Wir haben jetzt eine große Menge an Schoko-Nikoläusen bekommen. Aber Schoko ist gleich Schoko, auch in der Form des Heiligen Mannes.“

Ansonsten heißt es abwarten, was die Politik in Sachen Corona vorgibt. Ritter: „Das sind für uns die Rahmenbedingungen, die das weitere Prozedere bestimmen.“

sh

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