Regina Frech beim Blumen binden.
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Ihre Kreativität voll und ganz ausleben kann die Floristik-Auszubildende Regina Frech beim Blumen binden in der Geretsrieder Stroblume.

„Jeder Tag ist ein bisschen Abenteuer“

Tag des Handwerks: Lehrlinge aus dem Landkreis erzählen, was sie täglich antreibt

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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Ob auf dem Bau, im Friseursalon oder in der Backstube: Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für einen Handwerksberuf. Trotzdem es gibt immer noch Lehrlinge, die sich bewusst für einen solchen Job entscheiden. Zum Tag des Handwerks werfen wir einen Blick in heimische Betriebe.

  • Handwerksbetrieben fällt es immer schwerer, motivierte Lehrlinge zu finden.
  • Zum Tag des Handwerks berichten Auszubildende aus dem Landkreis, was sie täglich antreibt.
  • Die jungen Leute können sich keinen schöneren Beruf vorstellen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mütter haben einfach immer Recht. Inzwischen weiß das auch Friseurlehrling Darline Weiß. „Meine Mama hat mir schon lange gesagt, dass ich doch Friseur lernen soll. Das würde mir bestimmt gut gefallen“, erinnert sich die 22-Jährige.

Ein guter Ratschlag: Mittlerweile arbeitet Weiß im dritten Lehrjahr im Ickinger Friseursalon „Alpenföhn und Isarwelle“. „Ich kann ich mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen“, schwärmt die Geretsriederin.

Großen Spaß macht ihr vor allem, ihren Kundinnen die Haare zu färben. Ganz wichtig findet Weiß in ihrem Beruf das direkte Kunden-Feedback. „Wenn ich den Leuten die Haare schneide, und sie sich danach wieder richtig wohlfühlen – das ist einfach ein super Gefühl und motiviert mich immer wieder aufs Neue.“

Haare föhnen: Alltagsgeschäft von Friseur-Lehrling Darline Weiß.

Einen Moment, den Weiß nie vergessen wird: Als sie einer Braut im Dirndl die Haare frisieren und sie schminken durfte. „Wir haben im Salon alle Spiegel abgedeckt, damit sich die Kundin nicht sehen konnte“, erinnert sich die 22-Jährige. Als das Werk vollendet war und die künftige Ehefrau sich im Spiegel betrachtete, begannen ihre Augen zu strahlen. „In dem Moment waren wir beide kurz vorm Heulen“, gesteht die Auszubildende – und muss grinsen.

Konkrete Pläne für die Zukunft hat die junge Frau noch nicht geschmiedet. Irgendwann möchte die Geretsriederin ihren Meister machen. „Vielleicht gehe ich zusätzlich noch auf die Kosmetikschule.“ Eins weiß sie jedoch schon heute: „Haare schneiden mag ich für immer.“

Ich kann mir keinen anderen Beruf mehr vorstellen.

Darline Weiß, Friseurlehrling in Icking

In luftiger Höhe befindet sich der Arbeitsplatz von Joshua Di Marcoberardino: Nach seinem Abitur begann der 20-Jährige vor zwei Jahren eine Lehre als Zimmerer. In der Jachenau, in der Zimmerei Jakob Kohlhauf junior, baut der Greilinger nicht nur Dachstühle, sondern gleich ganze Holzhäuser. „Hier kann ich meine körperliche Kraft effektiv einsetzen. Außerdem sehe ich zum Feierabend genau, was ich mit meinen Händen geschaffen habe“, erklärt er seine Berufswahl.

Ganz ungefährlich ist die Arbeit als Zimmerer natürlich nicht. „Man muss die Augen immer gut offenhalten. Man weiß nie, was kommt. Aber dadurch ist jeder Tag ein bisschen ein Abenteuer.“ Um 6 Uhr in der Früh geht es für den Greilinger jeden Tag zur Baustelle.

„Die Arbeit macht mir so viel Spaß, da vergeht die Zeit extrem schnell.“ Doch auch wenn der Job gut bezahlt ist, ist dem 20-Jährigen bewusst: „Ewig kann man das nicht machen. Das spielt der Körper nicht so lange mit.“ Später möchte er deshalb Architektur studieren.

Beim Planen: Joshua Di Marcoberardino (Mitte) bespricht sich mit seinem Chef Jakob Kohlhauf jun. (re.) und Kollege Michael Kirschenhofer (li.).

Gut 40 Kilometer weiter nördlich, konkret in Geretsried, macht Regina Frech (22) eine Lehre als Floristin. Bereits während ihrer Schulzeit absolvierte die Beuerbergerin ein Praktikum bei einem Floristen in Bad Heilbrunn. „Das hat mir damals schon richtig gut gefallen.“ Trotzdem begann Frech zunächst eine Ausbildung als Metzgereifachverkäuferin.

„Auch hier haben mir die kreativeren Sachen am meisten gefallen, wie zum Beispiel Wurstplatten legen“, so die 22-Jährige. „Aber irgendwie war der Job nie so ganz meins.“ Die Beuerbergerin erinnerte sich zurück an ihr Schülerpraktikum – und bewarb sich kurzerhand bei der „Stroblume“.

Als Floristin kann ich meine Kreativität voll entfalten.

Regina Frech, Floristiklehrling in Geretsried

Ob Blumen zuschneiden und frischhalten oder Kränze und Sträuße binden: „Als Floristin kann ich meine Kreativität voll entfalten“, sagt Frech zufrieden. An einen Tag im Mai erinnert sich die Auszubildende besonders gerne zurück: Aus Pfingstrosen, Sterndolde, Polyantharosen und Schleierkraut durfte sie zum allerersten Mal einen Hochzeitsblumenstrauß binden.

„Alles hat auf Anhieb geklappt, das hat mich ziemlich gefreut.“ Dass sie in ihrem Beruf nicht die beste Bezahlung erwartet, ist der Beuerbergerin sehr wohl bewusst. „Aber ich sag’ mir immer: Ich arbeite 40 Stunden in der Woche, das ist furchtbar lange. Da ist es doch viel wichtiger, wenn einem seine Arbeit Spaß macht.“

kof

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