+
Unter dem Bundesadler: Linken-Politiker und Neu-Parlamentarier Andreas Wagner aus Geretsried am Dienstag bei der konstituierenden Sitzung des Deutschen Bundestags. 

Konstituierende Sitzung des Bundestags

Tag eins im Hohen Haus

  • schließen

Geretsried - Die erste Sitzung des neuen Bundestags war gleich ziemlich turbulent. Und Neu-Parlamentarier Andreas Wagner aus Geretsried (45) war mittendrin. Unserer Zeitung hat der Abgeordnete der Linken erzählt, wie er Tag eins im Hohen Haus erlebt hat. 

Berlin/Geretsried– Dienstagnachmittag, 16.31 Uhr, konstituierende Sitzung der 19. Deutschen Bundestags in Berlin: Soeben läuft der dritte und letzte Wahlgang, mit dem die AfD ihren Kandidaten Albrecht Glaser endlich als sechsten Vize-Präsidenten des Parlaments durchdrücken will. Andreas Wagner hat seine Stimme bereits abgegeben und nutzt die Minuten bis zur Auszählung zu einem Telefonat mit unserer Zeitung.

Die Anspannung ist dem Newcomer aus Geretsried, frisch für die 69-köpfige Fraktion der Linken in den Bundestag eingezogen, anzuhören. Als er sich am Vormittag in Richtung Reichstags aufmachte, war er „richtig aufgeregt“. Der 45-Jährige ist, obwohl die Bundestagswahl vier Wochen zurückliegt, immer noch dabei, sich „einen Überblick zu verschaffen“. Dass politische Schwergewichte, die er zuvor lediglich aus den Medien kannte, mit einem Mal wenige Zentimeter an ihm vorbeilaufen, ist neu für Wagner: „Daran muss ich mich erst gewöhnen.“

Auch mit der Schärfe der Argumentation tut er sich schwer. Wie aggressiv beispielsweise der Liberale Marco Buschmann auftrat, gefällt dem Geretsrieder nicht. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP hatte zwei Änderungsanträge von Jan Korte, einem Fraktionskollegen Wagners, harsch als Ringen um Aufmerksamkeit abgekanzelt. „Das waren völlig normale Vorschläge zur Geschäftsordnung. Kein Grund, gleich so massiv zu werden“, findet der Geretsrieder.

Auf ein Tässchen Kaffee mit Sahra Wagenknecht

Von der Antrittsrede des neuen Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble hatte sich Wagner dagegen „deutlich mehr erwartet“. Er habe sich „klarere Aussagen“ Schäubles in Richtung AfD zur Gleichbehandlung aller Menschen gewünscht, sagt der Heilerziehungspfleger. Denn „für Rassismus darf im Parlament klein Platz sein. So verstehe ich auch meinen Auftrag.“

Damit er dem gerecht werden kann, hat der 45-Jährige noch einiges zu tun. Weiterhin fehlen ihm eine Wohnung und ein Büro im heimischen Wahlkreis, denn „die „Prioritäten lagen bislang woanders“. Wagner führte zahlreiche Personalgespräche, weil er sich zuvorderst ein Team in der Hauptstadt zusammenstellen wollte. Das hat er geschafft: Am 1. November fangen ein Büroleiter, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und eine Sachbearbeiterin bei ihm in Berlin an.

Dafür läuft’s in der Fraktion schon ordentlich. Über seine bayerischen Kollegen hinaus habe er sich mit einigen Parteigenossen aus anderen Bundesländern ausgetauscht, erzählt er. Und zu einem Plausch mit der Fraktionschefin hat es auch gereicht. „Als lockeres Kennenlernen“ empfand der Geretsrieder das Gespräch mit Sahra Wagenknecht bei einem Tässchen Kaffee.

Übrigens: Das Pochen der Parlamentarier am ganz rechten Rand auf Glaser als den ihnen zustehenden Bundestags-Vize sieht Andreas Wagner „ganz locker“. Es gehöre zum demokratischen Verständnis, dass die AfD „den Kandidaten benennen kann, den sie will, auch dreimal in Folge“, sagt er – und fügt schmunzelnd an: „Es gehört aber auch zum demokratischen Verständnis, dass er nicht von der Mehrheit gewählt wird.“ So kam es dann auch.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Vandalen leeren Feuerlöscher in Isardamm-Grundschule
Mit einem Feuerlöscher und Farbe haben bislang unbekannte Täter in der Isardamm-Grundschule gewütet. Die Polizei sucht Zeugen.
Vandalen leeren Feuerlöscher in Isardamm-Grundschule
So schön waren die drei Geretsrieder Christkindlmärkte
Nach dem gut besuchten Christkindlmarkt im Rathausinnenhof weihnachtete es am vergangenen Wochenende auch in Stein, Gelting und am neuen Platz. Bei einem Rundgang gab es …
So schön waren die drei Geretsrieder Christkindlmärkte
Nach Tod des Wolfratshauser Isar-Rangers: Wie ein „Engel“ der Familie hilft
Nach kurzer, schwerer Krankheit starb 2015 der Wolfratshauser Isar-Ranger. Seine Familie stand vor dem Nichts. Doch in der Situation „hat uns jemand einen Engel …
Nach Tod des Wolfratshauser Isar-Rangers: Wie ein „Engel“ der Familie hilft
Alkohol-Fahrt endet in Endlhauser Vorgarten
Zu tief ins Glas geschaut hatte in der Nacht auf Sonntag offensichtlich ein Penzberger. Seine Alkoholfahrt im Gemeindebereich Egling endete in einem Vorgarten.
Alkohol-Fahrt endet in Endlhauser Vorgarten

Kommentare