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Besorgte Gesichter: (v. li.) Sebastian Schlenz vom Forstamt und Jobst Hahn vom Maschinenring mit Umweltamtsleiterin Inken Domany und Forstamtsleiter Wolfgang Neuerburg, der ein Stück vom Borkenkäfer befallene Rinde in den Händen hält.

Forstamt schlägt Alarm

Tausend Baumfällungen: Borkenkäfer wütet in Geretsried

Geretsried – Der Borkenkäfer ist verantwortlich für großangelegten Kahlschlag im Stadtgebiet. Der Schädling vermehrt sich rasant.

Als Spaziergänger erschrickt man im Moment fast, wenn man durch den Geretsrieder Wald läuft: Überall klaffen kahle Stellen, weil Bäume gefällt wurden. Die gestapelten Stämme liegen am Wegesrand. Rund 1000 Fichten hat das Staatliche Forstamt mit Hilfe des Maschinenrings Wolfratshausen und der Waldbesitzervereinigung in den vergangenen Tagen und Wochen entfernt. Auffällig ist der Kahlhieb an der Tattenkofener Straße, kurz vor dem Kreisverkehr, rund ums Heinz-Schneider-Eisstadion und im Stadtwald am Schulzentrum. Schuld an der großflächigen Fällaktion sind die beiden Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher, deren Lieblingswirt die Fichte ist.

Fichten sind heuer dreifach geschwächt

Die flach wurzelnde Baumart ist heuer dreifach geschwächt: durch Sturm Niklas, durch den trockenen Sommer und den milden, ebenfalls niederschlagsarmen Winter. Der Borkenkäfer hat leichtes Spiel, die bereits geschädigten oder abgestorbenen Bäume zu befallen. Die Insekten – nur zwei bis fünf Millimeter groß – bohren sich durch die Rinde und bauen dort Brutgänge für ihre Nachkommen. „Ein Weibchen legt bis zu 150 Eier. Der Schädling vermehrt sich rasant“, erklärt der Leiter des Forstamts in Holzkirchen, Wolfgang Neuerburg. Zusammen mit den Förstern Sebastian Schlenz und Jobst Hahn sowie Umweltamtsleiterin Inken Domany lud er unsere Zeitung gestern zu einem Rundgang durch den Wald am Isardamm ein. 100 Fichten wurden dort zwischen Tennis- und Bolzplatz bereits entfernt, die orange markierten warten noch darauf. Sebastian Schlenz zeigt nach oben: Die gelblich verfärbten Wipfel deuten auf eine Schwächung der Bäume hin. Zusätzlich werfen sie Nadeln ab, oft tritt Harz aus. Die ungewöhnlich vielen Zapfen sind ein Zeichen für „Stress“.

Der Abtransport muss schnell gehen

Das Fällen und Wegschaffen der kranken Fichten ins nächste Sägewerk muss jetzt schnell gehen. Ab 17 Grad Celsius fühlt sich der Borkenkäfer pudelwohl. Er fliegt aus, stärkt sich mit einem Regenerationsfraß und vermehrt sich munter. Obwohl das Forstamt mit Hochdruck arbeitet, rechnet Neuerburg damit, dass im Laufe des Sommers weitere Fällungen nötig werden: „Würden wir nichts unternehmen, wäre in fünf Jahren Feierabend mit der Fichte.“ Im Sinne einer „sauberen Waldwirtschaft“, so der Fachausdruck, verzichte man im Forst komplett auf Insektizide und rode stattdessen lieber. Der Wald, prognostiziert der Forstamtsleiter, wird sich in Zukunft aufgrund des Klimawandels verändern. Die Fichten werden weniger, dafür kommen mehr unempfindlichere Tannen sowie Laubbaumarten wie Buche und Ahorn. So gesehen ist die Dezimierung der dominanten Fichte kein Drama. „Ein gesunder Mischwald ist unser langfristiges Ziel“, erklärt Neuerburg. In ihm hätten Schädlinge, die meist auf bestimmte, dicht beisammen stehende Baumarten spezialisiert seien, weniger Überlebenschancen.

Neuerburg wie auch der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung (WBV), Johann Killer, appellieren an alle privaten Waldbesitzer, kranke Fichten schnellstmöglich zu schlagen, um eine drohende Käferplage zu verhindern. „Bitte nehmt das Problem ernst“, ermahnt Killer die Waldbesitzer. Wer Hilfe braucht, könne sich an das Forstamt und die WBV wenden. Um die Spaziergänger aufzuklären, hat das Forstamt in allen betroffenen Waldstücken Plakate mit Infos zum Borkenkäfer aufgehängt.

von Tanja Lühr

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