Bericht aus dem Gericht

Teure Drogen aus dem Darknet

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Ein Geretsrieder hat bei einem Kinderzimmer-Dealer eingekauft. Das hätte er mal lieber lassen sollen: Er muss 6000 Euro Geldstrafe zahlen.

Geretsried/Wolfratshausen – Das sogenannte Darknet hat sich längst zu einer Art Online-Supermarkt für Menschen entwickelt, die unerkannt illegale Produkte einkaufen wollen. Vor allem Drogen sind dort ein lukratives Geschäft.

Immer häufiger gelingt es der Kriminalpolizei jedoch inzwischen, die vermeintlich bestens getarnten Händler im Internet-Dschungel aufzuspüren. Das kam nun einen Geretsrieder (38) teuer zu stehen: Wegen unerlaubten Erwerbs und Besitzes von Betäubungsmitteln wurde der gelernte Koch vom Amtsgericht Wolfratshausen zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Anfang Juni und Anfang Oktober 2014 hatte der Angeklagte jeweils kleinere Mengen Amphetamine über eine ausgeklügelte Internetplattform namens „Shiny Flakes“ geordert. Dahinter verbarg sich ein damals 18 Jahre junger Leipziger, der zwischen Dezember 2013 und Februar 2015 im Darknet mehr als 900 Kilogramm Drogen verkaufte. Weil er seine verbotenen Geschäfte aus seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung abwickelte, erhielt er den Beinamen „Kinderzimmerdealer“ Bei dessen Festnahme stellten die Drogenfahnder neben rund 300 Kilogramm Haschisch, Ecstasy- und LSD-Pillen auch eine detaillierte Kundenliste sicher. Darauf fand sich auch der Name des Angeklagten.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung am 29. April vorigen Jahres fand die Polizei noch fünf LSD-Trips sowie 119 Tabletten, die auf der Liste verbotener Betäubungsmittel stehen. Die Tabletten habe er schon 2012 erworben: „Damals konnte man sie noch ganz normal bestellen, da waren sie noch nicht auf der Liste“, beteuerte der Angeklagte vor Gericht. Und das LSD sei eigentlich für einen Freund bestimmt gewesen, der die Bestellung „computermäßig nicht hingekriegt“ habe. „Das war eine Dummheit“, räumte der 38-Jährige ein. Den Einkauf der Ecstasy-Pillen 2014 leugnete der Beschuldigte nicht, der nach eigenen Angaben zuvor nie gekifft und auch sonst keinen Kontakt zu Drogen hatte. Aus Neugier habe er seinerzeit die Tabletten bestellt und mit Freunden konsumiert.

Strafrechlicht hatte der Mann bis dato eine blütenweiße Weste. „Es tut mir leid, das war eine blöde Idee“, zeigte er sich einsichtig. Richter Helmut Berger verurteilte den Geretsrieder zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Euro. Der Leipziger Dealer wurde übrigens bereits Ende 2015 zu sieben Jahren Jugendgefängnis verurteilt.

Rudi Stallein

Rubriklistenbild: © AFP

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