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Thekla Kraußenecks Debütroman „Cronos Cube“ ist ein Mix aus düsterer Zukunftsvision, Science Fiction und Abenteuer – spannend und witzig zugleich.

Erschreckend Reales in der künstlichen Welt

Thekla Kraußeneck stellt ihren Debütroman „Cronos Cube“ vor

Mit 30 Jahren hat sich die Geretsriederin Thekla Kraußeneck einen Kindheitstraum erfüllt. Die freie Journalistin, Ethnologie- und Philosophiestudentin hat ihren ersten Roman veröffentlicht. „Cronos Cube“ ist Ende Mai im Leipziger „Liesmich“- Verlag erschienen.

Geretsried – Die Geschichte von „Cronos Cube“ spielt im Jahr 2030, in einer Welt, in der Drohnen die Straßen Europas überwachen, in der jedermanns Handys und Internetverläufe von Geheimdiensten überprüft werden – George Orwells „1984“ mit den heutigen Möglichkeiten der Technik. Gleichzeitig hat die Armut nach der Weltwirtschaftskrise von 2019 rapide zugenommen. Menschen ohne Perspektive vegetieren in riesigen Wohnsilos vor sich hin. Für sie, aber auch für die spaßsüchtigen Reichen wird das Virtual-Reality (VR)-Spiel „Cronos Cube“ zum Ausweg.

Dank blauer Pillen fühlt sich alles echt an

In Cronos, der Kokonstadt, fühlt sich dank zuvor eingeworfener blauer Pillen und Stimulanzkappe alles so echt an wie in der Wirklichkeit. Als letzter Hort freier Meinungsäußerung ist der Fantasieort zudem eine Brutstätte des Widerstands.

Im autokratischen Irland dieser Zeit lebt der Milliardärssohn Lachlan mit seinem besten Freund Zack. Während Zack viele der Überwachungsmaßnahmen als notwendig ansieht, weil er sie nicht hinreichend hinterfragt, ist Lachlan strikter Gegner dieses Systems. Als Lachlan wegen einer revolutionären Software, die sein Vater entwickelt hat, entführt wird, versucht Zack, seinen Kumpel zu retten. Auf Geheiß der Entführer finden sich beide Protagonisten in der sagenumwobenen virtuellen Welt von Cronos wieder. Ein erschreckend reales Abenteuer erwartet sie, welches nicht nur im künstlichen Raum, sondern auch im wahren Leben Spuren hinterlässt. Die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Acht Mal flog sie für ihre Story nach Dublin

Vor sechs Jahren entwickelte Thekla Kraußeneck die Idee zu ihrem Roman, der nicht nur Jugendliche anspricht. Die begeisterte Gamerin begann, sich intensiv mit VR-Spielen zu befassen. Sie recherchierte über Drohnen und verschlang Glenn Greenwalds „Die globale Überwachung“, eine Aufarbeitung des Falls Snowden. Acht Mal flog sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Rainer nach Dublin, den Schauplatz ihrer Story. So entstand eine Mischung aus exakter Milieu- und Ortsbeschreibung, Politik- und Gesellschaftskritik sowie Ausflügen in eine unheimlich plastisch geschilderte virtuelle Welt. In ihr tummeln sich gigantische Titanmäuse, bösartige Laubwichte, Schattenantilopen, Rauchlöwen und Mikromenschen. Die Figuren sind teilweise als Zeichnungen über das Buch verteilt.

Trifft man die Autorin im Café oder auch bei Terminen für die Lokalzeitung – Kraußeneck arbeitet als freie Journalistin für die Süddeutsche Zeitung –, kritzelt sie fast immer Fabelwesen mit Kugelschreiber in ihren Block. Unter anderem ist ihr Comic „Eamon“ über einen Nebendarsteller aus „Cronos Cube“ auf der Internetplattform mycomics.de erschienen und prämiert worden.

Ans Rampenlicht muss sich die Nachwuchsautorin noch gewöhnen

„Ich zeichne und schreibe seit der dritten Klasse“, erzählt die gebürtige Berlinerin. Woher sie ihre unbändige Fantasie und Kreativität hat? „Meine Mama war eine total ausgeflippte Frau früher. Sie trug verrückte Kleider, die sie selber nähte. Sie hat mich gelehrt, offen und neugierig durchs Leben zu gehen“, sagt Kraußeneck.

Woran sich die Nachwuchsautorin noch gewöhnen muss, ist das Rampenlicht. Bei der Book-Release-Party in Leipzig las sie vor großem Publikum; im Herbst folgen Auftritte in Berlin, Düsseldorf und Köln. „Es ist alles sehr aufregend und spannend. Über die positiven Rückmeldungen bei den Lesungen freue ich mich natürlich“, sagt die 30-Jährige. Lieber würde sie jedoch zuhause oder in ihrem Lieblingscafé „Da Daniele“ sitzen, um an der Fortsetzung von „Cronos Cube“ zu schreiben. Eine Ideensammlung gibt es bereits.

Info

Am Freitag, 21. Juli, stellt die Geretsriederin Thekla Kraußeneck ihren Debütroman „Cronos Cube“ bei einer Lesung ab 19.30 Uhr in der Geretsrieder Buchhandlung Ulbrich vor. Eine zweite Lesung findet am Freitag. 11. August, um 19 Uhr in der Stadtbücherei statt. Das 470 Seiten dicke Buch ist erschienen im „Liesmich“-Verlag und kostet 16,95 Euro. Mehr Infos unter www.cronoscube.de

Tanja Lühr

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