+
Echte Handarbeit: Stolz präsentiert Gerhard Meinl. Aufsichtsratsmitglied der Buffet Group, die blitzblank polierten Tuben im Haus der Musik von Wenzel Meinl am Seniweg in Geretsried. 

Wirtschaftspreis für die Buffet Group

Tuben aus Geretsried: Hier spielt die Musik

  • schließen

Wer Tuba spielt, kennt Geretsried. Als Teil der Buffet Group setzt Wenzel Meinl die Tradition des Instrumentenbaus in Geretsried fort. Das Unternehmen erhält den Wirtschaftspreis 2017.

Geretsried– Alexander Puttkamer hat sie, Paul Halwax auch, Alan Baer sowieso: Und nicht nur die Tubisten der Berliner, Wiener und New Yorker Philharmoniker setzen auf Geretsrieder Handarbeit. Instrumente aus dem Hause Buffet Crampon sind weltweit gefragt. In der Betriebsstätte Geretsried, das Haus der Musik Wenzel Meinl, lassen sich Profis ihre Blechblasinstrumente anfertigen, informieren sich im Showroom und finden einen Ansprechpartner, wenn ihre treuen Begleiter ergonomisch oder klanglich angepasst werden müssen.

So wie Jakob Wenigwieser, der dem Bruckner Orchester Linz angehörte und nun als Musiklehrer arbeitet. Er sitzt an diesem Tag im Geretsrieder Showroom, wo er Tonleitern in seine B-Tuba bläst. „Ich lasse das Mundrohr für eine andere Sitzposition anpassen“, erklärt er. Das übernimmt Fachmann Andreas Gambs, der genau hinhört und das Instrument im Werkstatt-Atelier hinter der Fensterscheibe mit Wenigwiesers Bedürfnissen in Einklang bringt. Das Geretsrieder Unternehmen bekommt den Wirtschaftspreis. „Zu Recht“, sagt Wenigwieser und setzt seine Tuba wieder an den Mund.

Aus einer Tafel Blech wird eine Tuba

Auch in den anderen Räumen der Betriebsstätte in einem ehemaligen Bunker am Seniweg sind Töne zu hören. Sie sind allerdings erst auf dem Weg hin zur Musikalität. Hier entsteht aus einer Tafel Blech eine Tuba – in rund 180 Arbeitsstunden, in unzähligen Arbeitsschritten und an vielen verschiedenen Werkbänken. Alles Handarbeit.

Das Rohr etwa wird aus zwei Stücken zusammengelötet, mit Blei gefüllt und fein säuberlich abgeklopft. Für den Klang ist es wichtig, dass das Blech überall die gleiche Wandstärke hat. Ist das der Fall, wird das Rohr erhitzt, damit das Blei herausfließt und das Rohr mit den 150 bis 200 Teilen zusammengesetzt werden kann. Am Ende kann der Musiker sein glänzendes Blechblasinstrument in die Hand nehmen.

Hier in Geretsried werden Einzel-, Sonder- und Maßinstrumente angefertigt – vor allem Tuben. „Wir arbeiten eng mit den Musikern zusammen“, erklärt Gerhard Meinl, der heute im Unternehmen als Aufsichtsratsmitglied und Berater aktiv ist. Der Ursprung der Geretsrieder Blechblas-Instrumente liegt im böhmischen Graslitz. Nach der Vertreibung der Deutschen nahm Meinls Familie den Betrieb wieder auf – erst in Königsdorf, dann in Geretsried. Ihre Tuba war in der Nachkriegszeit besonders bei Amerikanern gefragt. Und der weiche böhmische Klang mit klar identifiziertem Kern aus dem Großraum München überzeugt bis heute. Damit das so bleibt, wird in Geretsried auch Forschung und Entwicklung betrieben.

Mit der Buffet Group stehen die Türen überall auf der Welt offen

Um das Unternehmen für die Zukunft stark zu machen, verkaufte Meinl das Familienunternehmen im Jahr 2012 an die französische Buffet Group. Dank des Weltmarktführers für Klarinetten „stehen uns die Türen überall auf der Welt offen“, sagt der 60-Jährige. Insgesamt arbeiten etwa 900 Frauen und Männer für die Gruppe – an den Standorten in Deutschland, Frankreich, China, Japan und Boston.

In Geretsried sind 27 Mitarbeiter beschäftigt. Ihnen gemeinsam ist der Bezug zur Musik und die Liebe zum Kunsthandwerk. Betriebsleiter Ferdinand Kleinschmidt etwa ist nicht nur Werkzeugmacher und Instrumentenbauer, sondern studierte auch die Tuba. Unter Auszubildenden ist der Weltmarktführer natürlich ebenso für Tuben gefragt. Die drei aktuellen Lehrlinge kommen aus der Heimat, aus Berlin und dem Iran.

Der einzige Haken an der traditionsreichen Manufaktur aus Geretsried ist wohl die längere Lieferzeit. Aber handgefertigte und auf die individuellen Bedürfnisse des Musikers angepasste Tuben können eben nicht auf Lager liegen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Warum es keinen zusammenhängenden Radweg von Geretsried nach Bad Tölz gibt
In einem offenen Brief an den Landrat beklagt ein Bürger, dass es nach wie vor keinen zusammenhängenden Radweg zwischen Geretsried und Bad Tölz gibt. Josef Niedermaier …
Warum es keinen zusammenhängenden Radweg von Geretsried nach Bad Tölz gibt
Diese Männer und Frauen bringen Stein ins Rollen
Die Geretsrieder Stadtteile sind einen Schritt weiter. Im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt“ haben Bewohner der Quartiere Beiräte gewählt. Mit ihrer Hilfe können …
Diese Männer und Frauen bringen Stein ins Rollen
13 Ickinger Straßen erhalten Tafeln, um über Vergangenheit aufzuklären
13 Ickinger Straßen, die nach Personen benannt sind, erhalten demnächst Zusatztafeln mit erläuternden Kurztexten. In seiner Montagssitzung stimmte der Gemeinderat für …
13 Ickinger Straßen erhalten Tafeln, um über Vergangenheit aufzuklären
Wegen Fußballverbot im Klassenzimmer: Gymnasiast (11) schlägt Lehrerin in den Bauch
Polizeieinsatz am Geretsrieder Gymnasium: Ein 11-jähriger Schüler hat seine Lehrerin geschlagen. Erst eine zweite Lehrkraft konnte den Buben bändigen. 
Wegen Fußballverbot im Klassenzimmer: Gymnasiast (11) schlägt Lehrerin in den Bauch

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.