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Statue Justitia - Weniger Verfahren vor Gerichten

So urteilte das Gericht

Türsteher schlägt zu – und wird dabei gefilmt

Geretsried – Ein Türsteher packt einen stark alkoholisierten Gast, der sich mit seinem Rausschmiss nicht abfinden will, am Oberkörper und ringt ihn zu Boden. Deswegen musste er vor Gericht.

Bei der Attacke zieht sich der Discobesucher eine Schramme im Gesicht zu. Wegen dieses Vorfalls war gegen den Geretsrieder Security-Mitarbeiter (44) ein Strafbefehl ergangen. Weil der Mann dagegen Einspruch eingelegt hatte, wurde der Vorfall, der sich am 5. März dieses Jahres im Wolfratshauser Turm ereignete, am Dienstag am Amtsgericht verhandelt.

Der Angeklagte gab sich wortkarg. „Ich kann dazu keine Angaben machen“, erklärte der 44-Jährige. Als Begründung gab er an, wegen eines Todesfalls derzeit unter starken Medikamenten zu stehen. Auf seine Aussage konnte letztlich verzichtet werden, weil ein Überwachungsvideo aus der Diskothek die fragliche Szene detailliert und minutiös festgehalten hatte.

Im Film ist zu sehen, wie der Gast, ein 20 Jahre junger Werkzeugmechaniker aus Tutzing, mit dem Türsteher diskutiert. Wegen eines vermeintlichen Getränkediebstahls – der junge Mann war von einer Bardame auf frischer Tat ertappt worden, wie er in der Gerichtsverhandlung offen zugab – sollte er das Lokal verlassen. „Ich hab’s in dem Moment aber abgestritten, weil der Türsteher mich ja nicht erwischt hatte.“ Kurz darauf war der Tutzinger von einem Kollegen des Angeklagten von hinten festgehalten worden. Der 20-Jährige wehrte sich nicht. Die Situation schien geklärt zu sein. In dem Moment griff der Geretsrieder völlig überflüssiger Weise erneut ein. Er zog den jungen Burschen an den Haaren, packte ihn im Genick und drückte ihn zu Boden.

„Es hat mich sehr gewundert, dass sie Einspruch eingelegt haben“, erklärte Richter Helmut Berger, nachdem er den Film mit zwei Zeugen noch einmal angesehen hatte. „Das ist so eindeutig wie nur irgendwas.“ Deshalb konnte das Urteil nur lauten: „Schuldig wegen vorsätzlicher Körperverletzung.“ Die Strafe beträgt 60 Tagessätze zu je 30 Euro. Für den Angeklagten kam erschwerend hinzu, dass er in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal wegen Körperverletzungsdelikten verurteilt worden war – einmal zu 22 Monaten auf Bewährung, zuletzt 2014 zu 1200 Euro Geldstrafe.

von Rudi Stallein

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