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Führten in Summe fast 70 Jahre den TuS Geretsried an: (v. li.) Margit Weißbach, Stefan Heinle, Mirko Naumann, Gerd Münster, Erwin Duda und Franz Füger. 

TuS Geretsried

Viele Erfolge und eine Beinahe-Pleite

70 Jahre TuS Geretsried: Die Gelegenheit, die Zeit Revue passieren zu lassen. Wir waren im Vereinsheim zu Gast.

Geretsried Auf fast sieben Jahrzehnte blickt der Turn- und Sportverein (TuS) Geretsried zurück. Er wurde am 12. April 1949 gegründet. Der aktuelle Vorsitzende Mirko Naumann lud deshalb zu einem Frühschoppen mit Zeitzeugen ins Vereinsheim ein. Eigentlich sollte Gründungsmitglied Ernst Riedl kommen, doch wie das in dem Alter so ist, musste er sich wegen Krankheit entschuldigen lassen. Dafür konnte Franz Füger, 92 Jahre alt, einiges über die Anfänge des heute mit 2300 Mitgliedern größten Vereins der Stadt erzählen.

Füger erinnerte sich an ein trauriges Ereignis. An einem Märztag im Jahr 1953 – der TuS besaß eine Fußball- und eine Turnabteilung – wartete die Vorstandschaft auf ihren Vorsitzenden Kurt Feuser. Leider vergeblich. Feuser war auf dem Weg zur Sitzung zwischen Hohenschäftlarn und Baierbrunn mit seinem Wagen tödlich verunglückt. „Er war eine rheinische Frohnatur“, erzählte Füger. „Ich habe mit ihm das Autofahren geübt, aber Kurt erwies sich als hoffnungsloser Fall.“

Turnhalle mit schwingendem Holzboden

Füger übernahm dann für ein Jahr den Vorsitz, bevor Hans Adamek für das Ehrenamt gewonnen werden konnte, das er 20 Jahre lang ausübte. Die erste Turnhalle im heutigen Schützenheim wurde eingerichtet. „Sie besaß immerhin einen etwas schwingenden Holzboden. Der TSV Königsdorf spendierte uns einen Satz Geräte, der TSV Wolfratshausen stiftete die Matten“, erinnerte sich Turnveteran Gerrit Waßmann. Nach der Schach- wurde eine Handballabteilung ins Leben gerufen, 1958 folgte eine Tischtennisabteilung und 1961 die Sparte Eissport. 1966 konnte der TuS das lang ersehnte Isarau-Stadion einweihen. Dort fand zwei Jahre später einer der bedeutendsten Wettkämpfe in der Vereinsgeschichte statt: der Leichtathletik-Ländervergleich der Frauen zwischen Deutschland und Frankreich mit Größen wie Heide Rosendahl und Liesel Westermann. Martin Walter, damals Leichtathletik-Abteilungsleiter, erzählte, dass zuvor erst einmal 53 Kampfrichter innerhalb eines Jahres ausgebildet wurden, unter ihnen Bürgermeister Heinz Schneider. Walter denkt mit Wehmut zurück an das bei den Wettkämpfen rappelvolle Stadion.

Ewin Duda, Vorsitzender von 1988 bis 1992, war extra zu dem Frühschoppen aus seiner eigentlichen Heimat Ostfriesland nach Geretsried gereist. Er schwärmte vor allem von den „legendären Sportlerbällen“, die der TuS früher noch veranstaltet hatte. Duda lobte auch Margit Weißbach, die seit fast 30 Jahren ununterbrochen dem Vorstand angehört und „die gute Seele“ des TuS sei.

Höherklassig spielen: Finanzieller Aufwand

Ebenfalls ein Zugereister übernahm nach Duda die Vereinsführung: Gerd Münster. „Mein Chef hat mir damals den Isarkurier mit in die Arbeit gebracht, weil er wusste, dass ich in den Süden Münchens umziehen wollte. Ich stieß auf eine Anzeige der neu gegründeten Badminton-Abteilung des TuS. Weil meine Frau und ich diesen Sport leidenschaftlich betrieben, trug das zu unserer Entscheidung bei, uns in Geretsried niederzulassen“, erzählte Münster. In seine Amtszeit fielen zahlreiche sportliche Erfolge wie die Teilnahme der Eishockey-Damen an der Deutschen Meisterschaft, der Aufstieg der Fußballer in die Landesliga und die Siegesserie der Volleyballer.

Doch höherklassig zu spielen war mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden. „Irgendwann ging uns das Geld aus“, blickte Münster zurück. Eine Folge war, dass die Eishockeysparte 2006 aus dem Verein ausstieg und den ESC River Rats gründete. „Wir standen kurz vor der Insolvenz. Das war mein Einstieg in den TuS“, berichtete Stephan Heinle, Vorsitzender von 2006 bis 2016.

Von Moderator Mirko Naumann nach seinem schönsten Erlebnis befragt, nannte Heinle die Gründung des TuS-Champini-Kindergartens. Als Herausforderung betrachtet es der Ex-Vorsitzende, dass „der Verein wieder zusammenwächst und nicht jede Abteilung für sich arbeitet“. Dies gelinge zunehmend. Außerdem sollte der TuS Heinles Meinung nach offen sein für neue Sportarten wie zum Beispiel Ultimate.

Tanja Lühr

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