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Wählen unter echten Bedingungen: Schüler werfen ihren Stimmzettel in eine Wahlurne.

Bundesweite Aktion 

U18-Wahl in Geretsried: So haben die Jugendlichen gewählt

Geretsried hat gewählt – zumindest 2231 Jugendliche im Alter von zehn bis 18 Jahren. Die Mittelschüler, Realschüler und Gymnasiasten haben an der bundesweiten Aktion „U 18-Wahl“ teilgenommen und neun Tage vor der Bundestagswahl ein Stimmungsbild abgegeben.

Geretsried Die CSU kommt bei den Jugendlichen auf 30 Prozent, gefolgt von den Grünen mit 18 Prozent und der SPD mit 13 Prozent. Noch vor der AfD und der Linken mit je knapp über fünf Prozent sowie der FDP (drei Prozent) und den Piraten (2,8 Prozent) landet die Tierschutz-Partei (elf Prozent). Alle Ergebnisse gibt’s im Internet unter www.u18.org.

Probe-Wahl auf Initiative des Bundesjugendrings

Am Freitag kamen 15 Helfer an die weiterführenden Schulen, um die Probe-Wahl durchzuführen. Sie geht auf eine Initiative des Bundesjugendrings zurück. In über 5000 „U 18“-Wahllokalen in Deutschland traten Minderjährige am Freitag an die Urnen. Diese waren in Geretsried ebenso original wie die Wahlkabinen. Die Stadt hatte sie zur Verfügung gestellt. Sie standen im Foyer im ersten Stock des Gymnasiums bereit. Bevor alle Schüler unter 18 Jahre ihr Kreuzchen machen durften, gab es ein wenig Staatskunde-Unterricht.

Mitarbeiter des Kreisjugendrings, des Trägervereins Jugend- und Sozialarbeit (TVJSA) und der Stadt, die die Aktion gemeinsam in Geretsried auf die Beine gestellt hatten, klärten in einer Schulstunde über Staatsaufbau, Demokratie, Wahlrecht und Parteienvielfalt auf. Es wurden Fragen beantwortet wie: Was bedeuten Erst- und Zweitstimme? Wie setzt sich der Bundestag zusammen? Welche Direktkandidaten treten im Landkreis an? Zusätzlich hingen Plakate aus, auf denen alle großen Parteien in Kurzform ihre Forderungen und Ziele beschrieben. „Die Schüler waren sehr aufmerksam“, sagte Gymnasiums-Direktor Dr. Hermann Deger am Mittag. Auch bei der Probewahl selbst zeigte sich, dass die Jugendlichen die Sache ernst nahmen. Am Ende waren nur rund 60 Zettel ungültig. Randgruppen wie die Vegetarier- und Veganerpartei fanden keine nennenswerte Beachtung.

„Wählen testen“ kommt gut an 

„Mir gefällt die Idee, dass wir das Wählen mal testen können“, sagte Annalena aus der 8. Klasse der Realschule. Die 13-Jährige gab zu, zwar keinen der Direktkandidaten zu kennen, „aber ich habe auch hier nach Partei entschieden“. Wem ihre Sympathie gelte, habe sie schon vor dem Info-Vormittag in der Schule gewusst. In der Schlange vor den Wahlkabinen hörte man Sätze wie: „Meine Eltern wählen Merkel“ oder „Meine große Schwester sagt, man muss die Grünen unterstützen“. Die Familie beeinflusst also das Denken der Jüngeren.

Souveräner Moderator: Josef Birzele, Leiter der Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf.

Das spiegelte sich am Abend bei der Bekanntgabe der Ergebnisse im Jugendzentrum Saftladen wider. Nur die Tierschutz-Partei konnte einen Überraschungserfolg verzeichnen. Von den unter 18-Jährigen waren nur wenige der Einladung zur Wahlparty und zur Diskussion mit Bundestagskandidaten und Parteivertretern gefolgt. Ältere Jugendliche nutzten jedoch die Gelegenheit, Karl Bär (Grüne), Martin Bachhuber (CSU), Hannes Gräbner (SPD), Andreas Wagner (Linke), Constantin Prinz von Anhalt (AfD), Dr. Klaus Andrae (FDP) und Holger van Lengerich (Piratenpartei) auf den Zahn zu fühlen.

Jugend will Antworten zur Rente

Erstaunlich, dass die jungen Besucher sich am meisten für das Thema Rente interessierten. „Was würden Sie als Bundestagsabgeordneter machen, damit ich nicht bis 70 arbeiten muss?“, wollte Felix Leipold (18) wissen. Gräbner und Wagner verwiesen auf ihr Ziel einer gerechten Rente. Wagner fordert mehr sozialversichungspflichtige Jobs, eine Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro und eine Reichensteuer. Bachhuber erinnerte dagegen an die demografische Entwicklung. Mehr Lebensjahre würden auch mehr Berufsjahre zur Folge haben. Von Anhalt will Fleiß und Anstrengung seitens der Politik unterstützen, damit jeder zu Wohlstand gelangen könne. Andrae sprach sich für ein flexibles Renteneintrittsalter aus. Am lockersten fiel Bärs Antwort aus: „Denkt nicht schon jetzt bei der Jobwahl an die Rente. Macht das, was ihr wirklich gerne machen wollt.“

Stellten sich den Fragen der Geretsrieder Schüler: Constantin Prinz von Anhalt, Martin Bachhuber, Klaus Andrae, Hannes Gräbner, Holger van Lengerich, Andreas Wagner und Karl Bär (v. li.)

Tanja Lühr

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