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Ein Bild mit Seltenheitswert: Nur bei großen Niederschlagsmengen führt der Schwaigwaller Bach so viel Wasser. Weil ein Großteil davon versickert, hat dies jedoch Einfluss auf den Grundwasserspiegel. 

Abdichtung für 350.000 Euro

Überflutete Keller: Bach hat Einfluss

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Der Schwaigwaller Bach trägt vermutlich eine Mitschuld daran, dass im Blumenviertel die Keller voll laufen. Die Stadt will das Bachbett nun für 350.000 Euro abdichten. Dass nichts mehr passiert, ist nicht garantiert.

Geretsried – Emmerich Wurst ist Sprecher der 2010 gegründeten Interessengemeinschaft grundwassergeschädigter Geretsrieder (IGGG). Zusammen mit anderen Betroffenen verfolgte er am Dienstag die Sitzung des Bauausschusses. Anders als die Behörden hatte die IGGG immer vermutet, dass der Schwaigwaller Bach Einfluss auf das Grundwasser hat. Durch das Gutachten ist dies nun bestätigt. Späte Genugtuung empfindet Wurst deshalb nicht. „Wir betrachten dies als Erfolg“, sagt der IGGG-Sprecher am Mittwoch auf Nachfrage. Dass die Stadt nun das Bachbett bis zur Isar abdichten will, sei ein erster Baustein. „Wenn wir Glück haben, ist es ein großer Baustein.“

Verlegung des Bachs führte zu Problemen

Rückblende: Aus Gründen des Hochwasserschutzes war der bis dato verrohrte Schwaigwaller Bach in den Jahren 2010 und 2011 freigelegt worden. Entlang der B 11 wurde die Sohle später abgedichtet, im weiteren Verlauf bis zur Isar nicht. „Es ist uns damals weisgemacht worden, dass das Bachbett von alleine dicht wird“, erinnerte sich in der Sitzung am Dienstag CSU-Stadtrat Franz Wirtensohn. Fakt ist: Seit der Verlegung des Schwaigwaller Bachs häufen sich die Meldungen, dass im Blumenviertel Grundwasser in die Keller eindringt. Die Betroffenen schlossen sich daraufhin zur IGGG zusammen. Die Stadt erklärte sich unter Bürgermeisterin Cornelia Irmer für das Problem nicht zuständig. Im Bürgermeisterwahlkampf 2014 kochte das Thema hoch. Damals versprach CSU-Kandidat Michael Müller sich der Sache anzunehmen. „Und er hat Wort gehalten“, sagt IGGG-Sprecher Wurst anerkennend. Im November 2014 wurde für 30 000 Euro ein hydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Es sollte als Grundlage für die Entscheidung dienen, ob das Bachbett, wie von der IGGG beantragt, bis zur Isar abgedichtet wird. Am Dienstag stellte Bernhard Ebner vom Büro Lahmeyer Hydroprojekt die Ergebnisse im Bauausschuss vor. Dass es so lange gedauert hat, begründete Ebner damit, dass es am Anfang kaum verwertbare Messdaten gab.

Komplizierte Datenermittlung beim Schwaigwaller Bach

Um ein Grundwassermodell erstellen zu können, wurden zunächst über einen Zeitraum von einem Jahr rund 30 Pegel beobachtet. Schwierig gestaltete sich die Datenermittlung beim Schwaigwaller Bach, weil dieser in der Regel kaum oder gar kein Wasser führt. Dass am Ende doch eine Messung möglich war, „ist der Geistesgegenwart von Herrn Klinger“ zu verdanken, sagte Ebner. Nach tagelangen Regenfällen nahm Bauamtsmitarbeiter Jan Klinger am 14. Juli 2016 eine Wasserspiegelmessung an den drei Brücken über den Bach vor. Daraus ergab sich eine Durchflussmenge von 500 Litern pro Sekunde. Nach der Brücke über das Industriegleis – also dort, wo die Sohle nicht abgedichtet ist – ist dieses Wasser auf einer Länge von 600 Metern komplett im Erdreich versickert.

Die Folge daraus erklärte der Gutachter am Dienstag so: „Wegen unzureichender hydraulischer Kapazität können diese Sickerwassermengen nicht zeitgleich abfließen. Die Überschussmengen füllen den Porenraum im Untergrund auf und erhöhen so lokal den Grundwasserspiegel.“ Nach einer Modellberechnung liegt dieser mit der Versickerung 25 Zentimeter über dem Scheitel. Das heißt: Der Schwaigwaller Bach hat Einfluss auf das Grundwasser. Dieser Einfluss, so fügte Ebner hinzu, sei aber je nach Charakteristik eines Niederschlagsereignisses und der klimatischen Bedingungen „unterschiedlich stark und ortsabhängig“.

Arbeiten dürfen erst im Frühjahr 2018 beginnen

Noch am Dienstag beauftragte der Bauausschuss die Verwaltung, konkrete Vorschläge mit Kostenschätzung vorzulegen, wie der Anstieg des Grundwassers durch den Schwaigwaller Bach zu verhindern ist. Der Bürgermeister hatte bereits im Vorfeld 350 000 Euro für eine Abdichtung des Bachbetts in den Haushalt einstellen lassen. Die Maßnahme muss allerdings erst geplant und dann ausgeschrieben werden. Auch bedarf es einer wasserrechtlichen Genehmigung. Deshalb dürften die Arbeiten erst im Frühjahr 2018 beginnen. „Das ist keine Garantie, dass die Keller nicht mehr voll laufen“, dämpfte Müller die Erwartungen. „Aber es ist der Versuch, das Risiko auszuschließen.“

Im zweiten Schritt hat der Stadtrat bereits beschlossen, ein Grundwassermanagement für ganz Geretsried einzuführen. „Das ist auch dringend notwendig“, sagt IGGG-Sprecher Wurst. „Es geht nicht nur um das Blumenviertel.“

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