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„Weil ich Geretsried so gerne habe“: Ministerpräsident Horst Seehofer alias Wolfgang Krebs begrüßt das Publikum in den Geretsrieder Ratsstuben.

Aus der Augsburgerpuppenschachtel

So überzeugte Wolfgang Krebs bei seinem Auftritt

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Geretsried – Wolfgang Krebs und seine Bayerischen Löwen bereiten in den Geretsrieder Ratsstuben viel Vergnügen. Auch auf die aktuellen lokalpolitischen Themen ging er ein.

Die „Villa Bunterkunst“ und das Konzert mit Claudia Koreck im Geltinger Hinterhalt (wir berichteten) waren die ersten großen Herausforderungen im Zuge der Organisation der Reihe „Geretsrieder Kultur im Herbst“. Am Mittwochabend folgte für den federführenden Kulturverein Isar-Loisach (KIL) die nächste Reifeprüfung: Wolfgang Krebs mit seinen Bayerischen Löwen kam in die Geretsrieder Ratsstuben. 150 Karten, das wusste man, waren von der mittlerweile insolventen Cultus Production GmbH in Füssen verkauft worden. Unterm Strich waren es schließlich gut 200 Besucher, die den politischen Verwandlungskünstler und seine originellen Blasmusiker live genießen wollten.

Ministerpräsident Horst Seehofer alias Wolfgang Krebs grüßte von der Bühne, weil er „Geretsried so gerne hat“ und weil’s hier „problemorientierte Lösungspolitiker im Stadtrat gibt“. Er fühlte sich sichtlich wohl im Ratsstubensaal mit der weiß-blauen Festzelt-Dekoration – ähnlich wie beim Starkbieranstich. So bauten die Helfer nach und nach noch Tischreihen an, um zusätzlich Plätze zu schaffen. Der Einlass lief reibungslos, lediglich vier Personen, die erst kurz vor Beginn kamen, mussten von den KIL-Organisatoren am Eingang abgewiesen werden.

Dass dieser Abend überhaupt stattfinden konnte, lag laut Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller an der unbürokratischen Zusammenarbeit zwischen Stadtrat und Kulturverein. Und dann ging’s los mit den fünf Bayerischen Löwen in Lederhosen an Tuba, Trompeten und Posaune. „Schnallt’s eich o, jetzt gibt’s Blechblas-Rock’n’Roll“ und andere musikalische Kuriositäten, wie etwa die bayerische Kini-Version von Queens „Under Pressure“, einem mit dem Mund geformten Schmatz-Rhythmus, bis hin zu Schmankerl-Delikatessen.

Danach kam frisch gekämmt und neu gescheitelt Edmund Stoiber hinterm Bühnenvorhang hervor. Wolfgang Krebs in seiner Paraderolle des orientierungslosen und sprachgewandten Repräsentant der bayerischen Staatspolitik. Ein Stoiber, der direkt von der Jubiläumsfeier der „Augsburgerpuppenschachtel“ in die Geretsrieder Ratsstuben eilte, obwohl er derzeit an seinen „Memoriden“ schreibt und eigentlich lieber aus seiner Heimatstadt „Hausratswolfen“ den Geretsriedern die Bergpredigt halten würde. All das schafft die Lichtgestalt aus Bayern ohne Mühe, denn er ist, wie er selbst sagt, „die Lady Gaga der bayerischen Staatspolitik.“

Blasmusik mit Thermomixtanz zum Mitmachen

Wieder Schnitt, wieder Rollentausch, nochmal Blasmusik mit Thermomixtanz zum Mitmachen – und schon lässt sich ein neuer Charakterkopf blicken, einer aus der Fraktion der Ehrenamtler. Es ist der Schorsch, Vorstand vom Veteranenverein aus Germhaferl-Dingerling, der sich über „jeden Scheißdreck in seiner Gemeinde aufregt“, aber ganz besonders über „die SUVisten aus den Passivhäusern mit den Bio-Schnacksel-Heizungen und den SUVs vorm Garagentor.“ Schorsch ist überzeugt: Das Ehrenamt stirbt in den Neubauregionen aus, sein Fazit lautet: „Junge Burnout-Typen braucht der Veteranenverein nicht.“

Das Fazit des Abends war dagegen ein anders: Wolfgang Krebs, den braucht‘s weiterhin. Denn er hat eine herrlich ironische Zustandsbeschreibung der bayerischen Politik mit Bezug zum kommunalen Geschehen angestellt – gewohnt zungenbrecherisch, zielorientiert und zeitlos gut.

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