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Es ist vollbracht: Die Ultrafiltrationsanlage zur Trinkwasseraufbereitung ist am Donnerstag offiziell in Betrieb genommen worden. Der Geretsrieder Bürgermeister Micha el Müller (Mitte), sein Königsdorfer Amtskollege Anton Demmel (li.) und Jan Dühring, Leiter der Geretsrieder Stadtwerke, stellten die Anlage bei einem Ortstermin vor. 

Ultrafiltrationsanlage geht in Betrieb

Wasser muss nicht mehr abgekocht werden

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Die Bürger der Stadt Geretsried können aufatmen: Seit Donnerstag brauchen sie ihr Trinkwasser nicht mehr abkochen. Die Königsdorfer müssen sich noch ein paar Wochen gedulden.

Geretsried – Über drei Jahre waren die Bürger angehalten, das Wasser aus dem Leitungshahn vor dem Verzehr abzukochen. Damit ist jetzt – zumindest in Geretsried – Schluss. Nach 16 Monaten Bauzeit und einer mehrwöchigen Testphase ist die Ultrafiltrationsanlage (UF-Anlage) zur Trinkwasseraufbereitung nun offiziell in Betrieb genommen worden. Ursprünglich sollte die Anlage schon Ende des Jahres 2016 laufen. „Wir sind zeitlich ein bisschen drüber“, sagte Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel am Donnerstag beim Ortstermin. „Aber das war nicht kriegsentscheidend.“ Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung habe stets oberste Priorität gehabt.

Notwendigkeit wurde kontrovers diskutiert – Gesundheitsamt hatte Recht

Wie berichtet war die Notwendigkeit einer Ultrafiltrationsanlage sowohl in Königsdorf als auch in Geretsried kontrovers diskutiert worden. Beide Kommunen hatten beim Verwaltungsgerichtshof Klage eingereicht. Das Gericht gab dem Tölzer Gesundheitsamt Recht, das den Einbau einer Filteranlage gefordert hatte. Unabhängig davon, ob man diese Auffassung teile oder nicht: „Damit haben wir Rechtssicherheit“, sagte Demmel.

Müller: „Wir haben alles Menschenmögliche getan“

Sein Geretsrieder Amtskollege Michael Müller bestätigte, dass die Stadt anfangs „ihre liebe Not“ mit der Filteranlage gehabt habe; aber es habe keine Alternative gegeben. Jetzt sei man froh, dass die Bauarbeiten beendet sind und die Anlage laufe. „Wir haben alles Menschenmögliche getan“, sagte der Rathauschef. Einziger Wermutstropfen sei die Erhöhung des Wasserpreises gewesen. Denn die 4,6 Millionen Euro teure Filteranlage muss auch finanziert werden: In der Gemeinde Königsdorf kostet der Kubikmeter nun 0,25 Cent mehr, in Geretsried seit Anfang des Jahres 0,30 Cent pro Kubikmeter.

Dühring: „Das Wasser ist keimfrei“

Bei der neuen UF-Anlage handelt es sich um einen „superfeinen Filter“ mit Membranen aus Kunststoff, erklärte der Geretsrieder Stadtwerkeleiter Jan Dühring. Diese Membran habe eine „Maschenweite“ von 20 Nanometer. Zum Vergleich: Ein Nanometer ist ein Milliardstel eines Meters. „Er ist so fein, dass er Mikroorganismen und Partikel wie Bakterien vollständig zurückhält“, sagte Dühring. „Das Wasser ist keimfrei.“ E-Coli-Bakterien haben eine Größe von 500 bis 1500 Nanometer und würden von der Membran „problemlos“ zurückgehalten. Der so genannte Chemismus des Trinkwassers werde durch die Filtration nicht verändert: Gelöste Stoffe wie beispielsweise Magnesium und Kalzium bleiben laut Dühring erhalten.

Chlorung des Wassers wird stufenweise heruntergefahren

Zum Schluss verkündete der Stadtwerkeleiter, dass die Geretsrieder ihr Trinkwasser ab sofort nicht mehr abkochen müssen. Die Chlorung des Wassers werde hingegen stufenweise heruntergefahren. Das hänge mit dem Biofilm in den Rohrleitungen zusammen. Ansonsten könne es passieren, dass bestimmte Indikatorparameter ansteigen, und das wolle man vermeiden. Dühring schätzt, dass es noch ein paar Wochen dauern wird, bis auch das Chloren eingestellt wird.

Königsdorf: Leitungen müssen noch umgebaut werden

Die Bürger der Gemeinde Königsdorf müssen sich noch etwa drei Wochen gedulden, bis auch sie auf das Abkochen ihres Trinkwassers verzichten können. Dort ist Dühring zufolge noch ein erheblicher Umbau der Leitungen notwendig. 

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