Ein Euro pro Stunde: Auch im Geretsrieder Zentrum gibt es künftig Parkscheinautomaten.
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Ein Euro pro Stunde: Auch im Geretsrieder Zentrum gibt es künftig Parkscheinautomaten.

Stadtrat beschließt Parkraumkonzept

Um den Karl-Lederer-Platz: Parken kostet künftig Geld

  • Susanne Weiss
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Lange wurde diskutiert, nun ist es beschlossene Sache: das Parkraumkonzept um den Karl-Lederer-Platz. Dort werden Autofahrer nächstes Jahr zum Parkscheinautomaten gebeten.

  • Der Karl-Lederer-Platz in Geretsried wurde umgestaltet
  • Um mehr Aufenthaltsqualität zu bieten, sollen Autos in der Tiefgarage parken
  • An der Oberfläche werden Parkscheinautomaten installiert

Geretsried – Parken in der „Neuen Mitte“ wird ab dem 1. April 2021 etwas kosten. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am Dienstagabend im Ratsstubensaal ein entsprechendes Konzept für den oberirdischen Umgriff des Karl-Lederer-Platzes beschlossen. Die Tiefgarage wird privat betrieben, aus diesem Grund sind deren Gebühren nicht darin geregelt.

Im Juli konnte sich der Stadtrat auf kein Kostenmodell für die oberirdischen Parkplätze einigen. In einer nicht öffentlichen Sondersitzung im November sei daraufhin nochmals diskutiert worden, berichtete Rainer Goldstein. Der Stadtbaurat legte dem Gremium nun ein Konzept vor, das aus Sicht der Verwaltung der Situation Rechnung trage, wie er sagte (siehe Kasten). Die Mehrheit des Gremiums akzeptierte die Version. Dagegen stimmten die Fraktionsmitglieder der Geretsrieder Liste (Volker Reeh, Patrik Kohlert und Dr. Elmar Immertreu), Hans Hopfner, Wolfgang Werner sowie Arthur Wolfseher (alle SPD) und Dr. Detlev Ringer (Grüne).

Geretsrieder Liste gegen Parkgebühren

„Das Thema Parkgebühren ist kein leichtes“, hatte Goldstein vorausgeschickt. Das Konzept müsse differenzierte Interessen berücksichtigen. „Wir haben Bewohner, Besucher, Kunden des Einzelhandels, Patienten der Praxen und Menschen, die im Zentrum arbeiten“, zählte er auf. Grundlage sei aber der Bürgerworkshop im Jahr 2018. „Besonders wichtig war den Bürgern, dass Parken unterirdisch stattfindet. und der Platz oben ein Ort für die Geretsrieder wird“, so der Stadtbaurat. Als Argument für das Konzept führte er an, dass viele Kommunen eine Parkraumbewirtschaftung hätten, auch in den umliegenden Gemeinden.

Die Geretsrieder Liste setzte sich vergeblich dafür ein, es bei kostenlosem Parken im Zentrum zu belassen. Fraktionssprecher Kohlert beantragte zunächst, die Abstimmung zu verschieben, bis das BGZ 2, also der Neubau der Baugenossenschaft an der Egerlandstraße, eröffnet. Angesichts des nach Weihnachten drohenden erneuten Lockdowns der Geschäfte, „sollten wir die Gewerbetreibenden eigentlich stützen“, sagte er. Bürgermeister Michael Müller entgegnete, dass trotz Corona Auto gefahren werde. „Wir können diesen Wilden Westen da draußen nicht noch zwei, drei Jahre lassen“, so der Rathauschef. Das stehe außer Frage, gab ihm Volker Reeh Recht. Aber: „Die Frage ist, ob wir Geld nehmen wollen oder nicht.“

Behindertenparkplätze vorgesehen

Der Antrag der Geretsrieder Liste auf Aufschub wurde im Gremium mehrheitlich abgelehnt. Daher legte Kohlert ein alternatives Konzept vor. Parken solle begrenzt werden – in den Nebenstraßen weiträumig auf zwei Stunden, im Bereich des Kindergartens und am Karl-Lederer-Platz eine halbe Stunde –, aber kostenfrei bleiben. Müller und dessen Stellvertreterin Sonja Frank (Freie Wähler) missfiel vor allem, dass das Konzept eine gewisse Anzahl von Parkplätzen auf dem Karl-Lederer-Platz vorsah. „Natürlich soll der ruhende Verkehr in die Tiefgarage“, sagte Elmar Immertreu daraufhin.

Im Vorschlag der Verwaltung vermisste Kohlert auch Parkplätze für Menschen mit Behinderung. „Die sind nicht vergessen worden. Als Behindertenbeauftragte bin ich dran“, versicherte Sabine Lorenz (CSU). Auf Nachfrage von Reeh nannte Goldstein einen Preis, der für die Anschaffung für die Parkautomaten anfalle. „Wir tragen gerade zusammen, welche Features wir brauchen. Die gehen bei 4500 Euro los.“

Reeh mahnte zudem die Parkraumüberwachung an: „Wir können Parkautomaten aufstellen, wie wir wollen, wenn wir nicht überprüfen.“ Bürgermeister Müller versicherte, dass Gespräche geführt werden würden. Zur Zeit tue sich die Kommunale Verkehrsüberwachung aber schwer, „weil wir kein Konzept haben“.

Die Freien Wähler leiteten das Ende der Debatte ein. Man könnte meinen, dass es hier um massivste Gebühren gehe, sagte Dominik Irmer. „Wir reden hier von einem Euro pro Stunde. Wenn ich mir das Konsumverhalten anschaue, kann ich nicht sehen, wo das Probleme bereiten soll.“ Auch Heiko Hawla meinte: „Es wird keinen Autofahrer geben, der in eine andere Stadt fährt, weil das Parken dort nur 60 Cent kostet.“ Nachdem Martina Raschke (Grüne) vorgeschlagen hatte, das Konzept der Verwaltung zu beschließen, aber erst später umzusetzen, einigte sich die Mehrheit auf den 1. April 2021. Das Datum hatte Müller genannt. „Da sind das Weihnachtsgeschäft und der Lockdown überstanden“, so der Bürgermeister.

Parkraumkonzept

Ab 1. April 2021 gilt das Parkraumraumkonzept im Zentrum. Es berücksichtigt die Baustelle an der Egerlandstraße, wo Baugenossenschaft und Sparkasse neue Wohn- und Geschäftshäuser samt Tiefgarage errichten. Daher ist davon auszugehen, dass das Konzept angepasst wird, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind. Vorgesehen sind fünf Parkscheinautomaten und folgende Regeln:

• Parkplätze im direkten Umfeld des Karl-Lederer-Platzes: Kurzparkzone á 30 Minuten von 8 bis 18 Uhr (kostenfrei)

• Parkplätze vor den Ratsstuben, im Rathausinnenhof und gegenüber an der Graslitzer Straße: kostenpflichtig, 1 Euro pro Stunde, maximale Parkdauer zwei Stunden, ebenfalls von 8 bis 18 Uhr

• Böhmwiese: kostenlos und zeitlich unbegrenzt

• Parkplatz an der Petruskirche und Parkplätze entlang der Egerlandstraße: kostenlos, maximale Parkdauer zwei Stunden

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