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Eisreste, versetzt mit Textilfetzen und Calciumcarbonat, sind hinter dem Eisstadion ins Naturschutzgebiet gekippt worden. 

Ärger um den ESC Geretsried

Massenhaft Eis aus Stadion in Naturschutzgebiet entsorgt

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Geretsried - Ganz schön unverfroren: Unbekannte haben Eis aus dem Eisstadion in Geretsried (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) an einem Hang hinter der Halle entsorgt – mitten in einem Naturschutzgebiet.

Eigentlich ist die Nachbarin froh, „dass der tägliche Lärm und Krawall aus dem Eisstadion erstmal ein Ende haben“, sagt sie. Doch wie die Reste der Eisfläche entsorgt wurden, spottet nach ihren Worten jeder Beschreibung: „Die Eisreste wurden mitsamt der Plastikstreifen und Farbreste hinter dem Eisstadion einfach den Hang hinunter direkt ins Naturschutzgebiet gekippt.“ Die „Riesensauerei“, wie es die Anwohnerin nennt, hat sie auf Fotos dokumentiert und an die Behörden geschickt. „Bitte kümmern Sie sich umgehend um eine Überprüfung der enthaltenen Farbstoffe/Gefahrenstoffe, deren Auswirkung auf Natur und Grundwasser und um eine fachgerechte Entsorgung“, schreibt sie. „Wir Bürger werfen schließlich auch nicht einfach alles in den Wald.“

Die Behörden wurden nach dem Eingang der E-Mail, die auch an unsere Zeitung ging, unverzüglich tätig. Zusammen mit einem Mitarbeiter des Landratsamtes in Bad Tölz schaute sich die Umweltbeauftragte der Stadt Geretsried, Inken Domany, die Sache vor Ort an, berichtet Sabine Schmid, Pressesprecherin der Kreisbehörde, auf Nachfrage unserer Zeitung. Umweltbeauftragte Domany stellte sofort Nachforschungen nach dem Verursacher und den Inhaltsstoffen des abgelagerten Materials an.

Eine Umweltgefährdung liegt nicht vor

Die gute Nachricht: Eine Umweltgefährdung kann nach Rücksprache mit dem Wasserwirtschaftsamt in Weilheim ausgeschlossen werden, erklärt Schmid. Bei den vermeintlichen „Farbresten“ handelt es sich um Calciumcarbonat, auch als „Marmormehl“ bekannt – eine chemische Verbindung, die zur Eisbereitung eingesetzt wird. Die Textilfetzen sind Reste der auf der Eisfläche eingebrachten Linien.

In Absprache mit dem Landratsamt wird das abgelagerte Eis nun zurück auf die asphaltierte Fläche beim Eisstadion gebracht, wo es abtauen kann, erläutert die Behördensprecherin. Die dann anfallenden Reste werden ordnungsgemäß entsorgt. „Der durch die im Eis enthaltenen Stoffe optisch verunreinigte Untergrund im Naturschutzgebiet wird abgetragen und ebenfalls ordnungsgemäß entsorgt. Gleiches gilt für die Eisreste, die im nahen Umgriff des Eisstadions abgelagert wurden.“

Der ESC-Vorsitzende ist stocksauer 

Das Eisstadion befindet sich im Eigentum der Stadt, wird aber seit 2009 vom Eissportclub (ESC) Geretsried betrieben. Dessen Vorsitzender Thomas Stöber erfuhr erst durch einen Anruf aus dem Rathaus von dem Vorfall und hat sich die Sache sofort vor Ort angeschaut. „Ich war selbst erschrocken und bin stinksauer“, sagt er. „Das ist furchtbar peinlich.“ Stöber ist Vorsitzender des Sportvereins, für den Betrieb des Stadions gibt es einen eigenen Verein. Der ESC-Chef kann sich daran erinnern, dass man besprochen habe, das Eis heuer nicht im Stadion, sondern draußen in der so genannten Grube abtauen zu lassen und dann die Inhaltsstoffe ordnungsgemäß zu entsorgen.

Wer das Eis letztlich ins Naturschutzgebiet gekippt hat, ist ihm ein Rätsel. „Ich unterstelle niemanden eine Absicht und will auch keinem die Schuld zuschieben“, sagt Stöber. „Aber wir müssen klären, wie das passieren konnte.“ Der ESC kämpfe so hart für den Erhalt des Stadions und jetzt das: „Das ist eine Steilvorlage für alle Gegner des Eissports. Dümmer geht’s nimmer.“

Auch wenn sich der ESC Geretsried sofort bereit erklärt hat, die ordnungsgemäße Entsorgung der Eisreste zu übernehmen, drohen dem Verein Konsequenzen. Laut Schmid steht „der Tatbestand des unerlaubten Ablagerns von Abfällen außerhalb dafür zugelassener Anlagen im Raum“. Weil zudem ein Naturschutzgebiet betroffen ist, „wurde ein Ordnungswidrigkeitenverfahren nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz sowie nach der Naturschutzverordnung ,Isarauen‘ eingeleitet.“

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