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Mit einem besonderen Fall von Hausfriedensbruch musste sich die Justiz beschäftigen.

1800 Euro Geldstrafe für 49-jährigen Geretsrieder 

Obdachloser nistet sich in Forsthaus ein

Geretsried - Wegen Hausfriedensbruch stand ein Geretsrieder (49) vor Gericht. Die Geschichte dahinter klingt merkwürdig.

Weil er es sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft unberechtigterweise in einem leerstehenden Forsthaus am Friedhof gemütlich gemacht hatte, musste sich ein arbeitsloser Geretsrieder (49) vor Gericht verantworten. Dem Mann wurde Hausfriedensbruch und Urkundenfälschung vorgeworfen. Er soll bei seiner Entdeckung einen gefälschten Mietvertrag vorgelegt haben.

Zur Verhandlung erschien der Angeklagte nicht. Stattdessen schilderte sein Verteidiger Manfred Fuchs, wie sich die Sache für seinen Mandanten darstellt. Demnach hatte der 49-Jährige Ende Juli vergangenen Jahres auf dem Friedhof gejobbt und beim Heckeschneiden das marode Forsthaus entdeckt. Als der Beschuldigte, der „vorher unter der Brücke wohnte“, sich das Haus näher anschaute, habe er eine „älteren Herrn“ getroffen. Dieser habe ihm Schlüssel und Mietvertrag versprochen, wenn der Angeklagte sich ernsthaft für das Häuschen interessiere. Einzige Bedingung sei gewesen, dass er sich um das Haus kümmere. Daraufhin habe sein Mandant „Steckdosen ausgewechselt, geputzt, aufgeräumt, den Rasen gemäht und die Goldfische im Teich gefüttert“.

Das Glück im eigenen Heim war jedoch nur von kurzer Dauer. Bald entdeckte der frühere Bewohner des Hauses, ein Forstbeamter a.D., dass mit dem verlassenen Forsthaus, etwas nicht stimmte. Er informierte die Forstverwaltung, die den unliebsamen Bewohner ein paar Tage später wieder an die Luft setzte. Der ominöse Dritte, der den dilettantisch und fehlerhaft aufgesetzten Mietvertrag verfasst haben soll, war nicht zu ermitteln.

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft war das Vorgehen des Angeklagten, wenngleich „vermutlich aus der Not heraus begangen, als kriminell zu bezeichnen“. Dem konnte Verteidiger Fuchs nicht folgen. „Er ging in seiner Naivität davon aus, dass er mit dem Schlüssel tatsächlich berechtigt war, in dem Haus zu wohnen“, argumentierte der Rechtsanwalt. Deshalb liege ein Hausfriedensbruch nicht vor. Überdies sei die ganze Geschichte so absurd, dass er eine Verurteilung für nicht angebracht halte.

Richter Helmut Berger schloss sich der Auffassung des Staatsanwalts an. Er verurteilte den „einfach strukturierten“, aber bereits mehrfach vorbestraften Geretsrieder zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro (insgesamt 1800 Euro). Der Richter wertete die „Kreativität“, mit der der Angeklagte versucht habe, „mit dilettantischen Mitteln eine legale Basis zu schaffen“, als strafverschärfend. „Er kann von Glück sagen, dass er hier mit einer Geldstrafe bedient wird.“

Rudi Stallein

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